Cyber-Spinne rettet die Welt

Satter Sound und dick aufgetragene Botschaft beim Konzert von U2 im Olympiastadion Berlin
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Triumpf des Willens zum riesenhaften Spektakel für die gute Sache: U2 auf „360 Grad Tour“ in Berlin.
dpa Triumpf des Willens zum riesenhaften Spektakel für die gute Sache: U2 auf „360 Grad Tour“ in Berlin.

Satter Sound und dick aufgetragene Botschaft beim Konzert von U2 im Olympiastadion Berlin

Im Zeitalter der Superlative fällt es schwer, für diese U2-Welttournee die passende Einordnung zu finden: Ist sie gigantisch, megalomanisch oder einfach nur groß? Die „360 Grad Tour“ der irischen Band gehört zu den gewaltigsten Rockshows des Jahres. Mit ihrer neuartigen Rundumbühne, die fast ein Drittel des Innenraums im Berliner Olympiastadion einnimmt, hat die Band vor 90000 Menschen das Erlebnis Stadionkonzert auf eine neue Stufe gehoben.

Die futuristische Konstruktion steht wie eine Mischung aus Cyber-Spinne und Raumschiff auf vier Beinen im Rund des Stadions. In ihrer Mitte, quasi aus dem Bauch der Spinne, hängt ein riesiger runder Videozylinder, der allen Zuschauern jede Schweißperle auf Bonos Stirn zeigt. Der Laufsteg ragt nicht wie gewöhnlich gerade in die Menge hinein, sondern umrundet einmal die ganze Bühne – dehnt sich so fast über die gesamte Breite des Fußballfeldes.

Hymnen - wie gemacht fürs Stadion

Doch das Konzert wird dadurch nicht zum kalten Spezialeffekte-Spektakel. Denn Bono, Gitarrist The Edge, Bassist Adam Clayton und Drummer Larry Mullen Jr. versprühen nach mehr als 30 Jahren immer noch Leidenschaft.

Zu Beginn schicken die Endvierziger Lieder vom neuen Album „No Line On The Horizon“ in den grauen Berliner Sommerhimmel. Die Band legt einen dichten, satten Klangteppich ins Stadion.

Viele ihrer Songs sind längst Hymnen – wie gemacht fürs Stadion: „I Still Haven’t Found“, „Angel Of Harlem“ oder „Where The Streets Have No Name“. Mit dem krachenden „Sunday Bloody Sunday“, der musikalischen Anklage gegen den Nordirland-Konflikt, leitet Bono seine politische Botschaft dieses Abends ein. Effektvoll leuchten Videowand, Kunstnebel und die Bühne in Grün, der Farbe der iranischen Oppositionsbewegung. Er ruft zur Unterstützung der Aktivistin Aung San Suu Kyi auf, die das Regime in Birma seit nunmehr 20 Jahren unter Hausarrest hält. Der südafrikanische Bischof Desmond Tutu ermutigt die Fans per Videobotschaft zum Engagement in der Gesellschaft. Das Politische wirkt aber zuweilen etwas einfach gestrickt, klischeehaft, dick aufgetragen.

Stark dann wieder der musikalische Abgang: „One“, „Light My Way“ und eine der schönsten Balladen überhaupt, „With Or Without You“, schmachtet Bono. Seine Fans in Berlin schmachten mit.

Patrick T. Neumann

Weiteres Konzert 3.8., Gelsenkirchen, es gibt Restkarten

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