Kein Kraftlackl, sondern ein Frauenversteher

Nationaltheater: Kirill Petrenkos Matinée mit dem mitgerissenen Bayerischen Staatsorchester
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Der Intendant war noch in der Luft, und so ehrte der Verwaltungsdirektor Roland Schwab die 85-jährige Mezzosopranistin Hertha Töpper.
Wilfried Hösl Der Intendant war noch in der Luft, und so ehrte der Verwaltungsdirektor Roland Schwab die 85-jährige Mezzosopranistin Hertha Töpper.

Nationaltheater: Kirill Petrenkos Matinée mit dem mitgerissenen Bayerischen Staatsorchester

Bevor die Musik am begann, galt es die Münchner Mezzosopranistin Hertha Töpper zu ehren. Sie feierte am Sonntag ihren 85. Geburtstag. Von den Freunden des Nationaltheaters erhielt sie die Meistersinger-Medaille, für die sie sich artig bedankte. Staatsopernchef Nikolaus Bachler ließ sich entschuldigen, er sei „flugtechnisch verhindert“, lautete die Botschaft.

Dirigent Kirill Petrenko und das Staatsorchester musizierten im ersten Teil der Sonntags-Matinée für die Staatsopern-Fans Werke von Richard Strauss. Dessen „Don Juan“ präsentierte sich als elegant auftrumpfender Macho: Kein Kraftlackl, aber einer, der weiß, was Frauen mögen.

Petrenko setzte die einzelnen Episoden klar gegeneinander ab, achtete dabei aber stets auf Transparenz, ohne pingelig zu wirken. Auch Skrjabins „Le poème de l’ extase“ profitierte von der Fähigkeit des Dirigenten, einzelne, scheinbar unwesentliche Kürzel in einen glaubhaften Gesamtzusammenhang zu stellen. Geradezu mustergültig die Balance zwischen Klangsinnlichkeit und präziser Partitur-Analyse: Ahnlich aufregend hat man das selten aufgeführte Stück nicht oft gehört. Auch das Bayerische Staatsorchester ließ sich mitreißen.

Ewa Kupiec entschied sich in der Burleske von Strauss, Charme und Raffinesse durch gläserne Virtuosität zu ersetzen: Dreivierteltakt aus dem Eisschrank, effektvoll, aber gewöhnungsbedürftig. Ein wenig verloren wirkte Leos Janáceks Ouvertüre „Zarlivost“ (Eifersucht). Dass Petrenko auch auf diesem Terrain überaus kompetent ist, hat er schließlich schon in der „Jenufa“ eindrucksvoll bewiesen.

Volker Boser

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