Plácido Domingo dirigiert Verdis Oper im Olympiastadion

"Wir schaffen ein neues Publikum": Selbst mit 75 Jahren denkt er noch lange nicht an den Ruhestand: Placido Domingo dirigiert im August Verdis „Aida“ im Olympiastadion
| Sandra Walder
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dpa/EPA

MÜNCHEN - Der Triumphmarsch auf ganz großer Bühne: Plácido Domingo will Giuseppe Verdis „Aida“ in einer XXL-Inszenierung herausbringen. Die „große, die ganz große Oper“ sei schon immer sein Lebensziel gewesen, sagte der Spanier am Freitag in Wien. Selbst singen wird der 75-Jährige dabei nicht: Er wird den Großteil der Vorstellungen dirigieren. Am 5. August 2017 gastiert die Produktion im Münchner Olympiastadion.

AZ: Sie gelten als lebende Legende. Gefällt Ihnen diese Bezeichnung?
PLACIDO DOMINGO: Es gibt mir das Gefühl, dass ich schon lange im Geschäft bin. Was natürlich wundervoll ist. Die Musik ist nicht nur mein Leben, sondern auch das Leben meiner ganzen Familie. Meine Frau und ich haben beide als Sänger angefangen, wir reisen gemeinsam um die ganze Welt, und auch unsere Kinder sind involviert. Wir lieben alle Musik und haben viel Glück. Ich bin trotzdem eine ganz normale Person, die das wundervolle Privileg hat, andere Menschen glücklich zu machen. Wenn du andere Menschen glücklich machst, bist du auch selbst glücklich. Diese Verbindung zu den Menschen ist großartig.

Hätten Sie am Beginn Ihrer Karriere gedacht, dass Sie mit 75 Jahren noch singen?
Zu Beginn hat man ja noch gar keine Ahnung. Die Tage, die Monate, die Jahre, die Jahrzehnte sind so schnell vergangen - ohne das ganz zu realisieren. Aber man rechnet nie mit einer so langen Karriere.

Sie scheinen auch noch immer neue Herausforderungen zu suchen.
Sie müssen eines verstehen. Das normale Leben für die meisten anderen Menschen, gibt es für mich nicht. Nur an einem Ort zu wohnen und sich auf den Ruhestand freuen. Nein, das geht nicht für mich. Unsere ganze Familie ist fast ständig zusammen, egal ob wir auf Urlaub sind oder arbeiten. Ich habe keine Eile, in Rente zu gehen. Ich denke, wenn du mehr als ein halbes Jahrhundert auf Reisen bist, realisierst du, dass dich diese Bewegung jung und fit hält.

Sie sind seit einigen Jahren vom Tenor zum Bariton gewechselt. Gefällt es Ihnen, nun mehr Bösewichte zu spielen?
Ich hatte eine wundervolle Karriere als Tenor. Als es Zeit war, als Tenor aufzuhören, öffneten sich plötzlich Bariton-Rollen. Zuerst war Verdis Simon Boccanegra, dann kam Rigoletto, Nabucco oder Macbeth. Die meisten Rollen waren gar keine Bösewichte, sondern Väter. Das fühlt sich gut an und ich denke wirklich, dass Verdi die besten Rollen für Väter mit Söhnen oder Töchtern geschrieben hat.

Sie treten stets gut gelaunt auf. Es gab nie Skandale von Ihnen. Wie schafft man das all die Jahre?
Ich denke, am wichtigsten ist der Optimismus. Ich wurde ja selbst fast im Theater geboren. Meine Eltern waren Sänger, und es ist großartig, die Atmosphäre zu spüren. Man sollte einfach wirklich immer gerne mit seinen Kollegen zusammenarbeiten, die Öffentlichkeit und die Presse genießen. Auch wenn Interviews manchmal durchaus ermüdend sind. Aber es ist wohl eine Sache des Charakters.

Wie hat sich das Publikum in den letzten 50 Jahren verändert? Mögen Sie es, Selfies mit Ihren Fans zu machen?
Das ist einer der großen Vorteile der aktuellen Zeit, aber es wird schon viel schwieriger. Wenn Menschen früher hinter die Bühne kamen, wollten sie ein Autogramm, und vielleicht hatten drei Personen eine Fotokamera dabei. Heute hat jeder ein Handy und jeder will ein Foto. Aber man muss mit der neuen Technik mitgehen.

Was wünschen Sie sich noch für die nächsten Jahre?
Meine Frau und ich sind im Moment so glücklich darüber zu sehen, zu welchen Männern unsere Kinder herangewachsen sind. Und unsere Enkelkinder beim Großwerden sehen zu können, ist einfach großartig. Und beruflich: Was soll ich sagen. Es wäre einfach schön, wenn die Dinge noch ein wenig länger so weitergehen könnten, wie sie im Moment laufen.

Warum bringen Sie „Aida“ in die Fußballstadien?
Wir schaffen damit ein neues Publikum. Die Herausforderung ist es, die hohen Erwartungen langjähriger Opern-Fan nicht zu enttäuschen.


Auf der Spur der "Drei Tenöre"

Auf den Autobahnen zwischen Gelsenkirchen und München werden rund 90 Trucks rollen, um das alte Ägypten in die vier deutschen Arenen zu bringen. Der logistische Aufwand stellt selbst Rockgiganten wie die Rolling Stones oder U2 in den Schatten, teilt der Veranstalter mit.

Die Premiere der Stadion-„Aida“ findet am 27. Mai in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen statt. Plácido Domingo steht ebenso wie beim Gastspiel in München am 5. August selbst am Dirigenten-Pult.

Inszeniert wird Verdis Oper von Stefano Trespidi. Das Bühnenbild mit integrierten LED-Leinwänden verantwortet der österreichische Freilichtbühnen-Experte Manfred Waba. Es soll die Welt der Pharaonen auferstehen lassen. Vor der altägyptischen Kulisse mit lebenden Tieren treten mehr als 800 Darsteller auf – 90 Orchestermusiker, 150 Chorsänger, 85 Tänzer und über 500 Statisten. Gesänge und Orchester werden mittels Tontechnik ins Stadion übertragen.

Für die Hauptrollen wird Prominenz wie Roberto Alagna (Radames), Kristin Lewis (Aida), Ekatarina Gubanova (Amneris), Ambrogio Maestri (Amonasro) und Erwin Schrott (Ramphis) angekündigt. Sie wechseln sich allerdings mit Sängern aus der zweiten Reihe ab.

Vor zwei Jahren startete die Planung für das Großereignis. Domingo will damit an seinen Erfolg mit den „Drei Tenören“ in den 1990er-Jahren anknüpfen. Die Karten kosten bei München Ticket zwischen 41 und 151 Euro. Außer in Gelsenkirchen und München soll die Aufführung auch in Hamburg, Frankfurt, Amsterdam, Wien, Paris und Basel gastieren. Nach längerer Pause kommt Domingo auch wieder ins Münchner Nationaltheater. Im April, Mai und Juni singt er in insgesamt fünf Vorstellungen den Germont in „La Traviata“.

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