Interview

Table Magic Theater: Der Glanz der Intimität

Alexander Krist darf jetzt auch sein Table Magic Theater wieder öffnen. Ein Gespräch über den Zauber des Neuanfangs und unerkannte Prominenz.
| Adrian Prechtel
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Magisch: Alexander Krist in seinem Table Magic Theater am Unteren Anger 3, im Innenhof der ehemaligen Gaswerksverwaltung, die 1917 errichtet wurde. Foto: AK
Magisch: Alexander Krist in seinem Table Magic Theater am Unteren Anger 3, im Innenhof der ehemaligen Gaswerksverwaltung, die 1917 errichtet wurde. Foto: AK © Alexander Krist

München - Neunzehn Monate Dornröschenschlaf - oder besser Corona-Koma. Alexander Krist hat sich in dieser Zeit einen neuen Zauberpalast gebaut - das Kristelli zwischen Neuhausen und Schwabing. Aber was macht er jetzt in seinem schönen, kleinen Table Magic Theater?

AZ: Vor kurzem wurde bekannt, dass Thomas Gottschalk für sein "Wetten, dass..."-Comeback noch Wetten sucht. Warum machen Sie bei sowas nicht mit - wie mit Ihrem Zauberwürfel-Geschwindigkeitsrekord? Gibt es da unter Zauberern eine Art Ehrenkodex?
ALEXANDER KRIST: Nein, das hat etwas mit meinem Zauberlehrer zu tun. Der hat mir mitgegeben: Man darf sich nicht zur Zirkusnummer für andere machen. Man tritt nur auf, wenn man entweder selbst Gastgeber ist oder auf Augenhöhe mit dem Showmaster oder Talkmaster agieren kann. Aber nicht als Teil einer Nummernrevue.

Promis kommen meistens inkognito

Wie groß ist bei Ihnen im Theater die Promidichte?
Die kommen meist inkognito und wollen in der Intimität meines Magic Table Theaters keinen Rummel, wie zum Beispiel Konstantin Wecker. Fritz Egner habe ich auch nicht sofort erkannt oder die Monika Gruber oder den Fußballer Joshua Kimmich. Zu dem sagte ich nach der Show: "Freut mich so, ich habe Sie erst gar nicht erkannt." Sagt er: "Vielen Dank, Herr Krist, ich bin schon das vierte Mal da..." Am Witzigsten war es, als ich in der Show einen Gast für einen Trick fragte: "Was machen Sie beruflich?" Der: "Ich laufe viel..." Ich: "Ah ein Postler" Und er: "Nein, ich bin Paul Breitner".

"Allem Anfang wohnt ein Zauber inne"... Gilt das etwas verschlissene Hermann-Hesse-Zitat auch für den Wiederanfang Ihres Table Theaters?
Ich bin ein Mensch, der Menschen um sich und vor sich braucht, um glücklich zu sein.

Krist: "Privatvorführungen waren eine Herzenssache"

Ein paar kleine Lockdown-Einsprengsel haben Sie mit der Show "Live is live" ja gemacht: vor jeweils neun Leuten in geschlossenen Gesellschaften.
Diese Privatvorführungen waren eine Sache des Herzens: Ich wollte weiterzaubern, weiter glücklich machen und selber sein. Aber ökonomisch natürlich keine Rettung.

Jetzt aber kann es wieder Full House geben, nicht nur bei den Kartenspielereien.
Ich habe so viele treue Freunde, Fans und Besucher, die - um mich zu unterstützen - Gutscheine in der Durststrecke des Lockdowns erworben haben. Die muss ich jetzt erst einmal abarbeiten! Also wieder keine Einnahmen.

Mieterhöhung im Lockdown

Wird Ihre Bank nervös?
Ich bin seit über zwanzig Jahren ein seriöser Partner, aber natürlich ist es schwierig, auch weil ich im Lockdown noch eine Mieterhöhung reingedrückt bekommen habe - von der Stadt München. Aber ich habe für mich beschlossen: Die Jammerphase ist vorbei! Läuft zur Zeit alles ohnehin übers Schuldenkonto.

Sie strahlen ohnehin nicht gerade Resignation aus.
Ich bin Optimist und Macher! Und ich freue mich über Menschen, die jetzt wieder raus- und zu mir reinkommen. Denen gebe ich mit meiner Show auch einen Energieschub. Mir sagen Zuschauer oft: "Ich habe ihre Show noch tagelang als Glücksgefühl gespürt!"

Neueröffnung: Zauberpalast Kristelli am Olympiapark

Jetzt haben Sie auch noch einen noch größeren Ort eröffnet: Den Zauberpalast Kristelli am Olympiapark. Aber eines kann man auch als Zauberer nicht: Bilokalität - also an zwei Orten gleichzeitig sein.
Doch! Sonntags zum Beispiel spiele ich im Table Magic Theater und im Kristelli.

Aber eben nicht gleichzeitig. Klingt jedenfalls alles nach Stress.
Das muss jetzt sein. Und ich lasse mich unterstützen von Denis Behr, dem "King of Cards" - was eine Untertreibung ist: Er ist der "God of Cards". Weltbekannt, nur in München nicht. Das war meine Idee, ich habe seine Handynummer rausbekommen und angerufen. Und was sagte er: "Ich wohn' am Gärtnerplatz"! Denis Behr war mein Lehrer, hat alle großen Zauberer unterrichtet und hatte hier nie eine eigene Show - nur in Las Vegas, Frankreich, Korea... Die Premiere ist jetzt hier am 30. Oktober.

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Krist: "Kristelli ist ein Glitzerort geworden"

Und wie verhält sich das Kristelli wirklich zu Ihrem Table Magic Theater?
Das Table Theater hat ja über zehn Jahre Vorsprung. Und da haben die Leute gedacht: In der kleinen Runde ist das wirklich geil. Was soll da auf der großen Bühne noch kommen? Aber ich habe alle überzeugt, weil, die Show im Kristelli Palast eben groß ist, anders, aber auch noch intim. Letzte Woche hat der Kulturreferent Anton Biebl, gesagt: "Wunderbar, was Sie da aus dem Zelt gemacht haben!" Und hat sich an die neue ZauBar gesetzt. Das ehemalige Theaterzelt "Das Schloss" war halt doch etwas runtergewirtschaftet. Jetzt ist es ein Glitzerort geworden. Ich habe es Kristelli genannt, aber die Presse hat "Kristelli Palast" daraus gemacht. Das ist zauberhaft!

Und was ist ein Muss in der "Alexander Krist Show" im Table Magic Theater?
Der "Zitronentrick" wird immer angemahnt. Den mache ich - noch komplizierter - mit einem Ei, wo am Ende ein Geldschein aus dem Publikum verpufft und der dann in einem rohen Ei wieder auftaucht. 


"Alexander Krist Show": immer mittwochs und ab November zusätzlich sonntags, 19.30 Uhr, Table Magic Theater, Unterer Anger 3 (zwischen Jakobsplatz und Blumenstraße), Innenhof, www.magic-theater.de, Karten von 69 bis 139 Euro

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