Was Nikolaus Bachler und Kirill Petrenko für 2016/16 planen

Neue "Meistersinger" und seltener gespielte Werke: Kirill Petrenko und Nikolaus Bachler stellen die kommende Spielzeit der Bayerischen Staatsoper vor
| Robert Braunmüller
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Zwei nicht ganz grundlos glückliche Herren: Generalmusikdirektor Kirill Petrenko und Staatsopernintendant Nikolaus Bachler (re.).
Wilfried Hösl Zwei nicht ganz grundlos glückliche Herren: Generalmusikdirektor Kirill Petrenko und Staatsopernintendant Nikolaus Bachler (re.).

Am nächsten Tag tun einfach alle Muskeln weh“, sagt Kirill Petrenko über Wagners „Ring“, den er gegenwärtig in München und im kommenden Sommer ein letztes Mal in Bayreuth dirigiert. „Es ist körperlich zu viel. Das sind 16 Stunden Musik“. Deshalb habe er den Wagner-Schwestern den Vierteiler abgesagt. „Wäre es in Bayreuth nur eine Oper gewesen wäre, hätte ich es vielleicht fünf Jahre gemacht.“

Nach den Bayreuther Festspielen braucht Petrenko drei bis vier Wochen Ruhe. Deshalb tritt er Alban Bergs „Lulu“ an Cornelius Meister ab. Aber sonst ist der Generalmusikdirektor im Nationaltheater sehr präsent: Er leitet zwei Premieren, Wagner-Aufführungen, drei Akademiekonzerte, die Strauss-Opern „Ariadne auf Naxos“ und den „Rosenkavalier“ sowie die neu einstudierte Silvester-„Fledermaus“.

Auf zum Südpol!

Petrenkos erste Premiere ist die Uraufführung von Miroslav Srnkas „South Pole“ am 31. Januar. Rolando Villazón und Thomas Hampson übernehmen die rivalisierenden Südpol-Eroberer Robert Scott und Roald Amundsen. Hans Neuenfels inszeniert. Chefsache sind naturgemäß auch die neuen „Meistersinger von Nürnberg“. Wolfgang Koch singt den Sachs, Jonas Kaufmann ist Stolzing. Die Regie bei Wagners Oper übernimmt David Bösch, der Spezialist für melancholische Komödien.

Mit dieser Neuinszenierung korrespondiert die Festspielpremiere: Fromental Hálevys „La Juive“, ein Hauptwerk der französischen Grand Opéra, aus deren Neuerungen Richard Wagner sich schamlos bediente und die er in seinen Schriften beschimpfte. Calixto Bieito inszeniert das Werk über das tragische Schicksal der Jüdin Rachel. Sie wird von Kristine Opolais verkörpert, Roberto Alagna singt den Éléazar.

Zurück zu Rameau und nach Ettal

Als zweite Festspielpremiere kehrt die Barockmusik zurück. Und zwar in ihrer alleraufregendsten, in München noch unbekannten französischen Form: Ivor Bolton dirigiert Jean-Philippe Rameaus Opéra-ballet „Les Indes galantes“. Anna Prohaska singt eine Hauptrolle, für das Szenische sorgt Sidi Larbi Cherkakoui.

Als erste Premiere der Spielzeit gibt es am 24. Oktober Arrigo Boitos Goethe-Verschnitt „Mefistofele“, Joseph Calleja und René Pape singen, Omer Meir Wellber dirigiert, die Inszenierung liegt in den Händen von Roland Schwab.

Im November folgt Sergej Prokofjews „Der feurige Engel“ – ein Werk, das in den frühen 1920er Jahren übrigens teilweise in Kloster Ettal entstand. Vladimir Jurowski steht am Pult, die Regie führt Barry Kosky, im Hauptberuf Intendant der Komischen Oper in Berlin. Im Frühjahr kommt es zu einem erstaunlichen Debüt: Der fast 80-jährige Zubin Mehta, der eigentlich alles schon einmal dirigiert hat, holt einen Verdi nach: „Un ballo in maschera“. Die szenische Seite verantwortet Johannes Erath, Piotr Beczala, Simon Keenlyside und Anja Harteros singen die Hauptrollen.

Kein Alltag in der Staatsoper

Das Opernstudio zeigt Brittens „Albert Herring“. Bei den Akademiekonzerten gibt es Arnold Schönbergs kolossale „Gurrelieder“ unter Mehta sowie die „Sinfonia Domestica“ von Strauss und Mahlers „Lied von der Erde“ mit Christian Gerhaher unter Petrenko. Im 36 Werke umfassenden Repertoire glänzt Jonas Kaufmann als Radames in „Aida“. Anja Harteros singt die Titelrolle in „Ariadne auf Naxos“, Rolando Villazón tritt in „Werther“ auf Und Michael Volle wagt den „Fliegenden Holländer“.
Eröffnet wird die Spielzeit am 19. September mit der uralten „Madame Butterfly“. Diese Puccini-Inszenierung ist bei den Technikern sehr beliebt, weil sie sich in einer Viertelstunde aufbauen lässt. Eine Neuinszenierung würde den trotzdem Spielplan zieren. Bachler denkt nach, aber es ist schwierig, für diese Oper das passende Team zu finden.

Die Auslastung liegt bei 98,8 Prozent – mehr geht nicht. Bis zu 110 000 User schauen weltweit die kostenlosen Übertragungen der Staatsoper im Internet an. Die Wiener Oper erreicht mit ihren kostenpflichtigen Livestreams nur 700 Zuschauer. Die Münchner Oper glänzt! Das gehört zum Ritual der Spielzeit-Pressekonferenzen, die nicht grundlos im Frühjahr stattfinden, wenn alle Zeichen auf Aufbruch stehen.

Ein Schatten lag dennoch über dem sonnigen Vormittag: der Tod der beiden Opernsänger Oleg Bryjak und Maria Radner. Sie waren beide im kommenden Sommer in Petrenkos Bayreuther „Ring“ besetzt. „Unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl gehört ihren Angehörigen“, sagte Bachler am Beginn der Pressekonferenz.

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