Keine gewöhnliche Liebe

Gewitter über München: Die zeitlos schöne Sade versetzte mit ihrer geschmeidigen Stimme, in einer stilsicheren Show voll brünftiger Saxofonsoli, die ganze Olympiahalle in helle Ekstase
| Michael Stadler
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Mit ihrer samtweichene Stimme hat Sade uns schon die 1980er versüßt. Dass sie das heute immer noch unvergleichlich kann, bewies sie in der Olympiahalle.
Steffi Loos Mit ihrer samtweichene Stimme hat Sade uns schon die 1980er versüßt. Dass sie das heute immer noch unvergleichlich kann, bewies sie in der Olympiahalle.

Mancher wird mit ihrer Stimme im Hintergrund schon so einige wolkenlose Kuschelstunden erlebt haben. In der Olympiahalle bricht aber erstmal brachial ein Gewitter los.

Blitze auf den Videoleinwänden, harte Gitarrenriffs schneiden in wummernde Lounge-Beats, und dann fährt sie aus der Tiefe heraus, im hautnah anliegenden, schwarzen, Catsuit-artigen Outfit, nach 18 Jahren wieder auf deutschen Bühnen, so frisch, so elegant, so sexy, wie eine 32-jährige, Moment, 52-jährige Sängerin nur sein kann: Helen Folasade Adu alias Sade schreitet mit ihrer gleichnamigen Band als martialischer „Soldier of Love” ins Konzert, die Göttin des Smooth Jazz, endlich zurück, und die stark gefüllte Halle jubelt in Ekstase.

Von Nostalgie kann hier schon die Rede sein, aber Sades Mix aus Pop und Soul trägt keinen Staub, sondern wurde zu zeitgemäßem Glanz aufpoliert. Allein schon, wenn Stuart Matthewman „Your Love is King” mit einem seiner königlichen Saxofon-Soli anzündet. Ja, die Achtziger ließen diese brünftige Leidenschaftlichkeit ironielos zu, und es gibt auch kein anderes Instrument, das zu Sades samtiger Stimme besser passen könnte: diese gefühlseisschmelzende Wärme, bis Schweißtropfen oder Tränen fließen. Bei „Paradise” dürfen ihre zwei Backgroundsänger vorne klatschend einheizen, jeder bekommt hier seinen Moment, wobei alles im stilvollen Rahmen bleibt. Dann wechselt die Dramaturgie, Sade barfuß im weißen Kleid, die Haare offen, kahle Bäume projiziert auf dem effektiven Bühnen-Kubus mit seinen semi-transparenten Tüchern, und sie singt „Morning Bird”, ganz schön wunderschön.

Die Bühneninszenierung hält viele Rollen für sie bereit, die Videos überwältigen sie fast, aber nur fast. Auf der Leinwand liegt sie auf einer Wiese, Gänseblümchen zum beschwingten „Kiss of life”, den die echte Sade da vorne mit einem Schmatzer fürs Publikum beendet. Mondän im Hosenanzug lässt sie den „Smooth Operator” durch die Großstadt cruisen, „No Ordinary Love” hat mehr Drive als annodazumal, und dann fährt sie auf einem Podest in die Höhe, um sie herum projiziert ein Hochhauspanorama. Eine Frau im pinken Kleid, darüber eine rote Zipper-Jacke. Ein erotisches Versprechen, aber klar, man weiß, die Luft dort oben ist für alle zu dünn. Außer für Sade. So schmerzlich ist das mit der Liebe.

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