Till Hofmann verlässt die Lach & Schieß: Krach in den Kulissen

Till Hofmann zieht sich aus der Lach & Schieß zurück, die Kabarettbühne soll aber weiter bestehen bleiben.
| Thomas Becker
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Veranstalter Till Hofmann, hier in seinem Lustspielhaus, das er natürlich weiterhin betreibt.
Veranstalter Till Hofmann, hier in seinem Lustspielhaus, das er natürlich weiterhin betreibt. © imago/Michael Westermann

München – Es ist eine Nachricht, die einen erst mal sprach- und ratlos zurücklässt. Die in etwa so glaubhaft wirkt, als wenn Uli Hoeneß sagen würde, dass er mit dem FC Bayern nichts mehr zu tun haben will. Und das ist die unfrohe Botschaft: Till Hofmann gibt Ende September nach 21 Jahren den Posten als Geschäftsführer der Lach- und Schießgesellschaft ab und tritt als Gesellschafter aus der Betriebsgesellschaft aus.

Ein größerer Knall ist in der Münchner Kleinkunstszene nicht denkbar. Die Frage nach dem Warum beantwortet Hofmann in einer Pressemitteilung nur im Ansatz: "Durch den Tod von Dieter Hildebrandt, das spätere Ausscheiden von Renate Hildebrandt und zuletzt den Tod von Wolfgang Nöth hat sich die Zusammensetzung der Lach & Schieß Betriebsgesellschaft mbH mehrfach geändert. In der momentanen Gesellschafterkonstellation konnte nun leider keine übereinstimmende, gemeinsame Linie für die weitere Führung und Ausrichtung der Lach- und Schießgesellschaft mehr gefunden werden."

Die neuen Gesellschafter: Laila Nöth, Stefan Hanitzsch, Bruno Jonas

Was um Himmels Willen muss da passiert sein, dass die seit 65 Jahren mit meilenstiefelgroßem Abstand erfolgreichste und renommierteste Kabarettbühne des Landes sich nicht über Führung und Richtung einig wird?

Die neue Gesellschafterkonstellation sieht dann nach dem Notar-Termin in der kommenden Woche wohl wie folgt aus: Laila Nöth, das "Münchner Kindl" des Jahres 2015, hat die Anteile ihres Vaters geerbt, dazu der Karikaturisten-Sohn Stefan Hanitzsch, der seit 2013 das Webformat stoersender.tv betreibt, für "Vorwärts" geschrieben hat und nun Geschäftsführer werden soll, sowie Bruno Jonas.

Bruno Jonas (zweiter von links) mit Sibylle Nicolai, Rainer Basedow und Jochen Busse 1985 im Ensemble der Lach & Schießgesellschaft. Nun könnte Jonas künstlerischer Leiter werden.
Bruno Jonas (zweiter von links) mit Sibylle Nicolai, Rainer Basedow und Jochen Busse 1985 im Ensemble der Lach & Schießgesellschaft. Nun könnte Jonas künstlerischer Leiter werden. © Foto: United Archives/Imago

Keine andere Bühne in der Republik hatte einen solchen Ruf

1987 hatte der 17-jährige Hofmann als Schülersprecher des Passauer Gymnasiums Leopoldinum Jonas mal zu einem Kabarettabend in der Schule überredet, später für ihn Plakate geklebt und dessen Tour als Techniker begleitet. Rund zehn Jahre später - Hofmann machte gerade eine Ausbildung zum Krankengymnasten - bot ihm Jonas an, das Lustspielhaus als Pächter zu übernehmen. Fünf Jahre später stand die Lach- und Schießgesellschaft vor der Schließung, Dieter Hildebrandt suchte Rat bei Jonas, der wiederum fragte Hofmann - der Rest ist Kabarettgeschichte.

Keine andere Bühne in der Republik hatte einen solchen Ruf wie Donnerhall, und diesen auch nach der überfälligen Renovierung zu erhalten und zu pflegen, ist Hofmann mit seinem Team ohne Zweifel gelungen. Sogar das allseits totgesagte Ensemble-Kabarett hat er über die Jahre am Leben erhalten, stets in unkonventionellen, mutigen Personalzusammensetzungen, wie auch jetzt gerade im neuen Ensemble zu bewundern. Das wird dann vom 20. Oktober an im Schwabinger "Laden" unter neuer Führung spielen, wohl unter Bruno Jonas als künstlerischem Leiter. Hofmann sagt dazu: "Das kommentiere ich jetzt nicht." Jonas, der in den vergangenen Jahren nicht mehr in der Lach- und Schießgesellschaft aufgetreten war, war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Ein Haus mit Geschichte: Im Jahr 1961 spielte das Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft - Ursula Noack, Klaus Havenstein und Dieter Hildebrandt - das aktuelle Programm "Wählt den, der lügt". Ob es noch aktuell wäre?
Ein Haus mit Geschichte: Im Jahr 1961 spielte das Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft - Ursula Noack, Klaus Havenstein und Dieter Hildebrandt - das aktuelle Programm "Wählt den, der lügt". Ob es noch aktuell wäre? © Foto: Georg Göbel/ dpa

Der Abschied fällt Hofmann nicht leicht

"Niemals geht man so halb" hat Hofmann in die Betreffzeile der Pressemitteilung geschrieben, und wer glaubt, dass ihm dieser Abschied leicht fällt, der glaubt auch an Weihnachtsmann und Osterhase. "Natürlich ist da eine tiefe emotionale Bindung, allein zu diesem Raum", gesteht er, "es ist nicht einfach, aber es ist, wie es ist." Auch Steffi Rosner, die ihn als Bookerin in all den Jahren in der Führung der Lach- und Schießgesellschaft unterstützt hat, wird den Laden sicherlich mit genauso schwerem Herzen verlassen.

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"Sie wird sich mit uns auf neue Abenteuer im Kleinkunstkosmos stürzen", schreibt Hofmann, der auch während der Pandemie in der Szene mal wieder der aktivste und kreativste Veranstalter war und ist, zahllose neue Spielstätten aus dem Hut zauberte und Tausenden Münchnern in dieser staden Zeit spannende, unterhaltsame, gefühlvolle, nachdenkliche und erkenntnisbringende Abende beschert hat. Wie es weitergeht? Hofmann sagt: "Machen wir halt was Neues!" Und weiter: "Dem humanistischen Geist von Dieter Hildebrandt verpflichtet, werde ich auch weiterhin danach streben, immer gutes Kabarett mit Haltung zu präsentieren. Es war und ist mir eine große Freude." Ebenso!

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