"Alles unter Kontrolle!": Peinliche Abschiebepraxis

Der Regisseur von „Monsieur Claude“ meint jetzt "Alles unter Kontrolle!" zu haben. Aber der Witz geht schief.
| Margret Köhler
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Medi Sadoun als Abschiebeopfer.
Neue Visionen Medi Sadoun als Abschiebeopfer.

Der Regisseur von "Monsieur Claude" meint jetzt "Alles unter Kontrolle!" zu haben. Aber der Witz geht schief.

Vier Millionen Zuschauer begeisterte die Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" allein in Deutschland, die mit radikalem Witz die französische Bourgeoisie und ihre Vorurteile gegen Juden, Schwarze oder Muslime auf die Schippe nahm. Klar, dass Philippe de Chauveron den großen Wurf wiederholen möchte, erneut auf das Spiel mit Klischees setzt und zwei der Schwiegersöhne von Monsieur Claude (Ary Abittan und Medi Sadoun) wieder dabei sind.

Diesmal knöpft er sich das Thema Flüchtlingspolitik vor. Doch statt Komik gibt‘s groben Klamauk, statt Humor Humbug, statt Leichtigkeit Langeweile.

Zwei geistig ziemlich schlichte französische Grenzpolizisten sollen einen Asylbewerber zurück in seine Heimat bringen: nach Afghanistan, obwohl er hartnäckig behauptet, Algerier zu sein. "Alles unter Kontrolle" glaubt das Duo, als es mit dem Abzuschiebenden endlich im Flieger sitzt. Nach der Notlandung auf Malta beginnt das Chaos.

Im schicken Hotel entdecken die tumben Kerle ihr Testosteron, während ihr "Schützling" sich samt Heizkörper, an dem er gefesselt ist, aus dem Staub macht. Als sie ihn wieder einfangen, geht‘s – ohne Handschellen – zu Dritt in die Disco. Als einer der Bewacher noch nach einer Irrfahrt auf See im Auffanglager Lampedusa landet, wo der Franzose plötzlich als Migrant gilt und entsprechend schlecht behandelt wird, ist endgültig Schluss mit lustig.

Alle drei Hauptfiguren sind unglaubwürdig und lächerlich, unerträglich Medi Sadoun, der als Abschiebe-Opfer hilflos vor sich hin grimassieren und dummes Zeug plappern muss. Trotz Menschlichkeit und Freundschaft am Ende kriegt die Komödie auf dem Niveau einer Schülerklamotte nicht die Kurve zu einem Quäntchen Ernsthaftigkeit. Ironie oder Satire Fehlanzeige, die raren Ansätze zu Pointen werden schnell durch den nächsten Kalauer platt gewalzt, Angriffe auf "politische Korrektheit" versinken in Harmlosigkeit. Dabei hätte die Geschichte Potenzial geboten. So ramponiert Chauveron nur seinen Ruf.


Kino: Leopold, Mathäser, Monopol und Theatiner (OmU)

B&R: Ph. de Chauveron (F, 91 Min)

 

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