"A Cure for Wellness": Die Kur des Grauens

"Fluch der Karibik"- Regisseur Gore Verbinski führt sein Publikum in "A Cure for Wellness" auf einen hochästhetischen, dafür aber ziemlich wirren Horrortrip.
| Margret Köhler
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Die Burg Hohenzollern diente mit am Computer hinzugefügten Bergen als Schauplatz für "A Cure For Wellness".
Twentieth Century Fox Die Burg Hohenzollern diente mit am Computer hinzugefügten Bergen als Schauplatz für "A Cure For Wellness".

Ruhe und Erholung in den Bergen, reiche, zumeist ältere Patienten in einem Luxus-Sanatorium, philosophische Plaudereien und delikate Dampfbäder, eine abgeschlossene Welt für sich, nicht zu vergessen ein gütiger Professor, hinter dessen Maske des verständnisvollen Mediziners der Dämon lauert. Das sind die Zutaten für das ziemlich verwirrende Horrordrama in den Schweizer Alpen (gedreht wurde allerdings mit deutschem Fördergeld in Baden-Württemberg).

Dorthin verschlägt es den jungen Börsenmakler Lockhart (Dane DeHaan), der im Auftrag seiner Firma den kurenden Vorstandschef Pembroke zurück nach New York bringen soll. Dem steht der Sinn nämlich nicht nach Wall Street, sondern entspannter Wellness.

Bald liegt der umtriebige Karrieretyp selbst im feinen Linnen der schicken Herberge, ohne zu ahnen, dass ihn Unheimliches erwartet und er vielleicht für immer in diesem Spa-Tempel fest sitzt.

Tanzend zwischen Albtraum und Wirklichkeit

Handy-Empfang gibt es nicht, nur altmodische Wählscheibentelefone ermöglichen den Kontakt zur Außenwelt, durch die dubiose Trinkkur verlieren die feinen Damen und Herren nicht nur ihre Zähne. Als Lockhart die rätselhafte Patientin Hannah trifft, geht der Wahnsinn erst richtig los. Zwischen elegantem "Zauberberg" und undurchsichtiger Zauberei angesiedelt, zwischen Albtraum und Wirklichkeit tanzen die Gäste wie somnambul den Todeswalzer. Mit reichlich Filmzitaten und Metaphern bestückt geht es bis zum Showdown im Flammenschein.

Frankenstein und das Phantom der Oper lassen grüßen, und eine kleine Prise Kafka darf’s auch sein. Inzest, perfide Rassenideologie und teuflische Experimente fehlen ebenfalls nicht in diesem finsteren Gothic-Trip. Drehbuch, Handlung und Figuren bleiben auf der Strecke, dafür zeigt "Fluch der Karibik"-Regisseur Gore Verbinski nach seinem "Ring"-Remake erneut seine unbändige Lust für visuelle Eskapaden, führt in ein mysteriöses Universum, eine Mischung aus Fantasy und Horror der "Hammer"-Filme aus den 1950er und 1960er Jahre.

Eine bis auf kristallene Lüster und kupferne Schwitzbottiche perfekte Ausstattung und eine Kamera mit verstörend suggestiven Bildern machen diese krude Kur zum Fest fürs Auge. Aber auch nicht mehr. Und die neugotische Burg Hohenzollern mit ihren glanzvollen Hallen, dunklen Winkeln und Ecken ist der ideale Ort des Schreckens.     


R: Gore Verbinski (D, 147 Min.)

Kino: Cinemaxx, Cinema, Mathäser, Museum Lichtspiele, Cinema Dachau, Breitwand Gauting

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