Elektronisch, überirdisch

Philippe Arrieus spielt die Ondes Martenot in Olivier Messiaens Turangalîla-Symphonie mit den Philharmonikern im Gasteig
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Philippe Arrieus an den Ondes Martenot, einer Vorform des Synthesizers, bei einer Probe in der Philharmonie.
Ronald Zimmermann Philippe Arrieus an den Ondes Martenot, einer Vorform des Synthesizers, bei einer Probe in der Philharmonie.

Philippe Arrieus spielt die Ondes Martenot in Olivier Messiaens Turangalîla-Symphonie mit den Philharmonikern im Gasteig

Was verbindet Radiohead und Tom Waits mit Edith Piaf und Mad Max mit Messiaen? Ganz einfach: ein Instrument. Und warum werden Mozart, Brahms oder Bruckner nie zu diesem Club gehören? Weil es 1928 erfunden wurde. In der Musik des 20. Jahrhunderts hat es schnell eine erstaunliche Karriere gemacht.

Ondes Martenot heißt es: nach dem französischen Wort für Wellen, denn sein Ton ensteht aus Klang-Wellen, und nach seinem Erfinder Maurice Martenot. Der Pariser Ondist Philippe Arrieus wird das Instrument bei den drei Aufführungen von Olivier Messiaens Turangalîla-Symphonie im Gasteig zum Klingen bringen.

Die Klaviatur ist eine Idee von Maurice Ravel

Und das geht nur mit Strom. Denn die Ondes Martenot sind ein frühes elektronisches Instrument. „Anfangs wurde die Tonhöhe über Bewegungen der rechten Hand verändert“, erzählt Arrieus. „Da trifft man nicht so genau. Maurice Ravel brachte Martenot auf die Idee, der rechten Hand eine Klaviertastatur zu geben. Mit ihr kann man nicht nur die Tonhöhen exakt spielen, sondern auch ein Vibrato erzeugen.“

Über einen Ring, der entlang der Klaviatur an einem Draht geführt wird, entstehen jaulende Glissandi. Und die linke Hand arbeitet in einem kleinen Kasten, in dem neben dem Lautstärkeregler auch Schalter stecken, mit denen eine erstaunliche Klangvielfalt erzeugt werden kann. „Rein mathematisch“, so Arrieus, „kommt man auf über 10000 verschiedene Farben.“

Im quadratischen Lautsprecher steckt ein Becken

Auch über ein Pedal steuert der Spieler die Dynamik. Doch ohne drei Lautsprecher geht nichts. Einer ist quadratisch: „Die Idee zu diesem Lautsprecher kam Martenot, als er auf einer Weltreise in der volkstümlichen Musik vieler Länder Schlaginstrumente aus Metall kennen lernte.“ Ein Becken im Inneren eröffnet nun ein weiteres Klangspektrum.

Heutige Ondisten spielen nicht mehr das ursprüngliche Modell: "Zum Glück hat der Ingenieur Ambro Oliva das Instrument weiterentwickelt." Für den historisch richtigen Klang bei Varèse, Honegger oder Messiaen ist sie perfekt geeignet und bietet zugleich neue Möglichkeiten: „Zum Beispiel lassen lassen sich Obertöne erzeugen – die Illusion eines Mehrklangs bei einem Instrument, das eigentlich nur einen Ton erzeugen kann.“

Vom Pianisten zum Ondisten

Arrieus erlernte das Instrument bei Jeanne Loriod, der Schwägerin von Olivier Messiaen. „Ich liebe seine Musik seit meiner Schulzeit. So bin ich vom Pianisten zum Ondisten geworden.“ In der Turangalîla-Symphonie ist er zugleich Solist und Orchestermusiker: „Das Instrument ergänzt die Klangfarben des Orchesters. Und dann gibt es viele solistische Passagen. Da liegt der Klang über den Instrumenten. Das ist, als käme er aus einer anderen Welt. Überirdisch.“

Birgit Gotzes

Jun Märkl dirigiert die Turangalîla-Symphonie am Mittwoch, Freitag und Sonntag im Gasteig. Restkarten an der Abendkasse

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