Ein Mann der Effekte

Der Pop-Geiger ganz ernsthaft: David Garretts Auftritt im Herkulessaal
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Die Münchner lieben David Garrett.
dpa Die Münchner lieben David Garrett.

Der Pop-Geiger ganz ernsthaft: David Garretts Auftritt im Herkulessaal

Ist das Abendland schon untergegangen und wir haben’s nur nicht bemerkt? War jemals zuvor in Georg Hörtnagels hochseriöser Kammermusik-Reihe jemand zu Gast, der bald in der Olympiahalle zu geigen gedenkt?

Die kulturkritische Stirn blieb ungerunzelt. David Garrett spielte zwar auf Effekt, das aber rundum seriös und unterstützt von der selbstbewussten Begleiterin Milana Chernyavska. Beethovens Sonate Nr. 10 rumpelte ein wenig teutonisch hölzern. In Brahms’ FAE-Rondo triumphierte die kraftvolle Sonorität. Bei Grieg lieferte der bezopfte Geiger nordischen Weltschmerz satt, um zuletzt mit Sarasates Zigeunerweisen nach Virtuosenmanier aufzutrumpfen und sich zwischen einem schwierigen Paprika-Pizzicato am Ohr zu zupfen. Garrett macht bei diesem Knaller vor allem Musik, statt reißerische Geigen-Effekte als Selbstzweck vorzuführen.

Allein bei Bazzinis „Tanz der Kobolde“ streifte der Abend die Sphäre von André Rieu, weil Garrett den Schmäh doch nicht ernst genug nahm. Das Publikum jubelte so laut, dass sich die gereiften Abonnenten lärmbelästigt umdrehten. Am Ende durfte aufgeatmet werden: Georg Hörtnagel küsste den Geiger persönlich. Das Abendland steht noch!

RBR

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