Johan Simons stellt den neuen Spielplan vor

Die Kammerspiele stellen ihren Spielplan für die kommende Saison vor: Intendant Johan Simons setzt auf Musik, Tanz, Lesungen und ungewohnte Sichtweisen. Und kommt fast ohne Klassiker aus
| Gabriella Lorenz
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Die Kammerspiele stellen ihren Spielplan für die kommende Saison vor: Intendant Johan Simons setzt auf Musik, Tanz, Lesungen und ungewohnte Sichtweisen. Und kommt fast ohne Klassiker aus

MÜNCHEN "Wir richten den Blick von München aus auf die Welt”, sagt Johan Simons. Diese Welt holt der Intendant auch in seiner kommenden zweiten Spielzeit in die Kammerspiele, die er gern ein „Dorf mitten in Europa” nennt. Gemeinsam mit europäischen Künstlern sucht er nach „Modellen von Humanität” und zugleich Gemeinsamkeit im eigenen Haus: Wenn Simons am 29. September die Saison mit „E la nave va” nach Federico Fellinis Film eröffnet, werden Mitarbeiter aller Theaterabteilungen als Chor Verdis „Requiem” singen.

Am Tag darauf konfrontiert der Niederländer Dries Verhoeven die Zuschauer in der Spielhalle mit ungewohnten Sichtweisen: In seinem Projekt „Dunkelkammer” spielen blinde Darsteller. Verhoevens Hotel-Installation „You Are Here” wurde bei den Salzburger Festspielen 2009 preisgekrönt. Im Oktober folgt die dreisprachige Uraufführung „Three Kingdoms” von Simon Stephens: Sebastian Nübling inszeniert die Krimi-Reise von England über Deutschland nach Estland in Koproduktion mit dem Theater NO99 Tallinn und dem Lyric Hammersmith Theatre London. Den Trojanischen Krieg verarbeitet Tom Lanoye in „Atropa. Die Rache des Friedens” (Regie: Stephan Kimmig).

Die Psycho-Kriege der Gegenwart zeigen drei Stücke von Sarah Kane: Johan Simons bündelt „Gesäubert/ Gier/ Psychose 4.48” zu einem Abend. Als einziger Klassiker steht Ibsens „John Gabriel Borkman" auf dem Spielplan – allerdings gilt Regisseur Armin Petras nicht als übertrieben werktreu. Stefan Pucher inszeniert „Satansbraten” von Rainer Werner Fassbinder, René Pollesch spottet „Eure ganz großen Themen sind weg!”.

Neugier weckt das Projekt „Böse Buben” des österreichischen Doku-Filmers Ulrich Seidl („Hundstage”). Er lässt in der Koproduktion mit den Wiener Festwochen Männer im Keller heimwerkeln, nach Texten von David Foster Wallace. Nach dem „Erfolg”-Erfolg inszeniert Simons einen neuen monatlichen Lesemarathon: Geert Maks Reportage „Hotel Europa” führt durchs 20. Jahrhundert. Franz Wittenbrink versammelt die Familie Well (Biermösl Blosn, Wellküren und Geschwister) zum Hausmusikabend „Fein sein, beinander bleibn”. In der Spielhalle inszeniert der Lette Alvis Hermanis „Wassa” von Maxim Gorki und die Choreografin Meg Stuart wird hier ein Stück kreieren. Der Werkraum wird zur kollektiven Spielwiese: Simons gibt den jungen Theatermachern des Hauses Carte blanche. Thomas Schmauser spielt in eigener Regie sein Stück „Du mein Tod”, Christine Umpfenbach erarbeitet das Doku-Projekt „München/ Diyarbakir”.

Den Stadtraum nennt Simons explizit als „vierte Spielstätte”: Annette Paulmann wird in einer Wohnung Franz Xaver Kroetz’ „Wunschkonzert” spielen, Schorsch Kamerun erforscht „München komplett”. Die Kammermusiknächte werden fortgesetzt, und unter den Gastspielen sind auch Koproduktionen mit dem Theaterfestival SpielArt. Konkurrenzangst vor dem neuen Resi-Intendanten Martin Kušej hat Simons nicht. Im Gegenteil: „Es gibt schon viel Kommunikation”, freut er sich. 

Die neue Vorschau kann unter www.muenchner-kammerspiele.de heruntergeladen werden


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