Nach Abhörskandal an Münchner Theaterakademie: Neue Leitung übernimmt

Staatsintendanz für Theaterzukunft, schönster Hörsaal Münchens, dritte Exzellenzuni der Stadt: Wenn es um die im Prinzregententheater beheimatete Bayerische Theaterakademie geht, ist Markus Blume um Superlative nicht verlegen. Nur die Präsidentin des von August Everding gegründeten Ausbildungsinstituts für Theaterberufe war dem Minister vor über einem Jahr abhandengekommen.
Seit April 2025 wird die Theaterakademie von Lars Gebhardt interimistisch geleitet. Der Minister hatte die Präsidentin Barbara Gronau wegen eines "irreparablen Vertrauensbruchs" entlassen. Dem Vernehmen nach hörte sie über die hausinterne Tonanlage die vertrauliche Sitzung einer Kommission zur Akkreditierung von Studiengängen in den Bologna-Prozess ab, an der sie selbst nicht teilnehmen durfte.
Nun hat eine Findungskommission eine neue Präsidentin aus 46 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt: die 1965 in Bonn geborene Regisseurin Amélie Niermeyer. Ihre Karriere begann am Residenztheater, sie war Intendantin in Freiburg und Düsseldorf. Seit 2011 leitete sie das Thomas Bernhard Institut für Schauspiel, Regie und Applied Theatre des Salzburger Mozarteums.
"Sie weiß, wie man Talente fördert"
Mit der Theaterakademie und dem Prinzregententheater ist Niermeyer seit vielen Jahren verbunden. Als junge Regieassistentin wurde sie von August Everding gefördert. Ihren ersten großen Erfolg hatte sie am Bayerischen Staatsschauspiel mit dem Abtreibungsstück "Memmingen", das Anfang der 1990er Jahre vom Marstall in das Prinzregententheater übernommen, das damals als Interimspielstätte des Residenztheaters diente.

Niermeyer wird ihr neues Amt im Oktober antreten. Sie möchte die internationale Ausstrahlung der Akademie erweitern, stärker vernetzt arbeiten und zugleich die Autonomie der einzelnen Studiengänge stärken. Die neue Präsidentin kann sich eventuell auch Sprechtheateraufführungen im Prinzregententheater vorstellen. Im Opernbereich geht sie von einer Fortsetzung der Kooperation mit dem Münchner Rundfunkorchester aus, dessen künftigen Chefdirigenten Leo Hussain sie aus Salzburg gut kennt.

"Sie weiß, wie man Talente fördert, kreative Räume öffnet und Institutionen mit klarer Haltung führt", sagte Blume bei der Vorstellung der neuen Präsidentin im Kunstministerium. Niermeyer stehe für einen zeitgemäßen Leitungsstil: international vernetzt, künstlerisch exzellent und zugleich mit einem feinen Gespür für gesellschaftliche Debatten.
Die entlassene Präsidentin Gronau ist nun Professorin für Dramaturgie am Institut für Theaterwissenschaft der Uni. Ein Deal nach einem Arbeitsgerichtsverfahren? Dazu wollte sich Blume unter Berufung auf die Vertraulichkeit von Personalfragen nicht äußern.