Regisseur Andreas Gergen über das Musical "Big Fish"

Prinzregententheater: Andreas Gergen inszeniert mit Studenten das Musical „Big Fish“
| Lisa Marie Albrecht
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Lioba Schöneck 3
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Hexen, Riesen, Nixen und vieles mehr: Wenn Edward aus seinem Leben erzählt, geht es märchenhaft und bunt zu. Doch was ist Realität, was Imagination? Der Studiengang Musical der Bayerischen Theaterakademie bringt den Broadway-Erfolg von John August und Andrew Lippa als deutsche Erstaufführung heraus. Premiere ist am morgigen Donnerstag um 19.30 Uhr.

AZ: Herr Gergen, „Big Fish“ ist ein Musical über einen fantastischen Geschichtenerzähler und seinen skeptischen Sohn. Die meisten Besucher werden die Story schon aus dem gleichnamigen Film kennen. Erhöht das den Erwartungsdruck?

ANDREAS GERGEN: Ich versuche das eher von einer positiven Seite zu sehen. Ich finde die Erwartungshaltung super, damit der Zuschauer eine gewisse Basis hat. Trotzdem kann man ihn an die Hand nehmen und zu anderen Orten hinführen und überraschen: indem man andere Bilder zeigt, andere Eindrücke, andere Atmosphären und andere Wendungen.

Also keine Filmkopie.

Die Hauptcharaktere gibt es natürlich: Edward Bloom, der im Alter seine schillernde Lebensgeschichte in fantastischen Erzählungen schildert. Und seinen Sohn William, der diesen Geschichten sehr kritisch gegenübersteht und die Wahrheit wissen möchte. Aber es gibt kleine Abwandlungen. Zum Beispiel gibt es das siamesische Zwillingspaar aus dem Zirkus nicht, danach haben viele schon im Vorfeld gefragt. Dafür natürlich Karl den Riesen, den Zirkusdirektor oder die Meerjungfrau.

Gab es solche Figuren auch in Ihren eigenen Gute-Nacht-Geschichten?

Wir haben zuhause im Saarland einen Bäckereibetrieb – meine Eltern waren also beide grundsätzlich übermüdet. Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir immer die Geschichte vom „Armen Ritter“ erzählt hat. Allerdings ist sie über der Geschichte immer früher eingeschlafen als ich. Das Ende musste ich mir selbst ausmalen. Ich habe selten eine Gute-Nacht-Geschichte bis zu Ende gehört.

Das könnte dem Geschichtenerzähler Edward Bloom nicht passieren.

Edward will seinem Sohn mit den Erzählungen die Botschaft näher bringen, das Leben in die Hand zu nehmen, das Beste daraus zu machen. Das missversteht Will lange Zeit, als Kind wie auch als 30-Jähriger.

Wann ändert sich das?

Erst als er auf Spurensuche seines Vaters geht und dabei auch ein kleines Geheimnis entdeckt: Der Vater hat mit einer anderen Frau ein gemeinsames Haus gebaut. Sein Sohn vermutet ein Doppelleben, also beginnt er die Vaterfigur zu hinterfragen und zu recherchieren. Und kommt schließlich an den Punkt, an dem er erkennt, dass sein Vater trotz vieler Lügengeschichten ein Held ist.

Bei „Big Fish“ arbeiten Sie mit Studenten der Theaterakademie. Ist das anders?

Die Profis haben ihre Werkzeuge. Manchmal sind es auch Maschen, die man zunächst wieder beseitigen muss. Das ist bei den Studenten noch ganz frisch. Hier wird die Basis für ihre Theaterkarriere gelegt. Für die ist das ganz wichtig und existenziell. Die wollen tatsächlich noch.

Und die fertigen Profis nicht?

In einem Repertoirebetrieb ist es den Darstellern manchmal auch lästig, jetzt auch noch eine weitere Produktion zu spielen oder auch eine kleine Rolle. Aber hier sind alle zu 100 Prozent bei der Sache.

Sie sprechen fast pädagogisch mit den Studenten. Fällt das unter Welpenschutz?

Nein, das ist meine Strategie: Vom Ensembledarsteller bis zur Hauptrolle, bis zur Requisiteurin jeden ernst zu nehmen. Wenn man den Leuten nur eins auf den Deckel gibt und Angst einjagt, kriegt man keine kreative Energie. Die gibt es nur, wenn man einen angstfreien Raum schafft.

Werden Sie denn nie wütend?

Ich weiß, dass es Regisseure gibt, die gerne mal rumschreien. Aber für mich ist das eher ein Zeichen von Verzweiflung und Kontrollverlust. Ich versuche, die Kontrolle sowohl über mich als auch über den ganzen Apparat zu behalten.

Und wenn etwas schiefgeht?

Wenn bei einer Probe mal ein Bühnenelement oder ein Vorhang falsch fährt, ist das nicht schlimm. Aber wenn es bei der dritten oder vierten Probe immer noch passiert, ärgere ich mich. Dann werde ich auch mal direkter.

„Big Fish“ von John August und Andrew Lippa ist ein Familienmusical. Macht es einen Unterschied, dass viele Kinder im Publikum sitzen?

Man sollte Kinder nicht unterschätzen. Sie verstehen sehr viel – auch bezüglich des Krankheitsverlaufs von Edward. Ich habe ehrlich gesagt keinen Unterschied gemacht zwischen Kindern oder älteren Zuschauern. Wenn ich eine Botschaft in einem Stück sehe, will ich sie rüberbringen.

Und wie lautet die?

Unser Opening-Song lautet „Sei der Held deiner Geschichte“ – und das ist auch die Philosophie des Stücks.
      
Premiere am 10. November, 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen im Prinzregentheater am 13., 15., 24., 25. und 26. November. Karten zu 10 bis 38 Euro an der Kasse der Staatstheater sowie unter Telefon 2185 1970

 

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