Hier spricht das Klavier

Besser als jede Talkshow im Fernsehen: Der Pianist David Fray verwandelte im Prinzregententheater Mozarts Klavierkonzert KV 503 in eine intelligente musikalische Debatte mit geistreichen Pointen
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Der gekrümmte David Fray versinkt fast im Klavier. Aber Mozart wird unter seinen Händen ein Beitrag zu einer bislang kaum für möglich gehaltenen Debattenkultur.
Dorothee Falke Der gekrümmte David Fray versinkt fast im Klavier. Aber Mozart wird unter seinen Händen ein Beitrag zu einer bislang kaum für möglich gehaltenen Debattenkultur.

Besser als jede Talkshow im Fernsehen: Der Pianist David Fray verwandelte im Prinzregententheater Mozarts Klavierkonzert KV 503 in eine intelligente musikalische Debatte mit geistreichen Pointen

Supervirtuosen, die ihren Mozart wundervoll herunterperlen könnnen, gibt es mehr als genug. Das kann sehr schön sein. Meistens ist es aber vor lauter Schönheit sehr langweilig. Nur wenige Pianisten schaffen es, die Musik gleichsam aus dem Augenblick heraus entstehen zu lassen. David Fray ist ein solch seltenes Exemplar.

Während man noch darüber sinnierte, welchen Prozentsatz seiner Gage dieser junge Franzose wegen seiner seltsamen Sitzhaltung an einen Physiotherapeuten abtreten muss, überraschte die Spontaneität, mit der sein erstes Solo auf eine eher beiläufige Basslinie des Orchesters im Klavierkonzert C-Dur KV 503 antwortete. Dann folgte eine höchst geistreiche Debatte mit dem Solisten als Star. Schlaue Argumente wurden vorgetragen und vom Solisten mit besseren Pointen pariert. Wie alle Redner wiederholt er sich, um seinen Thesen Nachdruck zu geben. Aber Fray schattierte jeden Beitrag so individuell ab, dass es jedes Mal eine Überraschung gab. Am Ende gingen alle klüger auseinander, wie es im Leben oder auch in Fernsehrunden kaum jemals vorkommt.

Frays Spiellust steckte auch die London Mozart Players an. Leider nur kurz: Instrumentalsätze aus Opern von Gluck und Purcell wurden unter David Sterns Leitung nach althergebrachter Kammerorchestermanier vorgetragen. Der harsche Heavy-Metal-Sound, mit dem zuletzt Mozarts Jupiter-Symphonie krachte, wäre vor 30 Jahren als Gegenentwurf zum philharmonischen Schönklang goutierbar gewesen. Aber Historisten wie René Jacobs spielen das bei aller Härte eleganter. Wer sich an die mittlerweile bei Mozart üblichen Naturtrompeten gewöhnt hat, bekam Kopfweh vom schneidenden Geschmetter der Briten. Aber zum Glück gibt’s Aspirin – und für die vielen im Prinzregententheater Abwesenden Platten von David Fray.

Robert Braunmüller

Mozarts Klavierkonzerte Nr. 22 und 25 mit Fray bei EMI/Virgin

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