Residenztheater: Katja Bürkle über Elektra

Katja Bürkle über Ulrich Rasches Inszenierung von Hofmannsthals "Elektra" im Residenztheater
| Mathias Hejny
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Ulrich Rasches Version von "Elektra" im Residenztheater.
Thomas Aurin 4 Ulrich Rasches Version von "Elektra" im Residenztheater.
Ulrich Rasches Version von "Elektra" im Residenztheater.
Thomas Aurin 4 Ulrich Rasches Version von "Elektra" im Residenztheater.
Ulrich Rasches Version von "Elektra" im Residenztheater.
Thomas Aurin 4 Ulrich Rasches Version von "Elektra" im Residenztheater.
Ulrich Rasches Version von "Elektra" im Residenztheater.
Thomas Aurin 4 Ulrich Rasches Version von "Elektra" im Residenztheater.

München - Der Stoff ist nicht nur im übertragenen Sinne ganz große Oper. Richard Strauss sah Hugo von Hofmannsthals "Elektra" nach Sophokles im Theater und vertonte den Text. Seine Oper ist inzwischen bekannter als das Schauspiel. Aber die Mechanik der Rache, die die Tochter des mykenischen Königs Agamemnon und ihr Bruder Orest an den Mördern des Vaters in Gang setzen, scheint in ihrer Unerbittlichkeit eine visuelle Steilvorlage für das gewaltige Maschinentheater von Ulrich Rasche zu sein.

Seine Elektra ist Katja Bürkle, ein vormaliges und langjähriges Ensemblemitglied der Kammerspiele. 2016 spielte sie in Rasches "Die Räuber" im Residenztheater bereits den Franz Moor und bei den Salzburger Festspielen im vorigen Jahr in "Die Perser" des Aischylos.

AZ: Frau Bürkle, es ist Ihre dritte Arbeit mit Ulrich Rasche. Sind Sie ein starkes Team?
Katja Bürkle: Anscheinend. Wir verstehen uns bis jetzt sehr gut bei der Arbeit.

Ulrich Rasche ist berühmt für seine extrem aufwändige Bühnentechnik und steht von mancher Seite sogar im Verdacht, eine faschistoide Überwältigungsästhetik zu pflegen. Wie fühlt sich die Schauspielerin in einer solchen Maschinerie?
Ich schätze die Entschiedenheit, mit der Ulrich Rasche die Sachen anfasst. Er hat eine sehr dezidierte Ästhetik, an der er seit Jahren arbeitet. Das ist ein Verfahren, wie man es von Bildenden Künstlern kennt, die sich ein bestimmtes Material vornehmen und zum Beispiel drei Jahre lang versuchen, etwas mit Marmor zu machen. Am Theater findet man solche Arbeitsweisen manchmal auch, zum Beispiel bei Regisseuren wie Susanne Kennedy oder dem verstorbenen Bühnenbildner Bert Neumann. Natürlich greift Rasche immer wieder zu den gleichen Mitteln, aber innerhalb seiner Arbeiten gibt es natürlich riesige Unterschiede.

Schon die Texte sind sehr unterschiedlich.
Wenn man oberflächlich darauf sieht, denkt man: Wieder Drehscheiben und ein Chor. Aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. "Die Perser", zum Beispiel, war ein völlig anderer Abend als "Elektra" und hatte eine ganz andere Temperatur. Valery Tscheplanowa, Patrycia Ziolowska und ich waren den ganzen Abend von drei Stunden 40 Minuten auf der Bühne und hatten nicht einen einzigen Blickkontakt. Trotzdem waren wir im Denken und in den Körpern sehr eng miteinander verbunden. Das war ein wirkliches Geschenk.

Elektras Normalzustand ist der Ausnahmezustand. Wie gehen Sie abendfüllend mit Hass, Verrücktheit und Wahnsinn um?
Mit Begriffen wie "Verrücktheit" bin ich immer vorsichtig. Die Situation, in der Elektra steckt, ist ausweglos. In diesem Haus geht nichts mehr voran. Sie ist eher der Punk, mit großer Sturheit und Konsequenz hält sie die Wunde des Vatermords offen. Ihr Motor ist der Hass, und der Hass ist es, der ihr eine Identität verschafft. Natürlich gibt es die Option der jüngeren Schwester Chrysotemis: Schwamm drüber, es ist halt passiert, aber ich will jetzt leben, ich will Kinder. Das ist ja ein relevantes Konzept, das sicherlich zukunftsweisender ist als das, was Elektra vorschlägt. Ihre Haltung ist ein totales Nein zum Leben.

In der Opernfassung ist Elektra ein Sopran. Das ist nicht Ihre Stimmlage.
Singen ist nicht so mein Fach.

Aber Musik spielt auch hier eine gewisse Rolle.
Die Musik von Monika Roscher ist ein ganz wesentliches Element. Sie hat schon bei den "Räubern" und bei "Das große Heft" in Dresden mit Rasche zusammengearbeitet. Die Musik kann die unterschiedlichsten Funktionen haben. Manchmal übernimmt die Musik etwas, das ich als Spielerin nicht auch noch machen muss. Oder wir steigern uns miteinander in bestimmte Zustände hinein. Sie ist ein unheimlich wichtiger Partner im Arbeitsprozess. Sie gibt eine Stimmung und einen Rhythmus vor, mit dem und gegen den man arbeiten kann. Ich kenne die Fachbegriffe nicht, doch manche sagen, es sei Minimal Music. Ich finde es aber recht opulent. Es ist musikalisch mehr los als bei den "Räubern".

Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Keine Ahnung, außer dass München definitiv mein Lebensmittelpunkt bleiben wird. Jetzt nach der "Elektra" spiele ich eine Kinderpsychologin im "Polizeiruf 110". Mehr ist noch nicht spruchreif.

Premiere heute, 19.30 Uhr, Restkarten. Auch am 16., 23. und 24. Februar und im März. Karten unter www.residenztheater.de

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