Mit Panzer und Parsifal

Die merkwürdige Selbstinszenierung des Bayreuther Regisseurs Jonathan Meese auf seiner Homepage
| Robert Braunmüller
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Als Jonathan Meese Bayreuth wieder verließ, fuhr offensichtlich ein Panzertransport durch den Bahnhof der Festspielstadt.
Photographie Jan Bauer.net/Courtesy JonathanMeese.com Als Jonathan Meese Bayreuth wieder verließ, fuhr offensichtlich ein Panzertransport durch den Bahnhof der Festspielstadt.

Die seltsame Selbstinszenierung des Bayreuther "Parsifal"-Regisseurs Jonathan Meese auf seiner Homepage

In seinen Werken beschäftigt er sich mit Diktatoren von Hitler und Stalin bis Pol Pot. Wüst ist seine Bilder- und Skulpturenwelt, die von maskierten Gestalten, außerplanetarischen Kriegern, Totenköpfen und erigierten Penissen bevölkert wird. Gelegentlich kontraktieren sich seine Muskeln im rechten Arm zu einer in Deutschland wie Österreich verbotenen Handbewegung.

Jonathan Meese ist ein Mann fürs ästhetisch Grobe und als Performer, Bildhauer und Autor von Traktaten ein lebendes Gesamtkunstwerk. Richard Wagners Urenkelinnen haben den britisch-deutschen Künstler nicht ohne Konsequenz als „Parsifal”-Regisseur für 2016 gewonnen – zum Grausen der Traditionalisten.

Mit dem Helden aus Wagners Oper hat der 42-jährige Meese eine starke Bindung an seine Mutter gemeinsam. Sie scheint ihm, wenn der Homepage des Künstlers zu trauen ist, zur Annahme des Angebots geraten zu haben. Auf anderen Fotos posiert er vor Arno Brekers Wagner-Büste vor dem Festspielhaus. Im Orchestergraben spricht er mit Christian Thielemann, der die Neuinszenierung allerdings nicht dirigieren wird – das macht Andris Nelsons.

Bei Meeses Abreise fuhr ein Panzertransport durch den Bahnhof. Auf dem letzten Bild der Serie ist die berüchtigte Muskelkontraktion zu sehen, aufgenommen im Magazin der Berliner Staatsoper bei der Performance „Jonathan Meese ist Mutter Parzifal”.

Dazu könnten einem die ominösen Tattoos des in Bayreuth hinausgeworfenen Sängers Evgeny Nikitin einfallen: Der ging mit den fraglichen Symbolen allzu lässig um. „Meese spielt nicht mit Hakenkreuzen. Und Bayreuth auch nicht" verteidigt Katharina Wagner ihr Engagement in der "Welt". "Er setzt sie ironisch und sogar auch zynisch ein, um eine Haltung, um unsere Geschichte kritisch anzuprangern. Ich setze auf den mündigen, aufgeklärten Besucher. Die Leute erwarten immer mehr etwas Besonderes, Nonkonformistisches. Und da sehen wir uns mit Jonathan Meese eigentlich bestens aufgestellt.“

www.jonathanmeese.com

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