Eine Stimme für die »Drecksäck«

Mark Medlock beweist in der Tonhalle, dass ihm alles für einen Superstar fehlt. Der Sänger singt nicht so gut, wie er könnte, und das Publikum klatscht nicht so laut, wie es sollte.
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dpa

Mark Medlock beweist in der Tonhalle, dass ihm alles für einen Superstar fehlt. Der Sänger singt nicht so gut, wie er könnte, und das Publikum klatscht nicht so laut, wie es sollte.

Wer beobachtet hat, wie Mark Medlock sich in der letzten „Deutschland sucht den Superstar“- Staffel zum Erfolg sang, konnte zwei Dinge feststellen: Der Mann hat eine großartige Stimme. Aber er strengt sich nur an, wenn es unbedingt sein muss.

Inzwischen hat er zwei Alben herausgebracht, deren Allerweltsstücke Dieter Bohlen geschrieben hat. Dessen Lieder sind grundsätzlich simpel gestrickt und haben eine deutliche Tendenz zum Kitsch – zu Mark Medlock passen sie einfach nicht. Sie zeigen nicht den Soul in seiner Stimme, er kann sich einfach unfallfrei hindurchsingen.

Kitschkeule mit Soulklassikern

Dabei verfehlt er natürlich keinen einzigen Ton, aber zum großen Gefühlskino fehlt auch das Charisma. Beim Konzert in der Tonhalle vermischt er die Kitschkeule mit Soulklassikern von Al Green bis Otis Redding, die er aber ein wenig uninspiriert in sein e bewusst unaufgeregte, lockere Show einbaut. Der Sänger singt nicht so gut, wie er könnte, und das Publikum klatscht nicht so laut, wie es sollte. Die Halle ist ohnehin nur zur Hälfte gefüllt – 35 Euro sind auch ein respektabler Ticketpreis für den Bühnenneuling.

Dass der Offenbacher seine hauptsächlich weiblichen 30plus-Fans in seinem charakteristischen Dialekt mit „Hallo, ihr Drecksäck!“ begrüßt und „Schmeiß net nach mir!“ ruft, wenn jemand ein „Äffsche“ oder „Bärsche“ auf die Bühne wirft, beglückt das Publikum zwar. Es ändert jedoch nichts an der Belanglosigkeit des Konzerts. Da kann Mark Medlock drei Mal der einzig erfolgreiche „DSDS“-Gewinner sein; ein solcher Abend ist zu fad, um ihm zur Ehre zu gereichen.

Julia Bähr

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