Thamos turnt in der Felsenreitschule

Rolando Villazón eröffnet seine erste Mozartwoche mit „Thamos“ und La fura dels baus in der Felsenreitschule
| Jörn Florian Fuchs
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"Thamos" in der Felsenreitschule.
Mathias Baus 2 "Thamos" in der Felsenreitschule.
"Thamos" in der Felsenreitschule.
Mathias Baus 2 "Thamos" in der Felsenreitschule.

Groß war der letzte Festspielsommer an der Salzach, vor allem Romeo Castelluccis „Salome“ wurde zum Hit, sicher auch wegen der Felsenreitschule. Castellucci mauerte die berühmten Arkaden zu und zeigte eine sehr intensive Mediation über Richard Straussens rauschhafte Oper.

Schnee von gestern. Zur Eröffnung der Salzburger Mozartwoche, die erstmals der Autor, Regisseur und Sänger Rolando Villazón leitet, zeigt die katalanische Theatertruppe La fura dels baus, was man mit der Reitschule noch alles anfangen kann – und besser bleibenlassen sollte.

Da fliegen sinnfrei echte Menschen und projizierte Steine, Schlangen und Stangen durch die Luft, die Arkaden krachen immer wieder in Videoloops zusammen. Im Bühnenhimmel wird akrobatisch geturnt, seltsame, futuristische Wesen schleichen herum, dann gibt es hier ein bisschen Filmgeflimmer, dort einen echten Feuerknall mit entsprechender Duftnote, der freilich die Feinstaubbelastung in der näheren Umgebung ungemein nach oben jagen dürfte. Sitzt man wie der Rezensent vorne rechts, so berühren einen bisweilen Choristen in Clochard-Kostümen sanft an der Schulter.

Verquaster Quatsch

Die Vorlage des Ganzen ist „Thamos, König von Ägypten“, eine Schauspielmusik des damals 17-jährigen Mozart. Es geht um Macht- und Liebeskämpfe, im Zentrum stehen Ramses (böse) und Thamos (gut). La fura dels baus-Anführer Carlus Padrissa macht daraus eine völlig wirre Science-Fiction-Thriller-Mythos-Handlung, mit Militärputsch und Sternenhimmel, versklavtem Volk und esoterischen Führerfiguren.

Padrissa nennt den Abend „T.H.A.M.O.S.“ Das T steht dabei für den wilden Strom-Ingenieur Nikolai Tesla, also gibt es eine Maschine, die – Zitat Programmheft – „die unerschöpfliche Energie der Natur in Lebenskunst verwandelt“. Das ist noch der geringste Murks bei diesem vollständig verquasten Quatsch.

Die Thamos-Musik kommt dabei eher am Rande vor, offenbar misstraut man ihr und so singt der eigens für drei Nummern eingeflogene Bassist René Pape schon mal Sarastros „In diesen heilgen Hallen“ aus der „Zauberflöte“. Auch sonst gibt es allerlei anderes, ins Ohr stechen vor allem kitzlige Brummelklänge von „Roboterinstrumenten“. In mehreren Sprachen werden außerdem Gedichte rezitiert, eindrucksvolle Sätze sind da zu hören wie „Bade die Vulkane der Wut mit Sperma!“.

Mozart lässt sich nicht erklettern

Den Energieforscher Tesla/Thamos singt Nutthaporn Thammathi, er macht das recht gut, nur wenn er auf einem komischen Gefährt weit oben in dünner Luft schwebt, bekommt er auch vokale Höhenprobleme. Der Salzburger Bachchor schlägt sich trotz ständigen Herumlaufaktionen wacker, Alondra de la Parra sorgt am Pult der Camerata Salzburg für einen mal sehr feinen, mal kräfigen, leicht grobkörnigen Klang. Allzuoft wird die Musik leider durch die diversen Bühnenaktionen regelrecht zertrampelt.

Am Ende gibt es – irgendwie – eine Art Utopie mit neuer Gesellschaft in anderen Räumen. Vorher wurde noch der Baum der Unwahrheit gefällt - bitte nicht nachfragen. Das Fazit: Mozart lässt sich nicht erklettern, zumindest nicht so! Carlus Padrissa und seine Truppe ziehen unterdessen bald an die Isar weiter, am 10. Februar gibt es Ernst Kreneks Oper „Karl V.“ im Nationaltheater.
  
Noch einmal am 28. Januar um 20 Uhr in der Felsenreitschule, Restkarten. Karten und Infos zur Mozartwoche 2020 unter www.mozarteum.at

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