Weitere Lockerungen für die Kultur: Ein Muster an Salamitaktik

Markus Söder erlaubt einen "Probebetrieb" mit 500 Besuchern in der Gasteig-Philharmonie.
| Robert Braunmüller
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In der Philharmonie wird es bald etwas voller.
In der Philharmonie wird es bald etwas voller. © Foto: Gasteig/Schönhofer

München – Und wieder schneidet der Ministerpräsident ein Stückchen von der Salami ab und wirft es dem Kulturbetrieb hin. Nach der Sitzung des Bayerischen Kabinetts kündigte Markus Söder am Dienstag an, das künftig ein "Gleichklang" zwischen Kultur und dem Amateursport herrschen möge. In beiden Fällen gelte - im Fall zugewiesener und nummerierter Plätze - die Obergrenze von 200 Besuchern drinnen und 400 draußen.

Außerdem wird der "Probebetrieb" der Bayerischen Staatsoper mit 500 Besuchern im Nationaltheater auf die Philharmonie im Gasteig ausgeweitet: Ab Freitag dürfen nun 500 Plätze in dem rund 2.400 Besucher fassenden Saal besetzt werden.

Corona-Lockerungen: Veranstalter zeigen sich erleichtert

"Das ist ein wichtiges Zeichen für Kulturveranstalter, Künstler und Besucher zum Saisonstart nach der Sommerpause", so Gasteig-Chef Max Wagner. "Wir wollen mit dem uns entgegen gebrachten Vertrauen umsichtig umgehen, um möglichst bald weitere Schritte hin zur Normalität nehmen zu können".

Paul Müller, der Intendant der Münchner Philharmoniker, sprach ebenfalls von einem "wichtigen Schritt in die richtige Richtung". Sein Orchester beginnt am 11. September unter dem Chefdirigenten Valery Gergiev die Saison und profitiert als erstes von der Lockerung. Die neu zur Verfügung stehenden Plätze gehen am Donnerstag um 10 Uhr in den Vorverkauf.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielt seine ersten Konzerte im Herkulessaal und im Prinzregententheater vor (nach derzeitigem Stand) 200 Hörern, weil diese Säle beim Pilotversuch nicht mitwirken. Erst das zweimal gespielte Mozart-Programm am 3. Oktober können jeweils 500 Besucher im Gasteig hören.

Einige Spielstätten werden nicht berücksichtigt

Das Gärtnerplatztheater beginnt am Freitag den Spielbetrieb mit der "Zauberflöte" vor 200 Zuschauern. Denn kleinere staatliche und städtische Häuser kriegen kein Stück Salami. Freie Bühnen sowieso nicht. Für nicht mit öffentlichen Mitteln geförderte Spielstätten bleibt die Lage also prekär. Und auch bei den subventionierten Häusern wächst jeden Tag das Defizit.

Eines zeigt Söders Zugeständnis allerdings: Öffentlicher Druck wie der Offene Brief der Münchner Philharmoniker und des BR-Symphonieorchesters, der Stadtratsantrag der CSU-Kultursprecherin Beatrix Burkhardt und die deutlichen Worte des Staatsopern-Intendanten Nikolaus Bachler bewirken etwas. Für alle anderen gilt: Wer sich nicht meldet, wird vergessen - wie die vielen Freiberufler im Kulturbereich und alles, was nicht der sogenannten Hochkultur zuzurechnen ist.

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