Durchs wilde Usbekistan

Matthias Polityckis Abenteuerroman aus dem Jahr 2026: "Samarkand Samarkand"
| Adrian Prechtel
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Original-Ruhestätte des Emirs Timur, genannt der Tamerlane, in seinem Mausoleum Gur-Emir in Samarkand / Usbekistan.
Wikipedia Original-Ruhestätte des Emirs Timur, genannt der Tamerlane, in seinem Mausoleum Gur-Emir in Samarkand / Usbekistan.

 

Wer das Buch aufschlägt, fühlt sich an Karl May erinnert: Auf dem vorderen und hinteren Vorsatz prangen Landkarten zum Schauplatz der Handlung. Die gepunktete Reiseroute ist zwar nicht eingezeichnet, aber zur ersten Orientierung des Lesers im wilden Usbekistan reichen sie aus. Und auch zwischen den Karten steckt ein Abenteuerroman. Matthias Polityckis neuer Roman „Samarkand Samarkand“ erzählt von einem deutschen Agenten, der seine Heimat in den Jahren nach 2026 zwar nicht am Hindukusch, aber doch in dessen näherem Gebirgsumfeld verteidigt.

Der Muezzin ruft vom Kirchturm

Um Deutschland steht es schlecht: Seit dem Amtsantritt des Bundeskanzlers Yalcin tobt ein Bürgerkrieg. Anhänger des Kalifats haben von Westen her Köln samt seinem Karneval in einem blutigen Massaker ausgelöscht. Vom Turm der Hamburger St.-Johannis-Kirche ruft schon der Muezzin zum Gebet, im Osten sitzen wieder die Russen, und der verbliebene Rest wird an der Atatürk-Linie mit Hilfe der türkischen Armee gehalten. Der Autor bedient eher schlicht die deutschen Urängste vor dem (politischen) Islam, ohne sich aber mit diesem Thema, geschweige denn mit der Vielschichtigkeit des Islam ernstlich auseinanderzusetzen.

Karl May und Hemingway

Er fabuliert lieber orientalisch: Denn die Auftraggeber des Agenten versprechen sich die Rettung des Abendlands durch die Zerstörung der sterblichen Überreste des Welteroberers Timur. Der ruht bei Politycki nicht in seinem Mausoleum Gur-Emir zu Samarkand, sondern in einer zweiten Stadt gleichen Namens. Und natürlich spielt das Buch mit der Inschrift, die bei Störung der Grabesruhe mit großem Unglück droht. Was einen russischen Archäologen 1941 nicht von der Untersuchung der Knochen abhielt, worauf angeblich prompt der deutsche Überfall auf die Sowjetunion erfolgte. Politycki, der die Gegend mehrfach bereist hat, bekämpft Timurs Fluch nicht mit Ironie, sondern mit Hemingway’schem Männerschweiß. Frei nach Joseph Conrad begibt sich der Deutsche ins „Herz der Finsternis“, bis Realität und Wahn verschwimmen. Doch die Figuren, Frauen und Landschaften dieses Romans bleiben zu blass. Dafür lernt der (bevorzugt männliche) Leser, wie Stiere und eine Ziege in Mittelasien fachgerecht geschlachtet werden. Und das ist für das Jahr 2013 einfach zuviel Karl May.

Matthias Politycki: „Samarkand Samarkand“ (Hoffmann & Campe, 397 S., 22.99 Euro).
Der Autor liest am 24.9., um 20 Uhr im Literaturhaus aus seinem Buch.

 

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