Alexander Payne: Die Entdeckung der alten Jugend

„Nebraska“ von Alexander Payne ist eine Vater-Sohn-Geschichte und eine US-Provinztour, die auch den Drehbuch-Oscar gewinnen könnte
| Adrian Prechtel
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Bruce Dern (M.) als Woody Grant und sein Sohn David Grant (Will Forte, l) in einer Szene des s/w Films "Nebraska". Die Komödie kommt am 16.01. in die deutschen Kinos.
Merie W. Wallace/Paramount Pictures Bruce Dern (M.) als Woody Grant und sein Sohn David Grant (Will Forte, l) in einer Szene des s/w Films "Nebraska". Die Komödie kommt am 16.01. in die deutschen Kinos.

„Nebraska“ von Alexander Payne ist eine Vater-Sohn-Geschichte und eine US-Provinztour

Es gibt Filme, die berühren durch ihre ehrliche Nähe zum normalen Leben. Und dann könnte man in „Nebraska“ auch noch vor Rührung heulen, so wenn am Ende der alte Vater (Bruce Dern) noch ein letztes Mal einen großen Pick-Up über die Hauptstraße der Kleinstadt seiner Jugend steuert, noch einmal wie aus der Zeit gefallen als King of the Road, obwohl er eigentlich schon ein Wrack ist, aufgegeben von seiner Frau, die mit dem senilen Mann eigentlich nichts mehr zu tun haben will, ihn den müden Trinker, hätte sie das Geld, in ein Heim geben würde.

Payne hat "About Schmidt", "Sideways" und "The Descendents" gemacht

Alexander Payne hat der klassischen Hollywood-Kinogeschichte schon große Filme geschenkt: die Louis-Begley-Verfilmung „About Schmidt“ mit Jack Nicholson, die kalifornische Weinberg-Romanze „Sideways“ oder den Clooney-Hawaii-Familiengeschichtsfilm „The Descendants“.

Aber bei all dem Glanz, der bei Payne immer auch große Tiefe hat, fehlte dem Mann aus Nebraska doch noch etwas: eine völlig ungeschönte Heimat- und Familiengeschichte, wie er sie kennt: Payne wurde 1961 in Omaha geboren.

Die kaputten Familienwerte, ein "schlechter Vater" und ein guter Sohn

Sein neuer Film feiert die Familienwerte wie Solidarität, Verlässlichkeit und Zusammenhalt auf radikal andere Weise als es das sentimentale Hollywood normalerweise tut. In „Nebraska“ bricht ein Sohn (Will Forte), der mit dem geistigen Verfall seines alten Herrn, der nie ein „guter Vater“ war, konfrontiert ist, auf: dorthin, wo der Alte herkam, bevor er sein Vater wurde. Es ist das späte Sich-Kennenlernen von Vater und Sohn im Moment des elterlichen Verlöschens.

„Nebraska“ könnte so eine sentimentale Reise in die Vergangenheit werden. Aber angekommen, entblättert diese Reise die Jugend als eine Zeit von Träumen und Liebe, vertanen Chancen und Zwängen, die das Leben dann doch in eine andere, ungeträumte Richtung geführt haben.

Ein Lotteriegewinn: Restzuckungen des amerikansichen Traums

Der Sohn entdeckt die Geschichte seines Vaters als eine des Entkommens aus der Versacktheit der Provinz, wo eine wirtschaftliche Krise sich wie Mehltau über vergrattelnde Einfamilienhäuser gelegt hat, wo die Menschen vor dem Fernseher verfetten und nur die Aussicht auf ein bisschen Geld sie in ihrer Lethargie noch etwas erregt – eine Restzuckung des amerikanischen Verheißungstraums, hier in Form eines Preisausschreiben-Gewinns, der nicht zufällig ein falsches Versprechen ist und die eigenen Verwandten korrumpiert.

Damit ist „Nebraska“ – neben der sehr intimen, anrührenden Familiengeschichte – auch ein Beitrag zur zunehmenden Verkommenheit mancher Landstriche, in einer US-Gesellschaft, die gnadenlos auf Gewinner setzt.

Kino: ABC, Eldorado, Isabella sowie Cinema, Atelier (OmU), R: A. Payne (USA, 115 Min.)

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