Kritik

Abendessen oder Swingerparty mit Penélope Cruz? „The Invite“

In der Komödie von und mit Olivia Wilde geraten auch noch Seth Rogen und Edward Norton in Beziehungsstress
von  Adrian Prechtel
Die Nachbarn Penélope Cruz und Edward Norton kommen zu Besuch. Sie ist Sextherapeutin.
Die Nachbarn Penélope Cruz und Edward Norton kommen zu Besuch. Sie ist Sextherapeutin. © Tobis

Ist das nicht etwas zu klassisch: Ein Paar hat sich in seinem Zusammenleben - mehr oder weniger konfliktreich - eingerichtet. Ein anderes Paar kommt katalysatorisch hinzu. Es kommt zu einer Entladung durch die Konfrontation. Und am Ende?


Spannung entsteht in einer solchen Konstellation auch durch die Frage, ob nach der Eskalationsspirale das Alte restauriert werden kann oder ob es eine Neuordnung gibt - wie in Goethes „Wahlverwandtschaften“. Auch Woody Allen riskierte 1992 in „Ehemänner und Ehefrauen“ eine Neukonstellation, bei der er selbst auf der Strecke blieb, während Mia Farrow und dem Freundespaar der Neuanfang gelingt. Nach Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza wiederum glaubte man 2011 nicht, dass Jodie Foster und John C. Reilly sowie Kate Winslet und Christoph Waltz in ihren Beziehungen einfach weitermachen könnten. Im Kino war zum Thema gerade auch noch „Das Drama“ mit Robert Pattinson und Zendaya zu sehen, wo vor der Hochzeit horrorartig ein krimineller Akt der Vergangenheit aufkommt.

Ein eskalierender Abend: Olivia Wilde und Seth Rogen als Gastgeberehepaar, die eigentlich am Ende sind.
Ein eskalierender Abend: Olivia Wilde und Seth Rogen als Gastgeberehepaar, die eigentlich am Ende sind. © Tobis

Und jetzt? Was Neues in „The Invite“ von und mit Olivia Wilde? Sie spielt die unterbeschäftigte Hausfrau, die sich mit Geldausgeben für Innendesign und mit - für sie fetischartig - Teppichen beschäftigt. Ihren Mann kommandiert sie herum, wahrscheinlich auch aus uneingestandener Aggression über das sich einschleichende sexuelle Aus in der Ehe. Dann klingelt es - aus ihrer Sicht vereinbarungsgemäß, aus seiner unpassend überraschend. Die sexy Nachbarin (Penélope Cruz), die über ihnen wohnt, kommt mit ihrem Lebensgefährten (Edward Norton) zum Abendessen vorbei.

Elektrisierenden Witz schlägt „The Invite“ erst einmal daraus, dass sich Seth Rogen als Ehemann keine Mühe mehr gibt, Fassade zu wahren, während die Frau die perfekte Ehe vorspielen will: ein anfänglich subtiler, zunehmend krasser Konflikt, auf den wir gebannt, peinlich berührt und voyeuristisch blicken.

Wird es jetzt intim?
Wird es jetzt intim? © Tobis


Dann geht es - und das ist der eigentlich freche Aspekt: um Sex. Denn es stellt sich heraus, dass die oftmals penetranten Sexgeräusche aus der Wohnung obendrüber gar nicht nur von der spanischen Pina und dem Ex-Feuerwehrmann Hawk stammen, sondern von kleinen Swingerpartys, die die Gäste in ihrer Wohnung drüber veranstalten. Und das wiederum setzt in der Fantasie und dann auch konkret eine neue Dynamik des geplanten Abendessens in Gang - bei allen vieren.

Edward Albees „Who Is Afraid of Virginia Woolf“ hat mehr Biss

Dass das alles amüsant und brisant bleibt, ist dem großartigen Schauspielerquartett zu verdanken: Seth Rogen ist der frustrierte Studienratstyp, der gerne Musiker geworden wäre und sich gehen lässt. Olivia Wilde wiederum kann mit einem Wechselstrom-Flirren in ihrem Gesicht genial Verspannung, angestrengte Fassade, Aggression und verborgene Lust zeigen, während Cruz sich lässig als Sexualtherapeutin entpuppt. Und ihr souveräner, nicht mehr ganz junger Toyboy (Norton) muss nur kurz die buddhistische Contenance verlieren.

Wer einmal Richard Burton und Liz Taylor gesehen hat, wie sie sich in Edward Albees „Who Is Afraid of Virginia Woolf“ vor nächtlichem Besuch zerfleischen, muss von der gelungenen Tragikomödie „The Invite“ enttäuscht sein. Aber der Vergleich mit einem Spitzenwerk ist auch ungerecht. Beide Filme haben letztlich ein konservatives Ende - „The Invite“ vielleicht ein zu angenehmes.

Und mit dem Gästepaar Cruz/Norton wäre man gerne am Ende noch mit nach oben gegangen. Denn auch bei den grundsätzlich Harmonischeren, Offeneren kann es eigentlich nicht einfach so weitergehen wie bisher.

K: Leopold, Maxim, Mathäser, Rex, Solln sowie City, Monopol (OmU) und Astor im Arri, Museum (OV)
R: Olivia Wilde (USA, 108 Min.)

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