Interview mit Mathias Richling - Entlarvter Unsinn

Mathias Richling hat jede MengeMaterial für den „Satire Gipfel“: Die schwäbische Schwertgosch über weißblaue Raucherpein, Sarrazin und ein vermeintliches Doppel mit Harald Schmidt.
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Gewohnt hippelig meldet sich Mathias Richling aus der Sommerpause zurück – die Kabarett-Zukunft allerdings ist bei der ARD noch nicht geklärt.
dpa Gewohnt hippelig meldet sich Mathias Richling aus der Sommerpause zurück – die Kabarett-Zukunft allerdings ist bei der ARD noch nicht geklärt.

Mathias Richling hat jede MengeMaterial für den „Satire Gipfel“: Die schwäbische Schwertgosch über weißblaue Raucherpein, Sarrazin und ein vermeintliches Doppel mit Harald Schmidt.

AZ: Herr Richling, mit welchen Themen werden Sie sich aus der Sommerpause zurückmelden?

MATHIAS RICHLING: Im Grunde genommen sind wir die Nachbereitung der „Tagesthemen“. Man muss den „Satire Gipfel“ als Monatsrückblick begreifen, der dennoch aktuell ist. Die Rente mit 67 wird also mit Sicherheit ein Thema sein, das neue Rauchergesetz in Bayern und auch die Chipkarte für Hartz-IV-Familien. Und dann ist da natürlich noch Thilo Sarrazin. Ihn mache ich zum ersten Mal, darauf bin ich sehr gespannt.

Was war Ihre erste Reaktion auf die provozierenden Thesen Sarrazins?

Mit Thilo Sarrazin beginnt die Eva-Hermanisierung ganzer Wissenschaftszweige, das heißt, er stellt sein profundes Halbwissen in den Dienst der populistischen Angstmache und outet sich als Zahlenfetischist. Seine mehr als kühnen Thesen wurden von den meisten, die er unbefugt zitiert, als Unsinn entlarvt.

Die Medien geben Thilo Sarrazin ein riesen Forum. Macht das in Ihren Augen Sinn?

Im Sommerloch ist man in den Redaktionen wohl dankbar für jegliche Irritation. Das Positive: Sarrazin entlarvt sich bei jedem seiner Auftritt selbst. Er ist so komisch ratlos und wirkt, als würde er zu verstehen beginnen, dass die Verdummung Deutschlands jetzt schon ein Gesicht hat: nämlich seines.

Wird auch Westerwelle noch ein Thema sein?

Der hängt mir mittlerweile zum Hals raus, weil er einfach schon zu oft Thema war. Wenn wir noch Platz haben, vielleicht. Aber eigentlich ist Herr Westerwelle doch einfach nicht mehr wichtig. Da interessiert mich Stuttgart 21 mehr. Das ist zwar ein lokales Thema, aber es zeigt auch, wie die Regierenden in Deutschland mit dem Bürgerwillen umgehen. Da kommt doch die Frage auf, warum es angesichts solch fundierter Proteste kein Bürgerbegehren gibt? Dass man sich dort einfach über den Bürgerwillen hinweg setzt, geht uns in demokratischer Hinsicht alle an.

Das neue Rauchergesetz in Bayern wurde per Volksentscheid installiert. Was halten Sie davon?

Als Nichtraucher begrüße ich es selbstverständlich. Ich gehe für andere Verrichtungen ja auch nach draußen und mache die nicht direkt am Tisch. Was ich aber faszinierend finde, ist die Wendigkeit der Bayern. Noch vor zwei Jahren kämpfte Bayern an vorderster Front und verkündete bei den Diskussionen um das Gesetz: Das lassen wir uns nicht gefallen. Jetzt hat das Land das schärfste Gesetz.

Kränkt es Sie persönlich, dass die ZDF-Anstalt auf doppelt so viele Zuschauer kommt…

...und eine Stunde früher gesendet wird. Das ist doch gar nicht vergleichbar. Auf diesem Sendeplatz hätten wir auch doppelt so viele Zuschauer. „Neues aus der Anstalt“ hat zu 80 Prozent dieselben Gäste wie wir, und bei uns machen die auch keine schlechteren Texte. Ich finde es überflüssig, einen Keil zwischen uns treiben zu wollen.

Die ARD ist also schuld, weil sie Sie nicht früher ins Rennen schickt. Kämpfen Sie um einen früheren Termin?

So etwas kriegen Sie nie durch. In der ARD haben Sie elf Meinungen statt einer, das ist müßig. Man muss wirklich goutieren, dass die ARD- und ZDF-Zuschauer zu dieser Uhrzeit überhaupt einschalten. Die sind ja nicht mehr die jüngsten, und da ist 22.45 Uhr einfach ein bisschen spät.

Es gibt Satire-Kollegen, die versendet die ARD mitten in der Nacht.

Es gibt so viele Leute, die zu mir sagen: „Muss das denn immer so spät sein. Wir können nicht mehr.“ Aber dem trägt man einfach nicht Rechnung. Das wird von Leuten entschieden, deren Kriterien sich mir in den vergangenen 30 Jahren nicht erschlossen haben.

Wie soll es mit dem „Satire Gipfel“ weiter gehen?

Darüber jetzt zu sprechen, wäre unredlich, denn wir stecken gerade tatsächlich in guten Gesprächen. Auf jeden Fall haben wir alle die Bereitschaft, weiter zu machen. Wie, dazu gibt es tausend Denkmöglichkeiten.

Eine davon ist, Ihnen einen festen Partner an die Seite zu stellen. Harald Schmidt ist angeblich imGespräch?

Ich weiß nicht, wer das aufgebracht hat. Aber sowohl Harald Schmidt als auch ich haben über die Meldung einfach nur gelacht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Hätten Sie denn Lust auf einen festen Partner?

Oh ja, da gibt es einige, mit denen ich mir das vorstellen könnte und es bestimmt viel Spaß machen würde.

Angelika Kahl

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