"Rigoletto" als Spiel auf dem See

Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“ in einer Inszenierung von Christoph Stölzl auf der Seebühne
| Wolf-Dieter Peter
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
"Rigoletto" auf dem Bodensee.
Bregenzer Festspiele 6 "Rigoletto" auf dem Bodensee.
"Rigoletto" auf dem Bodensee.
Bregenzer Festspiele 6 "Rigoletto" auf dem Bodensee.
"Rigoletto" auf dem Bodensee.
Bregenzer Festspiele 6 "Rigoletto" auf dem Bodensee.
"Rigoletto" auf dem Bodensee.
Bregenzer Festspiele 6 "Rigoletto" auf dem Bodensee.
"Rigoletto" auf dem Bodensee.
Bregenzer Festspiele 6 "Rigoletto" auf dem Bodensee.
"Rigoletto" auf dem Bodensee.
Bregenzer Festspiele 6 "Rigoletto" auf dem Bodensee.

Alles beginnt mit dem grell schwarz-weißen Höfling Marullo oben auf dem riesigen Narrenkopf, der in der Manier des Conférenciers aus dem Film „Cabaret“ ein Handy-Verbot ausspricht und mit Gags in den Abend einführt. Zu den düsteren Takten des Orchestervorspiels zu Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“ schwebt ein Double der Hauptfigur taumelnd über den Bodensee, verliert seinen kleinen Luftballon und stürzt ins Wasser.

Soll alles Folgende nun Rigolettos surrealer Todestraum sein? Das machen der Regisseur und Bühnenbildner Christoph Stölzl, seine Co-Ausstatterin Heike Vollmer und Georg Veits Lichtregie die folgenden pausenlosen zwei Stunden auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele nicht überzeugend klar.

Gewusel und Gezappel

Die höchst erfolgreiche Bregenzer Dramaturgie bietet seit Jahrzehnten im Festspielhaus eine besondere Opern-Orchidee und auf der hochtechnisierten Seebühne allabendlich für 7000 Besucher ein populäres Werk in beeindruckendem Großformat, durchaus auch mal mit spektakulären Zügen. Da muss ein Regie-Team her, das Opern-Cinemascope kann. In der Papierform wäre Philipp Stölzl so ein Mann an der Spitze. Leider hat ihn niemand gebremst, und so wurde es szenisch ein Abend des Vielerlei, Allerlei und des aufwändig Leeren.

Auf den drei lose miteinander verbundenen Spielflächen stellt links eine große bewegliche Holzhand erst Gildas – umständlich bekrabbeltes – Zuhause dar, später auch ein ödes Liebes-Dorado des Herzogs von Mantua – mit vier an den Fingern zappelnden Sex-Puppen.

In der Bühnenmitte fährt der Narrenkopf auf und ab, klappt mit seinen Kulleraugen und reißt den Mund auf – ohne dass eine zwingende Dramaturgie ersichtlich würde. Auf der ringförmigen Spielfläche um ihn herum tobt eine von Kathi Maurer grell kostümierte Nebenrollen- und Akrobaten-Truppe, deren Gerenne, Gewusel und Gezappel mal Wimmel-Bilder, mal Stills ergibt.

Planet der Affen

Der Herzog ist von vier akrobatischen Hof-Affen umgeben, die sich anscheinend aus Doris Dörries längst verschwundenem Münchner „Planet-der-Affen“-„Rigoletto“ aus dem Nationaltheater an den Bodensee geflüchtet haben. Auf der rechten Spielfläche wartet ein aus Rigolettos Eröffnung groß mutierter Fesselballon, in dem ein Gilda-Double in ihrem Liebesentzücken hoch in den Nachthimmel entschwebt, von den vier Affen aber heruntergeholt und ins Maul des Narrenkopfes „entführt“ wird.

Der den Herzog und Rigoletto stücktragend verfluchende Monterone wird zwar als verpackte Leiche ins Wasser geworfen, singt aber später wieder aus dem Narrenmaul heraus. Und so ließen sich viele weitere „Anything goes“-Regiedetails aufzählen, die Verdis Oper zwar bebildern, aber nicht interpretieren.

Ungetrübte Freude

Gegen 22.50 Uhr rollte erst leises, sich dann fulminant steigerndes Donnergrollen heran, und dann zeigte das neue Soundsystem BOA 2.0 samt Lichtregie im Gewitter des letzten Akts der Oper, was ein Mord(s)-Unwetter sein kann.
Davor hatte die Klangregie noch nicht das frühere Bregenz-Niveau erreicht. Auch die Bühnentechnik arbeitete mehrmals hörbar. Zwischen Dirigent Enrique Mazzola, den Wiener Symphonikern und dem klanglich großen, auf der Bühne eher kleinen Chor gab es einige Premieren-Wackler.

Ungetrübte Freude boten einzig die Solisten. Der bulgarische Bariton Vladimir Stoyanov sang einen guten Open-Air-Rigoletto, Melissa Petit reihte trotz langer Spielwege als Gilda blitzblanke Koloratur-Perlenketten und entschwebte als sterbendes Liebesopfer erneut im Ballon in den Nachthimmel. Ein tenoral beeindruckend viriles Mannsbild stellte Stephen Costellos Herzog von Mantua dar. Er wurde zurecht gefeiert.

Alles übrige sollte sich von bunter Kaffeefahrt-Unterhaltung auf das bislang zu bewundernde Bregenzer Seebühnen-Niveau steigern.     


Noch bis zum 18. August auf der Bregenzer Seebühne, alle Vorstellungen derzeit ausverkauft, Informationen unter www.bregenzerfestspiele.com

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren