Geordnete Buchstabensuppe

Noch nie war eine Installation in der Pinakothek der Moderne derart raumgreifend – die amerikanische Konzeptkünstlerin Barbara Kruger hat den Boden der Rotunde mit Worten gefüllt
| Christa Sigg
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Vor Barbara Krugers Installation gerät das Hirn leicht ins Tremolo. Auch wenn in der Rotunde alles so ordentlich gesetzt ist – im Mix aus Bauhaus-Ästhetik und russischem Konstruktivismus.
Joerg Koch/dapd Vor Barbara Krugers Installation gerät das Hirn leicht ins Tremolo. Auch wenn in der Rotunde alles so ordentlich gesetzt ist – im Mix aus Bauhaus-Ästhetik und russischem Konstruktivismus.

Eine Kiste Buchstaben muss hier explodiert sein. Und wer das Ergebnis fixiert, gerät schon an der Tür in eine Art Delirium. Dabei hat alles seinen exakt abgezirkelten Platz in Barbara Krugers Installation. Nur ist die im Sinne des Wortes raumgreifend, nimmt den Boden der Rotunde ein und schnellt dem Besucher gleich beim Betreten der Pinakothek der Moderne entgegen.

Natürlich kommt dieser optische Paukenschlag nicht von ungefähr. Die amerikanische Konzeptkünstlerin hat das aktuelle Magazin der „Süddeutschen Zeitung” und damit die bei Sammlern schwer gefragte, jährlich erscheinende Edition 46 gestaltet. Die imposante Bodenarbeit ist quasi das begehbare museale Gegenstück zum Heft. Wobei Krugers Wortspiele, ihr Operieren mit Begriffen und Sätzen in der genau ausgeloteten Einfügung in die konzentrischen schwarzen und roten Bahnen der Kreisfläche einen weiteren Kick erfahren: Sie sind wild assoziierbar.

Ausgehend vom Begriffspaar „Buy” und „Sell – kaufe und verkaufe –, um das die Worte „Scham” und „Schuld”, dann „Glaube + Zweifel = Verstand” kreisen, landet man ziemlich schnell in soziokulturellen Überlegungen. Und irgendwann bei Konsum und Kommerz, Werbung oder dem guten alten Wachstum.

Wohin die Gedanken driften, das überlässt Kruger den Betrachtern. Als politische Künstlerin hat sich die 66-Jährige nie verstanden, wenn überhaupt, dann will sie Prozesse anstoßen. Was man als die pure Koketterie verstehen könnte, würde sie nicht zu einer Generation Künstler zählen, die um die Macht der eigenen Arbeit nur allzu gut weiß. Auch deshalb trägt die Münchner Großtat der gelernten Grafikdesignerin keinen Titel.

Bis 27. November, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18, donnerstags bis 20 Uhr

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