Der glücklichste Mann

Noch ist es schwer, sich eine lauschige Nacht im Sommer vorzustellen, doch im Juli singen Erwin Schrott, Anna Netrebko und Jonas Kaufmann am Königsplatz. Der Bassbariton verrät erste Details
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Erwin Schrott sieht nicht nur gut aus. Er hat eine voluminöse und kernige Stimme – ideal für Mozarts Leporello wie Don Giovanni.
Decca/Kasskara Erwin Schrott sieht nicht nur gut aus. Er hat eine voluminöse und kernige Stimme – ideal für Mozarts Leporello wie Don Giovanni.

Noch ist es schwer, sich eine lauschige Nacht im Sommer vorzustellen, doch im Juli singen Erwin Schrott, Anna Netrebko und Jonas Kaufmann am Königsplatz. Der Bassbariton verrät erste Details

Bei dem Mann beschleicht einen der Neid. Er sieht gut aus, singt auf den größten Bühnen der Welt und hat eine charmante, ebenfalls recht bekannte Frau plus Kleinkind. Momentan weilt Erwin Schrott in New York, wo er ein Album mit Latino-Musik aufnimmt. Und die Pläne des Bass-Baritons reichen weit: Am 29. Juli 2011 tritt er mit Gattin Anna Netrebko und Tenor Jonas Kaufmann auf dem Königsplatz auf, dirigieren wird Marco Armiliato.

AZ: Herr Schrott, wissen Sie schon, was Sie, Ihre Gattin und Jonas Kaufmann auf dem Königsplatz singen werden?

ERWIN SCHROTT: Es steht noch nicht alles fest, aber es wird natürlich einige Duette und Terzette geben. Allein werde ich ein oder zwei Arien singen, wahrscheinlich den Leporello. Und dann aus meinem neuen Repertoire, also südamerikanische Musik.

Das bedeutet: viel Tango?

Ja, Tango-Musik wird im Repertoire sein. Exzellent! Ich freue mich so. Wir haben ein Benefiz-Konzert für Pakistan gegeben, da war das Publikum vom Tango so begeistert, dass ich ihn seit dieser Zeit öfter singe. Ich habe das auch am Royal Opera House gemacht und in München. Ich habe mich entschieden, ein wenig mehr von mir auf die Bühne zu bringen, Musik, mit der ich aufgewachsen bin.

Es ist sowieso erstaunlich, dass Sie Opernsänger geworden sind. Denkt man an Ihre Heimat Uruguay, denkt man nicht an klassische Musik.

Ich glaube, da irren Sie sich. Das Teatro Solis in Montevideo wurde 1856 eröffnet. Seitdem sind dort alle wichtigen Persönlichkeiten der Opernwelt aufgetreten. Oper ist sehr populär in Uruguay, vielleicht nicht so stark wie in Deutschland oder Österreich. Aber die Leute lieben klassische Musik: Wenn dort ein Opern-Event oder Ballett stattfindet, ist das Theater voll. Es gibt eine Sehnsucht, diese Musik kennenzulernen. Wobei die Kinder nicht oft diese Chance bekommen, eigentlich nur dann, wenn sie Klassik im Elternhaus hören.

Wie war das bei Ihnen zu Hause?

Meine Eltern hörten alle Arten von Musik. Meine Mutter wollte ihr Leben lang Pianistin werden. Weil sie dazu nicht die Möglichkeit hatte, brachte sie mich zu diesem Instrument, als ich sechs Jahre alt war. Seit meiner Kindheit gibt es nichts anderes in meinem Leben als Musik.

Was singen Sie und Ihre Frau Ihrem kleinen Sohn Tiago zum Einschlafen vor? Wiegenlieder?

In unserem Haus spielen wir klassische Musik, aber auch Flamenco, Tango, Jazz. Das Problem ist: Wenn wir ihm was vorsingen, sind wir verloren. Dann schläft er nie ein. Das Beste, was wir tun können, ist: Ihn ins Bett legen, wir bleiben ein wenig bei ihm, reden mit ihm und gehen dann schlafen. In dem Moment, in dem wir eine Show für ihn abziehen, ist er der beste Zuhörer der Welt.

Vielleicht singen Sie beide einfach zu gut. Vielleicht sollten Sie falsch singen.

Das ist eine gute Idee. Hoffentlich denkt er genauso.

Kind und Gesangs-Karriere lassen sich nicht unbedingt einfach zusammenbringen.

Meistens ist Anna bei ihm. Es ist für ihn nun die wichtigste Zeit, dass Mama da ist. Ich versuche, soviel wie möglich hin- und herzureisen, um mit ihnen zusammen zu sein. Auch wenn wir unsere Auftritte Jahre im Voraus planen, können wir nicht Tag für Tag gemeinsam verbringen wie eine normale Familie – wenn ich überhaupt das Wort normal sagen kann.

Roberto Alagna und Angela Gheorghiu sind, bevor sie sich trennten, fast immer gemeinsam aufgetreten. Ist das ein Zukunftsmodell für Sie?

Manchmal singen Anna und ich in einem Konzert, aber wir wollen das nicht ständig tun. Ich möchte auch in Zukunft zwischen meinem privaten und beruflichen Leben trennen. So etwas wie ein „Familiengeschäft“ steht mir nicht im Sinn. Aber natürlich freuen wir uns, wenn wir gemeinsam singen. Ich arbeite einfach gerne mit talentierten Leuten, und eine der talentiertesten Sängerinnen ist nun mal zufälligerweise meine Frau.

Am praktischsten ist es wohl, wenn Sie wie in diesem Jahr in Salzburg in zwei verschiedenen Produktionen auftreten.

Das war wie im Himmel! Das war ein Geschenk für uns beide, in einer Stadt zu sein und doch nicht an derselben Produktion zu arbeiten. Jeder weiß: Es ist immer schön, jemanden, der einen wirklich liebt, an seiner Seite zu haben. Man kann das nicht die ganze Zeit haben. Distanz und Zeit für sich, das ist für mich Salz und Pfeffer einer Beziehung.

Sie haben in Salzburg Don Giovannis Diener Leporello gesungen.

Nächstes Jahr singe ich beides, den Leporello und den Figaro.

Sie meinten sogar mal, dass Sie lieber den Diener als den Meister singen.

Ich glaube, ich habe so oft die Rolle des Don Giovanni gesungen, dass ich eine Pause brauchte. Nachdem ich nun einige Male Leporello gesungen habe, ist die Lust auf Don Giovanni zurück. Aber letztlich ist mir das gleich. So lange ich auf der Bühne machen kann, was ich mag, und solange die Leute das mögen, bin ich der glücklichste Mann auf der Welt.

Michael Stadler

Karten für das Konzert am Königsplatz am 29. Juli 2011 unter Tel. 0180/54 81 81 81

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