Die gelungenen Gegen-Festspiele der Diva

Bellinis frühe Oper „La straniera” mit Edita Gruberova als Fest des Belcanto im Gasteig
| Robert Braunmüller
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Die slowakische Sopranistin Edita Gruberova während eines Pressetermins in der Villa Stuck.
dpa Die slowakische Sopranistin Edita Gruberova während eines Pressetermins in der Villa Stuck.

Beide haben recht: Edita Gruberova und der mit ihr wegen „La straniera” zerstrittene Opernchef Nikolaus Bachler. Szenisch braucht die abstruse Handlung von Bellinis Frühwerk wirklich keiner. Hier fehlen auch noch jene sehnsuchtsvoll in die Höhe geschraubten Kantilenen des sanften Sizilianers, die seine Meisterwerke „La sonnambula”, „I Puritani” oder „Norma” so unwiderstehlich machen.

Aber die Titelpartie wirkt der Gruberova in die Kehle komponiert. Das rechtfertigt die Aufführung als Konzert. Alaide ist eine reife Frau, zerrissen zwischen Liebe und Pflicht. Die altersbedingte Verhärtung der Stimme lässt sich hier wunderbar zur Charakterisierung verwenden. Wenn die Sängerin im ersten Duett ihre ausgefeilte Kunstfertigkeit dem Tenor-Draufgängertum von José Bros entgegensetzt, ist das ein großer Opernmoment, der auch ohne Bühne alles erzählt. Und der schneidende Klang ihres Soprans passt ideal zum vergifteten Happy End der 1829 in Mailand uraufgeführten Oper, in dem die seelisch tote Königin in einer wilden Finalarie mit gleißenden Spitzentönen über ihre Widersacher triumphiert.

Zu Gruberovas Gegen-Festspielen traf im gut besuchten, aber nicht ausverkauften Gasteig ein exzellentes Ensemble zusammen. José Bros ist ein idealer Belcanto-Tenor mit müheloser Höhe, die Mezzosopranistin Sonia Ganassi holte maximale Wirkungen aus ihrer eher undankbaren Nebenrolle heraus. Paolo Gavanelli tönte samtig-schön wie vor einem Jahrzehnt und mogelte sich mit viel Geschick durch Kraftstellen, was aber nicht wirklich störte.

Das Textbuch versucht den Zuschauer im Finale des zweiten Akts mit zwei lautstark beklagten Duelltoten übers Ohr zu hauen, die nach der Pause wundersam auferstehen. Konzertant und mit deutschen Obertiteln ist dieser romantische Unsinn zu verschmerzen. In den Folgevorstellungen dürfte sich das aus bekannten Gesichtern hiesiger Klangkörper zusammengewürfelte Münchner Opernorchester unter dem jungen Pietro Rizzo weiter freigespielt haben.

Es gibt unter Stimmfans viele Gruberova-Verächter, denen die Manierismen der Sängerin auf die Nerven gehen. Am Anfang wirkte ihre Stimme belegt und flackrig. Dann war sie in Bestform. Diese Frau, die seit 40 Jahren auf der Bühne steht, ist ein Phänomen. Mit der Alaide hat sie eine neue Glanzrolle gefunden, in der das Dramatische die Koloraturen überwiegt. Dieses Ereignis sollte niemand verpassen, der Oper liebt.

Wieder am 9., 12., 16. 7. im Gasteig. Karten Tel. 54818181

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