Zu 30 Jahren Lustspielhaus gibt es eine absurd überdrehte Mafia-Persiflage
Die kleine Bühne des Lustspielhauses ist vor Beginn nur spärlich ausgestattet: Ein hellroter Paravent mit darüber gehängter Sizilienflagge steht dort. Daneben aber tummeln sich eng gedrängt schon rund 20 Sänger des „Bud Spenzer Heart Chor“ und eine fünfköpfige Band. Sie werden für die sehr gelungene, aber auch komische musikalische Untermalung des Abends sorgen.
Die Familie bleibt unter sich
Dieser dreht als Geburtstagsgeschenk für das Haus des Münchner Kleinkunst-Paten Till Hofmann Coppolas legendären Mafiafilm - wie die Flagge - auf links und macht daraus ein absurdes, urkomisches Spektakel, das seinem Kleinkunst-Kabarett-Ursprung treu bleibt. Früher waren Requisiten in DIY-Ästhetik, Doppel- oder Dreifachrollen und billige Kostüme mit budgetären Engpässen begründet, an diesem Abend aber sind sie eine Hommage an die große Kleinkunst Schwabings. Auch das Team hinter dem Stück „Mord, Moral und Mortadella“ ist hier heimisch und seit langem Teil der „Lustspielhaus-Familie“. Text und Regie liegen in den Händen des Duos Alex Liegl und Gabi Rothmüller, auf der Bühne unterstützt von der früheren Lach- und Schieß-Spielerin Sonja Kling und dem österreichischen Kabarett-Duo „BlöZinger“ (Robert Blöchl und Roland Penzinger).

Doch worum geht es? Die eigentlich verfeindeten Mafiaclans Occamosa und Bavarotti wollen eine Feier zu 30 Jahren Frieden ausrichten - mit einem bösen Ende für die jeweils andere Seite. Diese Handlung bildet den Rahmen für ein Potpourri an Szenen in denen Kirche (Alex Liegls Pfarrer ist zum Brüllen) und Polizei nicht fehlen. Roland Penzinger spielt einen im besten Sinne an Thomas Stipsits „Unteroffizier Steinschleifer“ erinnernden Polizisten. Psychiatrische Behandlung à la „Sopranos“ findet durch Robert Blöchls fantastische „Dottoressa Mabusa“ Eingang, wenn er sich nicht gerade ulkigem Ukulelespiel widmet.
Italo-Hits, Pointen-Feuerwerk und ein Gast
Als wäre das nicht genug, wird über den ganzen Abend hinweg noch eine „Greatest-Italo-Hits“-Show eingewoben oder werden Meta-Witze über das eigene künstlerische Schaffen erzählt und die ein oder andere gesellschaftskritische Komponente integriert. Sympathisch ist, dass man sich für keinen Kalauer zu fein ist und Sandkastenhumor neben ausgefeilten Sketchen steht. Weniger gelungene Gags gehen so im Pointen-Feuerwerk gnädig unter. Die an Anspielungen reiche Inszenierung - der tyrannische Chefkoch ist eine kuriose Mischung aus Eckhardt Witzigmann und Alex Fankhauser - lehnt sich voll in alle Klischees und hält während der amüsanten Umbauten auf offener Bühne auch noch Clowns-Pantomime bereit.
Als Kirsche auf der Torte entsteigt dann nach der Pause noch ein wechselnder Stargast wirklich aus einer Torte. Am Premierenabend ist es Luise Kinseher als Mary from Bavaria. Selbstbeschreibung: „Ich bin die Taylor Swift Bayerns“. Tosender Applaus!
5.8. bis 15.8. immer Mi - Sa, jeweils 20 Uhr, wechselnde Gäste, Karten ab 29 Euro unter lustspielhaus.de
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