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Keine Leichenfledderei: Das neue, mit 22 Jahren Verspätung veröffentlichte Album vom früh verstorbenen Charts-Stürmer Falco bietet gefällige Songs und komplettiert seine „Jeanny“-Trilogie
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Falco – er starb 1998 bei einem Autounfall. Foto: dpa
dpa Falco – er starb 1998 bei einem Autounfall. Foto: dpa

Keine Leichenfledderei: Das neue, mit 22 Jahren Verspätung veröffentlichte Album vom früh verstorbenen Charts-Stürmer Falco bietet gefällige Songs und komplettiert seine „Jeanny“-Trilogie

Da durfte man skeptisch sein: Ein neues Album von einem 1998 tödlich verunglückten Multi-Süchtler, sozusagen die Wiederauferstehung der Amy Winehouse der 80er Jahre? Falco zurück aus dem Musikerhimmel, in dem er gerade noch friedlich mit Amadeus gerockt hatte? Muss das wirklich sein?

Die Soundfetzen, die vorab im Internet zu hören waren, gaben erstmal kein gutes Bild ab: Ein weichgespülter Schlager-Falco war da zu hören, es deutete alles auf einen Fall von akustischem Müll-Recycling hin. Doch die Geschichte der Entstehung war zweifellos eine Sensation: Ein fast komplettes Album, dessen Bänder jetzt nach einem Wasserschaden in einem Frankfurter Studiokeller wiederentdeckt wurden, nachdem man es dort 1987 nach einem Zwist mit der Plattenfirma abgelegt und vergessen hatte.

Vollendung des Gesamtkunstwerks

Nach der sehr lesenswerten Falco-Biografie „Die Wahrheit“ seines Ex-Managers Horst Bork ist das Dornröschen-Werk „The Spirit Never Dies“ nun erschienen. Das Album bietet sieben völlig neue Falco-Songs in einer seltsam lieblosen Hülle und wirkt ein bisschen gestreckt durch die Wiederholung auch der ersten Teile der nun komplettierten „Jeanny“-Trilogie sowie einem zusätzlichen „Special Mix“ des Titelstücks. Dieses ist nicht unbedingt der tollste Song, aber die durch ihn wahr werdende Geschichte von der Vollendung eines Gesamtkunstwerks ist natürlich gut.

Was hier und an den neuen Songs noch nachträglich herumgeschraubt wurde, ist kaum zu beurteilen, es klingt jedenfalls, wie eine exzellente Produktion in den 80er Jahren geklungen hat oder hätte. „Nuevo Africano“ ist ein perkussiv betonter, gut in die Beine gehender Song im alten Falco-Rap-Stil, ebenso „Dada Love“ und „Kissing In The Kremlin“. „Sweet Symphony“ ist gefälliger Pop, der durchaus Ohrwurm-Qualitäten entfalten kann.

So wird „The Spirit Never Dies“ doch nicht zur in solchen Fällen üblichen Leichenfledderei, bei denen aus ein paar Fetzen angeblich neue Werke gezimmert werden – es ist ein passables, für Fans sicher unverzichtbares Falco-Album. Am Ende springt das ans „Jeanny“-Finale angehängte „Forever“ quasi zum „Return To Forever“ vom Anfang – ein netter Gag, der dieses ungewöhnliche Stück Falco-Geschichte buchstäblich rundet.

Michael Grill

Falco: „The Spirit Never Dies“ (Warner Music)

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