Ein Buchvertrag für den Sieger

Die Verlagsagentur Lianne Kolf, der Münchner Droemer Knaur Verlag, und die AZ starten einen großen Krimiwettbewerb Fast die Hälf
| Volker Isfort
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Sven Koch schreibt Krimis, die in Ostfriesland, Dänemark oder in der Provence spielen.
Jil Koch Sven Koch schreibt Krimis, die in Ostfriesland, Dänemark oder in der Provence spielen.

Die Verlagsagentur Lianne Kolf, der Münchner Droemer Knaur Verlag, und die AZ starten einen großen Krimiwettbewerb

Fast die Hälfte aller Deutschen liebt und liest Krimis. Und es gibt seit Jahren einen besonderen Trend: Krimis aus Urlaubsregionen von der französischen Küste bis nach Mallorca. Beim Krimi-Wettbewerb, den die Abendzeitung gemeinsam mit der Verlagsagentur Lianne Kolf und dem Münchner Droemer Knaur Verlag startet, haben wir uns für eine Region entschieden, die Münchner seit jeher als ihre Badewanne betrachten: den Gardasee. Dabei sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt, auch wenn Corona derzeit keine Recherche vor Ort zulässt.

Der Gardasee sollte thematisch und geografisch im Zentrum stehen, ermitteln könnte aber ebenso ein Commissario aus Verona, oder ein erholungssuchender Ermittler aus München, der in seinem Urlaub auf einen Fall stößt.

Wie man einen Regional-Krimi schreibt erklärt Sven Koch, dessen jüngster Roman „Schwarzer Fjord“ (Knaur) in Dänemark spielt.

AZ: Herr Koch, Sie leben in Detmold, Ihre neue Krimireihe spielt in Dänemark, warum?
SVEN KOCH: Mir geht es um die Atmosphäre. Ich schreibe einerseits die „Dünen“-Krimi- und Thriller-Reihe, die in Ostfriesland verortet ist. Unter meinem Pseudonym Pierre Lagrange schreibe ich Krimis und Thriller, die in der Provence handeln und im Fischer-Verlag erscheinen. Wenn man so will, sind meine in Dänemark spielenden Romane eine Kombination aus Nordsee und Urlaubsland, denn viele Menschen fahren ja gern nach Dänemark. Mein Hintergrund ist aber ein anderer. Meine Dänemark-Bücher sind psychologische Thriller, und für die Plots wollte ich etwas Düsteres, Nordisches. Da bot sich der Blick Richtung Dänemark an, denn dort war ich schon, in Schweden, Finnland oder Norwegen aber noch nicht.

Wie gut muss man ein Land und die Mentalität der Bewohner kennen, um einen Krimi dort spielen zu lassen? Sind Sie gezielt für die Recherche nach Dänemark gefahren?
Nein, bin ich nicht. Aber ich war vorher schon sehr oft dort. Das Land und die Mentalität muss man nach meiner Meinung dann gut kennen, wenn es eine Relevanz für die Geschichte hat und um Lokalkolorit einfließen zu lassen, um ein Setting lebendiger zu machen. Vor allem, wenn man einen Regionalkrimi schreiben möchte, ist das natürlich sehr wichtig. Auf einer Skala von Eins bis Zehn müsste man da schon mindestens auf eine Acht kommen. Allerdings schreibe ich keine Regio-Krimis. Da reicht bei mir eine eins bis zwei auf der Skala mit dezent platziertem Insiderwissen aus.

Viele skandinavische Krimiautoren sind ja selbst sehr erfolgreich in Deutschland. Wen bewundern Sie am meisten und haben Sie einen Lesetipp?
Tatsächlich sind sie das. Die isländischen ebenfalls. Gemessen an der Einwohnerzahl ist die isländische Bestseller-Quote unfassbar und weltweit einzigartig. An den skandinavischen Autoren gefällt mir die Art und Weise, wie sie sozialkritische Inhalte zum Thema machen, beziehungsweise beiläufig einfließen lassen. Ich bin von Haus aus Journalist und seit mehr als 30 Jahren Tageszeitungsredakteur – der kommt da bei mir wohl beim Lesen durch. Jo Nesbø gefällt mir am besten, mit seiner Reihe um den Ermittler Harry Hole. Da kann ich wirklich jedes Buch von ihm unbedingt empfehlen.

Viele Regionalkrimis sind eher humoristisch, Sie bevorzugen eine härtere Gangart, warum?
Weil ich für die härtere Gangart gemacht bin. Die liegt mir mehr und interessiert mich mehr. Ich mag zum Beispiel den Kontrast zwischen traumhaften Gegenden und albtraumhaften Fällen. Lustig können andere sehr viel besser – vor allem, weil sie auch lustig schreiben wollen. Ich will das nicht, sondern auf eine andere Art unterhalten und den Leser packen. Humoristische Krimis sind nicht so meins – nicht als Leser, nicht als Schreiber. Sicherlich lockere ich durchaus meine Geschichten mit dezent platziertem Humor auf. Aber wie gesagt: Es sind keine Regionalkrimis, sondern Krimis, die aus dem Plot förderlichen Gründen oder wegen der Atmosphäre in einer bestimmten Region verortet sind. Da mache ich einen Unterschied zum waschechten Regionalkrimi.

Eine Frage an den Autor als Leser: Was wäre Ihre Anforderung an einen Gardasee-Krimi? Vor allem Lokalkolorit und Dolce vita oder doch eine spannende Handlung?
Auf Anhieb würde ich sagen: Unbedingt alles zusammen. Eine spannende Handlung mit Lokalkolorit und einem Hauch Dolce vita. Denn einerseits würde ich als Leser nicht enttäuscht werden wollen und natürlich den Gardasee und Gegenden wiedererkennen wollen sowie selbstverständlich Dolce vita spüren. Andererseits möchte ich natürlich auch einen Krimi lesen, und der braucht eine spannende Handlung – und hier würde ich dann auch die Überraschung wollen: Ich würde wollen, dass die Erwartungshaltung an das Ambiente mit einem Fall übertroffen wird, den ich einem solchen Umfeld auf gar keinen Fall vermuten würde. Think big!

Was machen Sie, wenn Sie mal beim Schreiben das Gefühl haben, in eine Sackgasse geraten zu sein?
Zum Glück passiert mir das nicht oft. Als Zeitungsmann sitzt man jeden Tag vor einer leeren Seite, die bis abends gefüllt sein muss. Da kann man nicht sehr prätentiös sein und sagen: Ach, heute kann ich aber nicht schreiben. Das schult also. Wenn ich aber in eine echte Plot-Sackgasse gerate, dann ist das genau wie im Straßenverkehr. Den Fehler hat man vorher gemacht, also: Wieder zurück zur Einmündung in die Sackgasse und den richtigen Weg nehmen.

Wie finden Sie die Inspiration für eine Geschichte?
Überall - und keine Ahnung wie. Alles, was ich wahrnehme, lese, sehe, was mir erzählt wird, kann Inspiration sein. Autoren haben außerdem merkwürdige Antennen für Geschichten. Bei meinem aktuellen Buch „Schwarzer Fjord“ zum Beispiel stand am Anfang die Vorstellung: Was, wenn du denkst, dich wollte jemand töten – aber die ganze Welt ist sich sicher, dass hingegen du jemanden umgebracht hast? Daraus entwickelt sich dann ein Plot. Also: Am Anfang steht eine einzelne Idee, und das Gehirn arbeitet die ganze Zeit im Hintergrund. Da wird dann ein Puzzle-Karton ausgekippt. Drei Wochen später stehe ich unter der Dusche oder an der Ampel – und: Woosh! Bricht die Geschichte über einen herein, fügen sich die Einzelteile zu etwas, das einen Anfang und ein Ende hat oder zunächst wenigstens ein Bild ergibt. Strukturiert sind der kreative Findungsprozess und die Inspiration bei mir jedenfalls überhaupt nicht. Ich kann sie auch nicht erzwingen. Sie kommt und geht. Am Ende gibt es vermutlich doch unsichtbare Musen, die einen mal küssen, mal nicht.

Ein Auslandsurlaub könnte im Coronajahr schwierig werden. Mit welcher Lektüre trösten Sie sich darüber hinweg und reisen in Gedanken?
In Gedanken reise ich, sobald ich an meinen Büchern schreibe und mich zum Beispiel als Pierre Lagrange mit meinem Ermittler Albin Leclerc in die Provence begebe – am 27. April erscheint sein neuer und fünfter Fall „Düstere Provence“ zunächst als E-Book und am 27. Mai dann das gedruckte Buch als Paperback. Ich spiele außerdem gern mit Google Maps herum und mit Streetview. Da kann man digital Städte besuchen – oder auch Museen, das finde ich ganz wunderbar. Was die Lektüre angeht, habe ich mir unbedingt vorgenommen, „Bella Germania“ und „Piccola Sicilia“ von Daniel Speck zu lesen. Ich sympathisiere auch mit der „Lost“-Reihe von Gil Ribeiro, die in Portugal spielt. Unbedingt empfehlen kann ich die „Pacific Private“-Krimis von Don Winslow, die im sonnigen Südkalifornien spielen und die dortige Atmosphäre ganz wunderbar darstellen. Dort träume ich mich gerne hin – und Surfen wollte ich immer schon gern können.

Wenn Sie aktuell einen neuen Krimi starten würden, wäre es dann sinnvoll, Corona zu thematisieren, oder würden Sie dies unseren Teilnehmern für den Gardasee empfehlen?
Ich denke, dass man das Wort „Corona“ durchaus erwähnen kann oder sollte, um Aktualitätsbezüge herzustellen. Sicher kann man auch die Auswirkungen des Zustandes beschreiben, etwa: Jemand ist daran verstorben, ein anderer ging pleite in der Krise, oder wurde Opfer häuslicher Gewalt in der Quarantäne. Vor Augen muss man sich jedoch halten: Was man aktuell schreibt, wird erst in ein oder zwei Jahren gedruckt werden. Also immer vorsichtig sein mit Prognosen, wie auch immer. Ich glaube aber nicht, dass man die Krise zum wesentlichen Thema machen sollte - keine Virus-Thriller oder Verschwörungsgeschichten schreiben. Einerseits werden die Verlage und Agenturen mit eben diesen Plots in der nächsten Zeit sowieso überschwemmt werden – und Verschwörungs-Themen kann man eh jeden Tag auf Facebook lesen. Andererseits glaube ich zudem, dass nicht viele Menschen in ein oder zwei Jahren noch etwas über Virus-Pandemien lesen wollen. Ich glaube eher, sie können das Wort nicht mehr ertragen, sehnen sich nach etwas anderem und haben genug Alltags-Horror bis dahin selbst erlebt. Krimis und Thriller leben eher davon, dass man froh ist, eben solchen Horror nicht selbst erleben zu müssen, sondern sich das „Was wäre wenn“ vorzustellen – und am Ende erleichtert zu sein, dass alles gelöst wird und man selbst gesund mit einem Weinchen auf dem Sofa sitzt. 


Ein Buchvertrag für den Sieger

Bis zum 31. Mai 2020 können die Texte für den Gardasee-Krimi eingereicht werden. Dazu braucht die Jury nicht nur den Lebenslauf der Autorinnen und Autoren, sondern auch ein aussagekräftiges ca. 3-seitiges Exposé mit Auflösung des Falles und eine Textprobe von 30 Seiten (ca. 30 Zeilen á 60 Anschläge pro Seite). Bitte senden Sie diese an „Gardaseekrimi@droemer-knaur.de“

Bis Ende Juli 2020 wird dann die Jury die eingereichten Texte prüfen und später drei Gewinner auffordern, ihre Geschichten zu vollenden. Aus diesen drei Krimis wird der Sieger ausgesucht, der einen Buchvertrag und eine professionelle Verlagsbetreuung durch Droemer Knaur gewinnt. Das Buch wird dort im Jahr 2021 veröffentlicht.

Aber auch die Plätze zwei und drei haben die Chance auf eine Veröffentlichung, denn sie erhalten wie der Sieger einen Agenturvertrag mit der Verlagsagentur Lianne Kolf. Zur Jury gehören neben der Verlagsagentur Kolf Steffen Haselbach, Bettina Steinhage, Natalja Schmidt (von Droemer Knaur), sowie der Schauspieler Gerd Silberbauer, der Produzent Andreas Schneppe (TV60 Filmproduktion) und der Krimi-Autor Alexander Oetker.
 

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