Revue der Alten Damen: Für immer 27, na ja fast!

Die Alten Mädchen haben schon eine Revue zum Thema Wechseljahre auf die Bühne gebracht, nun kommen sie mit neuem Programm ins Deutsche Theater.
| Dena Brunner
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Jutta Habicht, Ines Martinez, Sabine Urig und Anna Bolk spielen mit Frauen-Klischees. Da gehören Handtaschen ja nun mal dazu.
Harald Hoffmann Jutta Habicht, Ines Martinez, Sabine Urig und Anna Bolk spielen mit Frauen-Klischees. Da gehören Handtaschen ja nun mal dazu.

München - Für die meisten Frauen ist die Altersfrage irgendwann tabu, die Alten Mädchen jedoch kokettieren damit und machen Bindegewebe und Menopause auf humorvolle Weise salonfähig. Das Quartett kommt mit seinem Popkabarett-Programm ins Deutsche Theater. Die AZ hat mit Schauspielerin und Autorin Anna Bolk gesprochen.

AZ: Frau Bolk, was ist mit Ü-50 besser als je zuvor?
ANNA BOLK: Bezüglich der Alten Mädchen ist es großartig, dass wir eine GbR gegründet haben und selbstständig sind. Ich höre von vielen Frauen, dass sie einen Neustart wagen, sobald sie das Thema Kinder durchhaben. Und das kann jenseits der 40, aber auch jenseits der 50 sein. Das ist ein tolles Gefühl. Insgesamt hat sich aber nicht viel geändert, obwohl ich so eine Angst vor der Zahl 50 hatte. Letztendlich ist man aber nicht viel anders als mit 20, und das ist eine überraschende Erfahrung. Man denkt sich: Ich war doch eben noch in der Pubertät und jetzt soll ich auf’s Rentenalter zurasen? Denn gefühlt bin ich immer noch 27.

Sie fühlen sich wie 27?
Naja, mal so, mal so. Aber 52 ist so dermaßen außerhalb jeglicher Zeitrechnung, eine hohe Zahl. Und ich könnte nicht einmal behaupten, dass die 50 ein bestimmtes Lebensgefühl mit sich brächte. In unserer Generation gibt es diesen klassischen Lebensentwurf nicht mehr: Mit 20 lerne ich meinen Verlobten kennen, dann heiraten wir mit 23, dann kommen zwei Kinder und danach das Eigenheim und der Zweitwagen. Und wenn die Kinder aus dem Haus sind, fange ich mit Tennisspielen an. Das ist jetzt völlig anders und teilweise sind die Lebensentwürfe umgedreht: Wenn man mit 40 erst Kinder bekommt und sich dann auch noch trennt, um sich danach auch noch selbstständig zu machen.

Seit 2010 treten Sie gemeinsam mit den Alten Mädchen auf.
Ja, wir haben uns damals kennengelernt bei "Heiße Zeiten – Die Wechseljahre-Revue". Das war ein sehr erfolgreiches Stück und wird tatsächlich immer noch im St. Pauli Theater, Hamburg gespielt. Dort wurden Jutta Habicht, Sabine Urig, Ines Martinez und ich engagiert. Wir haben das Ding gewuppt, sind auf Tournee gegangen, haben viel zusammen erlebt. Und schließlich entstanden Alte Mädchen.

Hätte Ihr ganzes Kabarett-Konzept mit 30 auch funktionieren können?
Auf gar keinen Fall. Ich bin mit 30 total darauf abgefahren, dass mir jemand ein Stück und eine Rolle gibt und sagt: Spiel das. Ich hatte eine ganz romantische Vorstellung vom Schauspieler-Beruf und wollte gefeiert werden. Ich hätte meine Ideen aber nicht verschriftlichen können. Mit dem Schreiben habe ich dann erst angefangen, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war. Die ersten Jahre nach der Geburt geht man dann energiemäßig durch ein Tal und als die Kinder dann aus dem Gröbsten raus waren mit drei, vier Jahren, hatte ich auf einmal eine wahnsinnige Kraft. Und das ging meinen Kolleginnen auch so. Jutta und Ines sind ebenfalls spät Mütter geworden. Inhaltlich betrachtet, bezogen auf unser Programm, könnte es aber mit 30 auch funktionieren.

Aber könnte man dann auch über die Menopause sprechen?
Es geht ja nicht um unsere Menopausen. Wir verhandeln da zum Beispiel eine real existierende Studie, in der Wissenschaftler der Frage auf den Grund gegangen sind, warum es Wechseljahre nur bei Menschen gibt.

Und wissen Sie, zu welchem Ergebnis sie gekommen sind?
Die Evolution hat die Fruchtbarkeit bei älteren Frauen abgeschafft, weil sich Männer schon immer jüngere Partnerinnen gesucht haben! Das bedeutet dann ja wohl im Umkehrschluss: Wenn wir uns jetzt immer jüngere Partner suchen, kriegen Männer irgendwann Wechseljahre!

Gehören Sie zu den Frauen, die immer einen flotten Spruch parat haben, um die Altersfrage nicht beantworten zu müssen oder juckt Sie das nicht?
Es ist ein Kampf mit den Eitelkeiten. Ich fand es noch vor gar nicht so langer Zeit extrem toll, wenn Leute mich viel jünger geschätzt haben. Aber jetzt ist es leider so, dass es diesen Abend Alte Mädchen gibt, wo man das Thema uneitel behandelt. Das heißt, wenn mich jetzt jemand fragt, muss ich auch zu meinem Alter stehen. Da habe ich mir leider selber ein Bein gestellt.

Das Genre Popkabarett

Erklären Sie uns doch das Genre Popkabarett, unter dem Sie auftreten.
Es wird ziemlich viel gesungen und ein großer Teil des Inhalts erzählt sich über die Lieder. Wir sind ganz gut mit Musikern vernetzt und gehen musikalisch durch sehr viele Genres: von Schlager zu Italo-Disko, Chanson oder Swing. Wir hatten verschiedene Komponisten und dadurch ist es sehr abwechslungsreich geworden.

Warum gibt es in Deutschland so wenige weibliche Comedians?
Vielleicht weil in den Köpfen noch verankert ist, dass Frauen nicht lustig sein können oder dafür erst einmal bestimmte Sachen ablegen müssen. Die Niedlichkeit zum Beispiel. Oder die blöde Klamottenfrage. Ein Mann zieht eine Anzughose und ein Hemd über seinen dicken Bauch an und geht damit auf die Bühne. Und bei Frauen ist es leider noch nicht so einfach.

Kommen unsere Vorzüge gut zum Vorschein und werden unsere Makel verdeckt?
Da fängt es schon an. Auch, dass es immer noch "Frauen-Kabarett" heißt. Nie würde jemand "Männer-Kabarett" sagen.

Bei Ihren Shows schauen auch viele Männer zu. Haben Sie das Gefühl, auch teilweise ihnen aus der Seele zu sprechen?
Total! Wir haben meistens einen 40-prozentigen Männeranteil im Publikum und die sind alles andere als verschreckt. Erst kürzlich kam ein Mann nach der Vorstellung auf mich zu und sagte, er hat sich erkannt gefühlt.

Wollten Sie schon mal lieber ein Mann sein?
Nein. Aber was ich an Männern toll finde, ist das Prinzip "Denken wie ein Mann, sprechen wie ein Mann": Männer unterhalten sich in Drei-Wort-Sätzen. Klare Ansagen finde ich super.

Sie nehmen das Alter mit Humor. Was werden Sie eines Tages tun, wenn Ihnen junge Leute ihren Platz im Bus anbieten?
Ich geh mal davon aus, dass das dann ein junger Mann wäre. Ich würde den Platz dankend annehmen. Und dem jungen Mann anbieten, auf meinem Schoß Platz zu nehmen. Da würden sich ganz neue Flirtmöglichkeiten auftun.


Die Alten Mädchen kommen am 16. Juni um 20 Uhr ins Deutsche Theater. Tickets ab 29 Euro

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