Nikolaus Habjan und Franui im Prinzregententheater

Die Musikbanda Franui und Puppenspieler Nikolaus Habjan mit „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“ bei der Festspiel-Werkstatt im Prinzregententheater
| Robert Braunmüller
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Der eine ruht (links), der andere denkt und Nikolaus Habjan (re.) hat ihn im Griff, während die Musiker von Franui spielen.
Hösl 3 Der eine ruht (links), der andere denkt und Nikolaus Habjan (re.) hat ihn im Griff, während die Musiker von Franui spielen.
Nikolaus Habjan und seine Puppen im Prinzregententheater.
Winfried Hösl 3 Nikolaus Habjan und seine Puppen im Prinzregententheater.
Nikolaus Habjan und seine Puppen im Prinzregententheater.
Winfried Hösl 3 Nikolaus Habjan und seine Puppen im Prinzregententheater.

Die Musikbanda Franui und Puppenspieler Nikolaus Habjan mit „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“ bei der Festspiel-Werkstatt im Prinzregententheater

Franz Schubert hält vieles aus. Einige seiner Lieder wurden Volksmusik. Wenn zehn Musiker aus dem Osttiroler Bergdorf Innervillgraten seine Melodien spielen, wird daraus Neue Volksmusik. Und wenn die Musikbanda Franui richtig loslegt, klingt es auch dreigroschenmäßig nach Kurt Weill oder Hanns Eisler.

Das Wandern! – lustvoll und unbehaust mit Schubert

Womit das Thema des Abends „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“ im Prinzregententheater zwanglos erreicht wäre: Das Wandern. Und zwar im allgemeinsten Sinn, vom Spaziergang über die existenzielle Unbehaustheit Schuberts bis zur Emigration im 20. und 21. Jahrhundert.

Nikolaus Habjan, der am gleichen Ort eben Webers „Oberon“ bei den Münchner Opernfestspielen inszeniert hat, kam mit einem altmodischen Pappkoffer auf die Bühne. Dann packte er seine Klappmaulpuppen aus und las Robert Walser und einen von Walser ununterscheidbaren Text von Jürg Ammann.

Die Musiker spielten bei dieser Veranstaltung der Festspielwerkstatt der Bayerischen Staatsoper dazu viel Schubert, aber auch Brahms, Schumann und etwas Mahler – anverwandelt an den liebevoll Franui-Stil in seiner Mischung aus Großstadt und Abendland, gemildert durch Tanzboden, Bergmesse, Feuerwehrkapelle und Gebirgsbeerdigung.

Robert Walsers Texte übersetzen Schuberts Lebensgefühl aus der poetischen Biedermeierlichkeit in eine härtere, nähere Vergangenheit. Verhandelt wurden die üblichen Themen: Die vergebliche Liebe, Berge, Nacht und Mondaufgang. Eine der beiden Puppen saß schreibend am Tisch, die andere wanderte durch die Welt. Sie rauchte aber auch mal eine Zigarette und teilte ihre Brotzeit mit einem der Musiker. Ein eher ruhiges, stilles Vergnügen voller herbstlicher Heiterkeit.

Der Tod als freundlicher Bestatter und ein Kreisler-Werbeblock

Ein paar Lieder wurden auch gesungen – als wunderbar rauer, ruhiger Männerchor. Am Ende erschien, wie bei Schubert, der Tod. Er beerdigte die beiden Puppen im Koffer und ging mit ihnen hinaus. Als zweite Zugabe pfiff Habjan noch leise Schuberts „Du bist die Ruh“.

Davor gab’s einen kurzen Werbeblock: Georg Kreislers traurigen Triangelspieler, als Vorgeschmack auf ein kommendes Programm von Franui mit Nikolaus Habjan. Das möchten wir auch sehen. Und zwar schleunigst, bitte.

Am 21. November gastiert Franui mit dem Programm „Frische Ware“ im Prinzregententheater. Karten unter Telefon 93 60 93

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