"Ecce Creatura": Schrecken und Gefahren der menschlichen Existenz

Die Ausstellung "Ecce Creatura" zeigt vier internationale Maler. Die Arbeiten kreisen um das Bild des Menschen heute.
| Karl H. Prestele
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Rita de Muynck, Up, Up & Away, 2014/2015, Acryl auf Leinwand, 240 x 300 cm
Rita de Muynck Rita de Muynck, Up, Up & Away, 2014/2015, Acryl auf Leinwand, 240 x 300 cm

Mit unserer Welt und der menschlichen Existenz steht es derzeit nicht zum Besten. Darauf reagiert auch die zeitgenössische Kunst, wie sie derzeit die Ausstellung "Ecce Creatura" im Kallmann-Museum in Ismaning vor Augen führt. Die Arbeiten von vier internationalen  Künstlern kreisen um das Bild des Menschen heute, um die Abgründe des menschlichen Daseins, um die Ängste, Gefahren, aber auch Hoffnungen des Lebens. Alle zeigen die menschliche Kreatur, die einer aus den Fugen geratenen Welt ausgesetzt ist und Bedrohung, Einsamkeit und Not erleiden muss. Erschreckend düster, absurd märchenhaft oder rätselhaft erscheinen diese Werke, obwohl viele von ihnen starkfarbig und expressiv gemalt sind.

Eine apokalyptische Weltsicht voller Gefährdung und Verfall, die aber auch Raum für Hoffnung lässt, zeigen die großformatigen Gemälde des amerikanischen Malers Marcus Jansen. In der ersten musealen Präsentation seiner Bilder in Deutschland bestimmen verlassene Gebäude, Ruinen und Trümmerfelder, trostlose Ödnis und weite Landschaften mit giftigen Pilzen ("Secret Gardens") die Szenerien, in die politische, gesellschaftliche wirtschaftliche und ökologische Themen mit einfließen ("Organic Illusions"). Die einzelnen Menschen verlieren sich in diesen undefinierbaren Schauplätzen.

Auch die belgische Künstlerin Rita de Muynck stellt den Menschen in unheimliche, apokalyptische Umgebungen als Heimgesuchten und geschundene Kreatur, in denen sogar Pferde Gasmasken tragen müssen. Ihre starkfarbigen, expressiven und primitiv-spröde wirkenden Gemälde und Zeichnungen, deren Figuren oft etwas Archetypisches anhaftet, sehen aus wie gemalte Albträume, in denen Obsessionen und Unbewusstes schreiend bunt aufscheinen.

Verzerrte Gesichter und deformierte Physiognomien, die sich aus sehr plastischen und gestischen Farbmassen herausschälen, zeigen die expressiven Gemälde des französischen Malers Gérard Stricher. Der Eigenwert der Farbe und Malerei steht hier in einem ständigen Kampf mit den gegenständlich lesbaren Zeichen des menschlichen Gesichts, das man manchmal nur in Andeutungen wahrnehmen kann, sich aber dann wieder in fast erschreckender Intensität und Unmittelbarkeit dem Betrachter offenbart. Dem Maler geht es dabei nicht um die Darstellung von Individuen, sondern vielmehr um existenzielle Ausdrucksformen des Menschseins.

Auch der Berliner Maler Ruprecht von Kaufmann entwirft in seinen großformatigen Gemälden düstere, unwirkliche Szenerien, in denen wir mit den Schrecken und Gefahren des Lebens konfrontiert werden, aber auch mit ungestillten Hoffnungen und Sehnsüchten. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit genauso wie zwischen dem Eindeutigen und dem Unerklärlichen. Von großer suggestiver Ausdruckskraft ist auch seine 55-teilige Porträtkopf-Serie "Die Zuschauer", deren zerstörte Gesichter so banal wie bedrohlich und so absurd wie geheimnisvoll wirken.


Bis 23. April im Kallmann-Museum Ismaning

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