Das Denkmal für die Familie Mann – aber da fehlt doch jemand
Die Abschaffung der Monarchie vor 17 Jahren hat uns in ein tiefes emotionales Loch gestürzt. Das angestammte Herrscherhaus verhält sich seitdem vergleichsweise ruhig. Doch woher als Bildungsbürger gehobenen Klatsch und Tratsch nehmen?
Zum Glück haben wir die Familie Mann mit ihren Neurosen, Vaterkonflikten und Selbstmorden. Keine Woche, in der nicht aus den Büchern der Familie Mann ein weiteres Buch destilliert wird. Auch ihre reichlich vorhandenen Häuser und Haustiere finden ein reges Interesse. Und mittlerweile ziert eine Plakette jedes von der Familie bewohnte Haus.
Die Denkmalbranche darf da nicht untätig bleiben. Daher verschönert seit Anfang Dezember die Installation "Straßen Namen Leuchten" von Albert Coers den öden Platz zwischen dem Literaturhaus und der Salvatorgarage. Sie besteht aus Straßenschildern aus München, Frankfurt, Zürich, Rom und São Paulo, die nach Mitgliedern der Familie benannt sind. Ergänzt werden sie durch Straßenlampen von Orten, an denen die Manns lebten oder im Exil waren: Lübeck, Nida, Sanary-sur-Mer, New York, Los Angeles oder Kilchberg.

Wer vorzeitig aus München wegzieht, hat Pech gehabt
Daher ist ein nächtlicher Besuch anzuraten. Ein städtisches Info-Portal gibt außerdem noch den wichtigen Hinweis, dass die "aufwendige und technisch anspruchsvolle Installierung" durch das Baureferat realisiert wurde. Auch da arbeiten Künstler ihres Fachs. Und im Prinzip ist ja jeder Mensch ein Künstler.

Coers hat Thomas – selbstredend mehrfach – gewürdigt, dazu Katia, Klaus, Erika und Golo sowie Elisabeth Mann-Borghese. Fehlt da nicht jemand? Ja, Thomas Manns Bruder Heinrich. Der lebte immerhin mindestens zehn Jahre ebenfalls in München. Und nach ihm sind weltweit auch eine Menge Straßen bekannt, vor allem im Osten unseres schönen Landes.

Aus dem Kulturreferat ist dazu zu hören, Heinrich Mann habe wegen des bekannten Bruderzwists nicht wirklich zur Familie gehört. Überdies gebe es im Herzogpark eine Heinrich-Mann-Allee. Und er sei schon vor dem Exil 1926 nach Berlin gezogen.
Heinrich Mann in München: Ein Radlweg reicht
Das ist aus lokalpatriotischer Perspektive natürlich ein guter Grund, ihn aus dieser Installation auszuschließen. Obendrein ist Heinrich Mann auch ein bisschen langweilig: Er war schon lange vor seinem Bruder Demokrat. Womöglich etwas zu sehr, denn er kannte keine ohne Berührungsängste vor Kommunisten und Stalinisten.
Die machten ihn 1949 kurz vor seinem Tod zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in (Ost-) Berlin. Dort, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, wurde 1961 posthum auch seine Urne beigesetzt.
Mag sein, dass Heinrich Mann die bis heute gelesenen Romane "Untertan" und "Professor Unrat" verfasst hat. Dafür kann man ihn mit einem Taferl an einem seiner (meist abgerissenen) Münchner Wohnhäuser ehren. Die nach ihm benannte "Allee", ein besserer Spazier- und Radlweg an der Isar, ist fast schon zu viel. Ins Zentrum kommt uns das Rote Schaf der Familie jedenfalls nicht hinein.
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