Thielemann dirigiert "Tosca"

Puccinis "Tosca" mit der Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann im Großen Festspielhaus
| Michael Bastian Weiß
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Puccinis "Tosca" im Großen Festspielhaus.
4 Puccinis "Tosca" im Großen Festspielhaus.
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Puccinis "Tosca" im Großen Festspielhaus.
4 Puccinis "Tosca" im Großen Festspielhaus.

Nur am Anfang wird ein bisschen genervt. In einer Tiefgarage heult eine Sirene auf, der politische Flüchtling Angelotti und die Schergen des Polizeichefs schießen mit Maschinenpistolen aufeinander, dann erst darf die Dresdner Staatskapelle das gefährliche Scarpia-Motiv spielen. Die Musik wird degradiert zum bloßen Kommentar, mehr noch: zur luxuriösen Untermalung eines drittklassigen „Tatorts“.

Will hier ein Regisseur zeigen, dass auch er zu provozieren vermag? Erst vor wenigen Tagen hatte ja die sehr gelungene „Maria Stuarda“-Produktion am Gärtnerplatztheater gezeigt, dass Michael Sturminger und sein festes Regieteam es besser können. Der Vorspann wird auch im weiteren Verlauf dieser Salzburger Inszenierung von Giacomo Puccinis „Tosca“ nicht mehr aufgenommen und bleibt somit ein Fremdkörper.

In der Geheimdienstzentrale

Abgesehen von der Tiefgarage, längst zum Krimi-Klischee geworden, wirkt die Ausstattung sinnvoll bis atemberaubend (Kostüme und Bühnenbild: Renate Martin/Andreas Donhauser): Die Weiten des Festspielhauses sind im ersten Akt in einen monumentalen Kirchenraum überführt, im zweiten in eine zeitgenössische Geheimdienstzentrale, in der das Trimm-Dich-Gerät, auf dem Scarpia radelt, den alten römischen Palazzo regelrecht entweiht. Der dritte Akt spielt auf dem Dach eines Hotels, dessen Schriftzug „Il Divo“ auf den gleichnamigen Film über den skandalumwitterten italienischen Regierungschef Giulio Andreotti anspielt, Scarpias modernen Bruder im Geiste.

Auf unaufdringliche Weise siedelt das Sturminger-Team die Handlung im Hier und Jetzt an. Die Personenregie ist ausgeklügelt: Bevor die Staatsmacht über sie hereinbricht, spielen Anja Harteros als Tosca und Aleksandrs Antonenko als Cavaradossi ein eifersüchtelndes Liebespaar. Und Harteros entdeckt in ihrer Partie am Schluss, wenn sie dem Geliebten vormacht, wie er tot umzufallen habe, sogar humorvolle Momente. In das Geplänkel des Beginns fällt der geflüchtete Angelotti ein wie ein Hieb des Schicksals. Andrea Mastroni dramatisiert ihn mit düsterem Bariton.

Vor allem Antonenko aber als Cavaradossi ist ein Glücksfall. Sein Tenor glänzt im herrlichen Golddunkel und trieft schon bei den noch unschuldigen Liebesschwüren vor Leidenschaft, seine Spitzentöne, seine Gestaltung elektrisieren. Das Juwel dieser Aufführung ist Anja Harteros. Man kann sich keine bessere Tosca vorstellen. Sie verschenkt eine sopranistische Fülle ohnegleichen, in der Höhe betört der schiere Wohlklang der zum Sterben schönen Stimme, der noch die intensivsten Passagen veredelt. Und welche Sängerin verfügt heute über eine solche imponierende Macht in der Tiefe?

Beiläufig bindet er die Krawatte

Nur in einer Partie fällt das im Ganzen schwer beeindruckende Ensemble ein wenig ab. Ludovic Tézier ist nicht nur optisch ein weißhaariger Anzugträger. Zwar beherrscht er das Multi-Tasking virtuos: Beiläufig bindet er sich die Krawatte, während er seinen gepflegten Bariton parlieren lässt. Doch unter der Oberfläche lauert keine Dämonie, seine deklamierende Gestaltung ist zu zahm, sein Sadismus zu bürokratisch ausgelebt: Er bleibt ein Papiertiger. Entgegen dem Libretto lässt die Regie ihn den zweiten Akt überleben, aber es ist nicht ganz einsichtig, warum.

Obwohl er Puccini schon dirigiert hat, ist Christian Thielemann nicht für dieses Repertoire bekannt. Das wird nach dieser Produktion anders sein. Es ist eine Freude, wie flexibel er mit der Staatskapelle Dresden die Sänger begleitet und sein Dirigat dabei von allen konventionellen Puccinismen frei hält. Bemängeln könnte man nur, dass er keinen dramatischen Durchzug entwickelt. Die einzelnen Akte zerfallen ein wenig in Episoden. Dafür sind diese orchestral minutiös nachgezeichnet.

Thielemann entwickelt weite Strecken aus der Präsenz der Holzbläser, die Streicher steuern schroffe Akzente oder schmelzende Melodien bei, das Blech schmettert grell und bunt. Thielemann und die Dresdner sprechen gleichsam ltalienisch ohne Akzent.

Weitere Aufführung: 2. April, 18 Uhr, Großes Festspielhaus, Karten unter Telefon +43 662 8045 361 oder www.shop.jetticket.net

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