In der Komödie im Bayerischen Hof trifft Film noir auf Theater

Horst Johanning inszeniert die Hitchcock-Persiflage „Die 39 Stufen“ in der Komödie im Bayerischen Hof. Pascal Breuer und Natalie O’Hara spielen die Hauptrollen – und haben viel Spaß
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Fast wie das Original: Pascal Breuer als Hitchcocks Richard Hannay.
Loredana La Rocca Fast wie das Original: Pascal Breuer als Hitchcocks Richard Hannay.

Horst Johanning inszeniert die Hitchcock-Persiflage „Die 39 Stufen“ in der Komödie im Bayerischen Hof. Pascal Breuer und Natalie O’Hara spielen die Hauptrollen – und haben viel Spaß

Vier Schauspieler in mehr als hundert Rollen.“ – Die Ankündigung der Komödie im Bayerischen Hof klingt vielversprechend. Das Stück „Die 39 Stufen“ ist dem gleichnamigen Hitchcock-Film von 1935 nachempfunden. Sein Protagonist Richard Hannay gerät durch die kurze Bekanntschaft mit einer Frau, die in seiner Wohnung ermordet wird, an den Spionagering „Die 39 Stufen“. Unfreiwillig wird er zum Gejagten, flüchtet vor seinen Verfolgern durchs schottische Hochland. In der Inszenierung spielt Pascal Breuer Richard Hannay, Natalie O’Hara alle Frauenrollen.

AZ: So viele Rollen, so viele Schauplätze. Wie kriegen Sie das zu viert alles hin?

NATALIE O‘HARA: Alles muss einfach wahnsinnig schnell gehen. Das funktioniert nur mit exzellenten Kollegen und mit ganz viel Schwitzen. Die Jungs durchnässen jeden Abend ein Hemd samt Weste. Und ich? Ich bin immer sehr froh über meine Perücken, die die schwitzigen Haare verstecken.

PASCAL BREUER: Wir arbeiten bei den Proben sehr präzise, treffen ganz genaue Absprachen, was wann wo passiert. Wir machen ja wirklich alles selbst, bis hin zu den Lichtwechseln. Die Schauplätze etablieren wir mit Hilfe einiger weniger Requisiten.

Wie viel schauspielerische Freiheit bleibt Ihnen bei so präziser Form und so starker Orientierung am Film?

BREUER: Unsere Inszenierung ist wirklich sehr nah am Film. Ich habe mir extra diesen Schnurrbart wachsen lassen. Den mag ich ja privat nicht so gerne. Was in der Inszenierung wirklich wir Schauspieler schaffen, das sind die Beziehungen zwischen den Figuren. Wie stehen die zueinander, sind die scharf aufeinander? Das Verhältnis zu Sex war ja zu dieser Zeit auch noch ein ganz anderes.

Was bedeutet das für Ihr Spiel?

BREUER: Das bedeutet für mich zum Beispiel, dass ich, wenn Natalie ihre Strümpfe auszieht, dem heutigen Zuschauer glaubhaft zeigen muss, was das für einen damaligen Mann bedeutete. Eine sehr nostalgische Form von Erotik. Heute reißt das ja keinen 15-Jährigen mehr vom Hocker. Den besonderen Reiz dieses Stückes macht sowieso die Darbietung aus. Die Geschichte kennen ja viele schon. Man kann sie mögen, oder auch nicht.

O‘HARA: Der Film ist ein echtes Frühwerk, man ahnt den späteren Meister heraus. Das Schöne an dem Stück ist, dass es mit dem Film spielt, ihn persifliert. Man merkt, dass es von zwei Schauspielern entwickelt wurde.

Woran sieht man das?

O‘HARA: Es ist eine Theaterschlacht, alle kostengünstigen Theatermittel kommen da zum Einsatz: Soundeffekte, Pantomime, rasante Kostümwechsel. Der Reiz ist, dass vier Schauspieler mit wenigen Mitteln so viel schaffen. Das macht unglaublich Spaß, man kann so auf die Kacke hauen.

Das klingt sehr theaterbegeistert. Stehen Sie lieber auf der Bühne als vor der Kamera?

BREUER: Ich fühle mich definitiv im Theater mehr zu Hause, das ist wahrscheinlich eine Art Familienfluch: Mein Vater und mein Großvater waren Theaterschauspieler, ich stehe auf der Bühne seit ich 18 bin. Ich mag es, dass man im Theater die Rollen chronologisch ausspielen kann, im direkten Kontakt zum Publikum.

O‘HARA: Für mich ist es das größte Glück, beides machen zu können. Die Kamera erlaubt einem viel größeren Naturalismus, man kann da durch denken und fühlen schon viel transportieren. Was mir beim Film abgeht, ist der Probenprozess. Im Theater kann man viel mehr ausprobieren, mit den Kollegen Dinge entwickeln. Gerade das macht uns jetzt unfassbaren Spaß. Wir lachen uns kaputt.

BREUER: Ja, stimmt. Hoffentlich bei der Aufführung nicht!

Was ist eigentlich Ihr Lieblingsfilm von Hitchcock?

O‘HARA: Bei „Die 39 Stufen“ macht das Stück mehr Spaß als der Film. Mein Hitchcock-Favorit war schon als Kind „Über den Dächern von Nizza“.

BREUER: Meiner „Der unsichtbare Dritte“. Unser Stück zitiert übrigens auch noch ganz viele andere Hitchcock-Filme. Für Fans und Kenner gibt’s da einiges zu entdecken, ganz egal, was der persönliche Lieblingsfilm ist.

Katrin Kaiser

Komödie im Bayerischen Hof, Premiere Mittwoch, 8. September, 20 Uhr, weitere Vorstellungen Donnerstag, 9. September bis Samstag, 30. Oktober, Karten unter Tel. 29 28 10

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