Der Ausschluss des einstigen Lieblingssohnes

Das Festival von Cannes erklärt Lars von Trier trotz seiner Entschuldigung für seine Nazi-Äußerungen zur „Persona non grata” – Pedro Almodóvar entdeckt seine Thrillerliebe neu
| Adrian Prechtel und Margret Köhler
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Jonathan Short/AP

Nach seinen Äußerungen über Adolf Hitler ist der dänische Regisseur Lars von Trier vom Festival in Cannes offiziell zur „unerwünschten Person” erklärt worden. Ab sofort gelte von Trier als „Persona non grata”, teilte das Festival am Donnerstag mit.

Am Mittwoch hatte der 55 Jahre alte Däne auf der Pressekonferenz zu seinem diesjährigen Wettbewerbsbeitrag „Melancholia” erzählt, dass seine Familie deutsche Wurzeln habe. „Ich bin ein Nazi”, sagte er vor laufenden Kameras. „Ich verstehe Hitler. Ich glaube, dass er ein paar schlechte Dinge gemacht hat, klar, aber ich kann ihn mir in seinem Bunker vorstellen, am Ende.” Wenige Stunden später ließ er über seine Agentur eine Entschuldigung verbreiten.

Er hat schon immer gern provoziert - gerade auch in Cannes

Von Trier, der sich selbst gern als neurotischen, seelisch gestörten Menschen beschreibt, ist regelmäßiger Gast in Cannes. Hier hat er schon wiederholt für Skandale gesorgt – sei es mit pornografischen oder extrem gewalttätigen Szenen in seinen Filmen oder mit provozierenden Äußerungen. Doch immer wieder wurde von Trier für seine emotional geladenen, ästhetisch herausragenden Werke auch gefeiert und ausgezeichnet. Im Jahr 2000 erhielt er die Goldene Palme für „Dancer in the Dark”.

Dieses Mal aber ist er in eine Falle getappt: „Alle erwarten von mir immer etwas Provozierendes”, sagte von Trier der AZ. „Mir ist aber auf der Pressekonferenz nichts eingefallen, mir war langweilig. Es waren unbedachte Worte, aber wer kann denn wirklich von mir glauben, dass ich mit Hitler sympathisiere?” Lars von Trier sprach von einer „lächerlichen Situation”, durch die der Kontakt zu Cannes nun abreiße. Auch die Premierenfeier fiel am Mittwoch aus, weil der jüdische Restaurantbesitzer keinen Wert mehr auf den Gast aus Dänemark legte.

Doch am Tag nach dem Eklat gab sich von Trier nicht geschlagen: „Ich bin stolz darauf persona non grata zu sein, mal sehen, ob die Franzosen mir jetzt auch den Orden, den sie mir verliehen haben, von der Brust reißen.” Die Folgen, das weiß auch der dänische Regisseur, könnten für ihn jedoch viel gravierender sein. Trotz seines Rufs als Berserker gelang es ihm bislang, fantastische Starensemble und genügend Geldgeber für seine Filme zu sammeln. Das könnte nun schwieriger werden.

Das Gedeck für 6000 Euro aufwärts

Ein anderer Provokateur und Dauergast in Cannes ist Pedro Almodóvar. Er ist mit Antonio Banderas gekommen, um seinen Thriller „Die Haut, in der ich lebe” – über einen eiskalten plastischen Chirurgen – in den Wettbewerb zu bringen. Seine erste Zusammenarbeit mit seinem einstigen Lieblingsschauspieler Banderas seit über 20 Jahren ist aber vor allem ein Thriller, der nicht unter die Haut geht.

Gegen Ende des Festivals schwenkt der Fokus für ein paar Stunden einige Kilometer nach Osten. Am Cap Antibes gibt die amerikanische Aidsforschungs-Stiftung Amfar das teuerste jährliche Wohltätigkeitsdinner der Welt im Hotel Eden Rock. Liz Taylor war lange der zusammenhaltende Stern, bis vor sieben Jahren Sharon Stone die Leitung übernommen hat. Jetzt ist der Name der neuen Gastgeberin ein Geheimnis, viele tippen auf Madonna. Die Gedecke kosten hier 6000 Euro aufwärts. Das garantiert echte Exklusivität.

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