Placido Domingo in "La traviata"

Opernfestspiele: Ailyn Pérez, Atalla Ayan und Plácido Domingo in Giuseppe Verdis „La Traviata“ im Nationaltheater
| Michael Bastian Weiß
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Placido Domingo in "La traviata"
Wilfried Hösl 4 Placido Domingo in "La traviata"

Opernfestspiele: Ailyn Pérez, Atalla Ayan und Plácido Domingo in Giuseppe Verdis "La traviata" im Nationaltheater

München - Im letzten Jahr hatte sich Plácido Domingo einen Lebenstraum erfüllt und erstmals in Bayreuth dirigiert. Sein Debüt dort mit der "Walküre" war wenig erfolgreich. Nun kehrt er zum Gesang zurück und verkörpert an der Bayerischen Staatsoper den Giorgio Germont in "La traviata" von Giuseppe Verdi. Nicht zum ersten Mal übernimmt der 78-jährige spanische Tenor damit eine Baritonrolle. So sehr er von seinen vielen treuen Anhängern im Publikum dafür auch gefeiert wird: Er ist eine krasse Fehlbesetzung.

Zwar ist es rein anatomisch bemerkenswert, wie intakt sein Organ noch ist, zumal das 50jährige Bühnenjubiläum auch schon wieder zwei Jahre her ist. Doch Domingo kann die Tiefe der Partie bestenfalls andeuten und klingt ansonsten in jeder Sekunde wie ein Tenor. Noch schlimmer ist, dass er das wahrscheinlich merkt und durch Hyperaktivität zu verdecken sucht. Rastlos tigert er im zweiten Akt mit seinem Spazierstock auf der Bühne herum, wobei er ungeduldig seine Einsätze abwartet und seinen Partnern dabei kaum zuhört. Gepaart mit seinem Legendenstatus, lenkt das ungehörig vom Gesang seiner Kollegen ab, sodass das gesamte Ensemble in Schieflage gerät.

Den Zenit überschritten

Das ist schade, weil die eigentliche männliche Hauptfigur, der Brasilianer Atalla Ayan als Alfredo, mit seinem ausladenden Tenor durchaus Effekt macht. Seine Tiefe ist angenehm baritonal gefärbt, die Stimme hat eine geschlossene Oberfläche, die nur im Piano ein wenig flattrig wird. Auch neigt er dazu, die Töne allzu gleichförmig aufzureihen. Ungleich freier agiert Ailyn Pérez als Violetta. Der Sopran der Amerikanerin ist geschmeidig geführt, schön und fraulich timbriert und mit einer reichen Palette an Zwischentönen ausgestattet, braucht aber eine gewisse Zeit, um sich einzuschwingen.

Auf solche sängerischen Bedürfnisse nimmt Marco Armiliato im Graben sehr verständnisvoll Rücksicht. Diese Sensibilität ist die Stärke seines Dirigats, die allerdings die Schwächen nicht vollständig ausgleicht: Das Bayerische Staatsorchester bildet keinen besonders idiomatischen Verdi-Klang aus, es fehlt etwa an Akzenten, auch will sich kein dramatischer Sog einstellen, weil der bedächtige Genueser nicht einmal Finalsteigerungen packend nach vorne drängt. So wird diese Vorstellung im Ganzen vom Sänger einer Nebenrolle dominiert, der – soviel muss man bei allem Respekt sagen – seinen Zenit überschritten hat.


Weitere Vorstellung am 1. Juli (19 Uhr), Restkarten unter: (089) 21 85 19 20 und unter www.staatstheater-tickets.bayern.de. Weitere Vorstellungen, aber in veränderter Besetzung, ab 22. September (Kartenbestellungen ab 20. Juli).  

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