Strenge Stille: "Der Apfelwald" ist reines Bildertheater

Die Schauburg zeigt mit "Der Apfelwald" von Daniel Golein reines Bildertheater.
| Mathias Hejny
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Hardy Punzel, Helene Schmitt und David Benito Garcia im Apfelwald.
Judith Buss Hardy Punzel, Helene Schmitt und David Benito Garcia im Apfelwald.

München - So aufgeräumt und abstandhaltig kann sogar Kindertheater in Corona-Zeiten sein. Die Aerosole haben keine Chance, denn die Uraufführung, mit der die Schauburg die neue Spielzeit eröffnete, ist ohne Worte.

Schauburg am Elisabethplatz zeigt  "Der Apfelwald"

"Der Apfelwald" ist reines Bildertheater, das Daniel Gol vom Teatrodistinto in Mailand entwickelte, ausstattete und inszenierte. Die ursprüngliche Idee war, wie Dramaturgin Anne Richter in einem Programmheftbeitrag berichtet, sich mit "offener Gesellschaft, Teilhabe aller und die Beglückung, das Eigene im Fremden zu entdecken" zu beschäftigen.

Dabei war allerdings körperliche Nähe eingeplant, "abfärbende Begegnungen der Figuren entworfen". Nach acht Monaten Pandemie sieht die Arbeit ein wenig anders aus. Es geht mehr um die Wahrung von Distanz untereinander und doch den Aufbau von Vertrauen zum Anderen.

Im stark abstrahierten Wald, der aus viel leerem Raum, einer Glühbirne und drei unregelmäßig geformten Türen besteht, hausen jeweils einsam eine Frau in Rot (Helene Schmitt), ein Mann in Grün (Hardy Punzel) und ein Mann in Gelb (David Benito Garcia).

Alles an ihnen ist Ton in Ton, selbst ihre Höhle, die sie nur verlassen, wenn ihr ganz individuelles Signal ertönt. Dann bewegen sie sich in einem seltsamen Gang mit ulkigen Bewegungsabläufen an einen Platz in der Mitte der Bühne, wo ein Apfel in ihrer Farbe aus dem Schnürboden schwebt und gepflückt werden kann. Das wiederholt sich, bis das Tempo so groß wird, dass die Ordnung durcheinandergerät. Plötzlich begegnen sich die drei und der Schrecken ist groß.

Ganz allmählich kommt zusammen, was bisher zusammen völlig unverstellbar war. Die rote Frau trägt plötzlich ein gelbes Tüchlein, eine der Hosenbeine des gelben Mannes ist grün und der grüne Mann hat einen roten Gehstock. Gleichzeitig lösen sich die gezirkelten Choreografien auf und das von Regeln und Gewohnheiten so eng umstellte Dasein wird buchstäblich bunter.

Möglicherweise nimmt die strenge Inszenierung in all seiner Stille nicht alle Kids ab vier mit in den Apfelwald, aber es ist sehr, sehr schön anzuschauen.


Schauburg am Elisabethplatz, wieder am 28. November, 16 Uhr, 29. November, 11 Uhr, 30. November, 10 Uhr, Telefon 089 23337155

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren