Ausnahmsweise mehr als eine hektische Sketchparade: "Minions und Monster“
Die offiziell gemeldeten Previewzahlen von "Minions und Monster“ waren so gut, dass der Hit aus dem Hause Illumination schon vor seinem Start die Nummer 1 in den deutschen Kinos ist. Also: Augen zu und durch! Denn erwähnt man in Elternkreisen den Namen "Minions“, beginnt oft schon das Stöhnen.
Seit die kleinen, gelben Überraschungs-Filmeier 2010 als Nebenfiguren im Animationsfilm "Ich - einfach unverbesserlich!“ auftraten, haben sie die Kinderzimmer erobert. Sechs Filme und allein in Deutschland rund 25 Millionen Kinobesucher sprechen eine deutliche Blockbuster-Sprache. Für viele Erwachsene jedoch sind die aggressiv hibbeligen Tollpatsch-Sketche der Mini-Bösewichter in Spielfilmlänge kaum zu ertragen.

Dabei hat der wuselig trickreiche Slapstick durchaus seine filmischen Vorbilder. Und vor denen verbeugt sich "Minions & Monster“ gerade im ersten Filmdrittel auf durchaus charmante Art und Weise. Bereits der Vorspann des neuen Animationsfilmabenteuers ist gespickt mit gewitzten Verweisen auf die Filmgeschichte.
Die kleinen gelben Gschaftlhuber in der Stummfilmzeit
Die Minions, so wird hier augenzwinkernd behauptet, hatten bereits "Die Ankunft eines Zuges“ der Brüder Lumière erwartet und waren auch bei der "Reise zum Mond“ von Georges Méliès mit an Bord. Es spricht für das Universal Studio und den französischen Regisseur Pierre Coffin, dass man den Mut und den Einfallsreichtum besitzt, in verspieltem Schwarz-Weiß noch einmal, im Jahr 2026, dem wunderbaren, fast vergessenen Stummfilmkino zu huldigen. Die Hommage bleibt aber kein Gag zum Selbstzweck, sondern wird Teil der – gewohnt dünnen – Handlung. 1927 spielt "Minions & Monster“. Eine Zeit, in der die gelben Kasperl noch nicht bei ihrem Meister Gru gelandet sind, sondern nach dem passenden Ober-Bösewicht suchen, dem sie dienen können.
Nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd, mit zahlreichen smarten Verweisen an das Westernkino, aber auch an die Slapstick-Pioniere Harold Lloyd, Buster Keaton und Charlie Chaplin kommen die Minions in Hollywood an. Den aufwändigen neuen Film des Regisseurs Max, eine von Christoph Waltz wunderbar eingesprochene Hommage an Josef von Sternberg ("Der blaue Engel“), sprengen die Minions dabei unfreiwillig. Der Frust von Max über das künstlerische Unglück wandelt sich rasch, als die Produzentenschwergewichte vom Ergebnis des Films begeistert sind.

Und die Minions? Sie werden bald zu gefeierten Stummfilmstars, bis, ja, bis der Tonfilm ihrer Karriere ein brutales Ende setzt. Wunderbar gelingt hier eine Szene, in dem einem Kauderwelsch sprechenden Minion das legendäre Wort "Rosebud“ (aus "Citizen Kane“) nicht über die Lippen kommt.
Was nun folgt, ist eine deutlich konventionellere Rückkehr zu den kindgerechten, albernen Wurzeln der Filmreihe. Möchtegern Minion-Filmemacher James will seinen Traum einer Regiekarriere partout nicht aufgeben und lässt sich auf den gewieften Fiesling Goomi (deutscher Sprecher: Bill Kaulitz) ein, der trotz kleiner Gestalt finstere Weltzerstörungspläne hegt. Die anderen Minions täuschen sich derweil im Roboter Dort (Stimme: Tom Kaulitz), der lieber seinem Herzen anstatt Allmachtsfantasien folgt.

Mit viel Aufwand und einem Übermaß an Action werden am Ende diese Handlungsstränge verkrampft zusammengetackert. Das große Finale findet aber wieder den Bogen in Richtung Filmhommage. Diesmal, wie passend, im Zentrum: das Monster-Kino.
Kino: Cadillac, Cincinnati, Solln, Cinemaxx, Leopold, Rex, Mathäser, Royal und Cinema, Museum (OV)
R: Pierre Coffin (USA, 90 Min.)
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- Bill Kaulitz
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