Ein Dampfplauderer

Der Berliner Skandal-Rapper und PR-Profi Bushido in der ausverkauften Tonhalle: Plattitüden, Plauderei und Peinlichkeiten
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Das bisher einzige Bild aus dem Film „Zeiten ändern sich“, in dem Bernd Eichinger und Uli Edel das Leben Bushidos nachzeichnen.
Constantin Das bisher einzige Bild aus dem Film „Zeiten ändern sich“, in dem Bernd Eichinger und Uli Edel das Leben Bushidos nachzeichnen.

Der Berliner Skandal-Rapper und PR-Profi Bushido in der ausverkauften Tonhalle: Plattitüden, Plauderei und Peinlichkeiten

"Ich kann nicht rappen und singen, Sex hatte ich lange keinen mehr, und ich habe einen Film gedreht. Eigentlich ist alles scheiße.“ Bei seinem Auftritt in der ausverkauften Tonhalle changieren Bushidos Bekenntnisse zwischen abgegriffenen Plattitüden und peinlicher Selbstdemontage.

Gleich zu Beginn zeigt er sein wahres Gesicht: das des PR-Profis. Die Halle wird dunkel, sphärische Beats erklingen, Bushido spricht verzerrt aus dem Off. Auf einer Videoprojektion sind aber nicht etwa er und Fler zu sehen, sondern nur das Logo: „Constantin Film“. Kreischen, die Handy-Kameras werden gezückt, der brandneue Trailer zu Bushidos im Februar erscheinender Film-Autobiografie „Zeiten ändern sich“ flimmert über den Bühnenvorhang: Bushido als Berliner Straßenjunge, als Emporkömmling, Kumpel von Moritz Bleibtreu, junger Liebhaber und im schlagkräftigen Austausch mit Sprücheklopfer Martin Semmelrogge. Aufwändiges, glattes Bernd-Eichinger-Kino für die Massen, nicht für die Prolo-Minderheit.

Er redet zuviel

Diese Rolle übernimmt Bushido auch beim Konzert, wenn er die „Bravo“ lobt und Kosenamen für den merklich pikierten Ex-Erzfeind Fler („Flessie“) erfindet. Am meisten gefällt sich „Sonny Black“ als anbiedernder, Ossi-Klischees bedienender Animateur („München, seid ihr die Nummer 1 oder Erfurt?!“), der seine umständlichen Sätze stets mit einem bezeichnenden „Ganz ehrlich“ einführt. Plaudern statt rappen ist Bushidos Devise.

Den aggressiven Sprechgesang aus dem gemeinsamen Album „Carlo Coxxx Prostituierte 2“ überlässt er seinem unangenehm nationalistisch („Neue Deutsche Welle“) auftretenden Kompagnon Fler. Ihre musikalische Eintönigkeit und mangelnden Flow können die Berliner Skandalrapper damit nicht überspielen. Zu monoton-stapfenden Beats markieren sie gemeinsam mit Kay One, dem Einheizer mit einer Vorliebe für Wiesnhits („Wahnsinn“) und schmerzfreien Freestyles, zwei Stunden lang harte Gangster. Das Konzept scheitert aber kläglich, wenn Bushido nach der jugendfreien Karel-Gott-Kollabo „Für immer jung“ mit der homophoben Spotthymne „Cordon Sport Massenmord“ Hardcore-Fans bedienen will.

Wie man als Aggro-Rapper mit Mut zur Selbstironie und ohne Dauerwerbung tatsächlich neue Zeiten einläutet, bewies ausgerechnet Bushidos Konkurrent Sido vor zwei Wochen an gleicher Stelle. Ganz ehrlich.

Florian Koch

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