Eine junge Meisterklasse

Lernen durch Praxis: Der Intendant Nikolaus Bachler über das neue Opernstudio der Bayerischen Staatsoper
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Seit Herbst 2008 ist Nikolaus Bachler Intendant der Bayerischen Staatsoperl
dpa Seit Herbst 2008 ist Nikolaus Bachler Intendant der Bayerischen Staatsoperl

Lernen durch Praxis: Der Intendant Nikolaus Bachler über das neue Opernstudio der Bayerischen Staatsoper

Im 1967 gegründeten Opernstudio werden junge Sänger gefördert und praxisbezogen auf eine Karriere als Opernsänger vorbereitet. Nikolaus Bachler hat die Leitung als erster Staatsopernintendant selbst übernommen. Ab heute zeigt der Nachwuchs Mozarts „Così fan tutte“ im Cuvilliés-Theater.

AZ: Herr Bachler, warum machen Sie die Ausbildung zur Chefsache?

NIKOLAUS BACHLER: Opernstudios sind oft nur Feigenblätter: Man hat ein paar junge Leute, setzt sie in kleinen Rollen ein und tut sonst nicht viel für sie. Unser Konzept hat drei Säulen: Wirkliche Ausbildung, Auftrittsmöglichkeiten und den Einsatz im Repertoire. Ich verstehe das Opernstudio als permanente Meisterklasse und junge Kraftquelle für das ganze Haus.

Ist es nicht besser, junge Sänger ins kalte Wasser der Provinz zu werfen statt im Treibhaus zu züchten?

Mancher Sänger wächst durch die Herausforderung von 14 Vorstellungen im Monat, andere Stimmen gehen nach drei überfordernden Rollen kaputt. Karrieren lassen sich nicht planen. Die Mezzosopranistin Anaïk Morel habe ich vom Opernstudio ins Ensemble übernommen. Der Tenor, der den Ferrando singen wird, hat ab September ein Festengagement in Mannheim. Karrieren hängen von Unwägbarkeiten ab. Sollte ein Pavarotti herauskommen, hat das Opernstudio für zehn Jahre Sinn gewonnen.

Wie kommt man hinein?

Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Gesangsstudium. Die Altersgrenze liegt bei 29 Jahren. Man kann sich bewerben, wir beobachten auch Wettbewerbe und Vorsingen, um ein ausgewogenes Ensemble zu bilden, mit dem eine Oper wie „Così fan tutte“ aufgeführt werden kann.

Das ist kein einfaches Stück.

Aber man lernt nirgendwo mehr als bei Mozart. Die Gefühlsverwirrung kommt mit jungen Leuten schärfer heraus. Es wird eine sehr unkonventionelle Aufführung.

Wie haben Sie den Regisseur gefunden?

Tobias Kratzer ist Absolvent der Theaterakademie und bildet mit dem Bühnenbildner Rainer Sellmaier ein festes Team. Er ist mir bei einem Regiewettbewerb in Graz aufgefallen: Dort trat Kratzer unter Pseudonym gegen sich selbst an und gewann für seinen „Rigoletto“ den ersten Preis. Ich glaube, die „Così“ wird eine junge und intelligente Arbeit.

Und der Dirigent?

Eugene Tzigane hat beim Frankfurter Solti-Wettbewerb den zweiten Preis gewonnen. Er ist halb Japaner, halb Amerikaner und bewundert Karl Böhm.

Robert Braunmüller

Alle Aufführungen (2., 5., 7., 13. 4., 19.30 Uhr) sind ausverkauft

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