Marek Janowski rast durch die "Walküre"

Der zweite Abend von Wagners "Ring des Nibelungen" im Bayreuther Festspielhaus
| Christa Sigg
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Georg Zeppenfeld als Hunding.
Bayreuther Festspiele/Nawrath Georg Zeppenfeld als Hunding.

Der zweite Abend von Wagners "Ring des Nibelungen" im Bayreuther Festspielhaus

Oft genug sind die älteren Herren eine sichere Bank. Wer sich an Marek Janowskis „Ring“-Einsätze an der Bayerischen Staatsoper erinnert, weiß um einen verlässlichen Gestalter. Auch wenn man letztlich lieber zu Wolfgang Sawallisch ging. 20 Jahre später waren die Erwartungen aber hoch genug, um jetzt in Bayreuth für die große Enttäuschung zu sorgen. Aus dieser späten Begegnung wird jedenfalls keine Liaison.

Der 77-Jährige jagt im Parforce-Ritt durch die Partitur. Während im Orchester zu vieles durcheinander gerät, haben die Sänger zudem beträchtliche Probleme, bei den wahnsinnigen Tempi mitzuhalten. Was im amüsanten „Rheingold“ noch gut ging, wurde in der „Walküre“ zur desaströsen Kamikaze-Tour. Mancher sah den Eilzug mehrfach von hinten, doch Janowski ließ das völlig kalt.

Sowieso ist diese „Ring“-Produktion von dauernden Personalwechseln gebeutelt. Das mag in Frank Castorfs Bilder-Bombast kaum ins Gewicht fallen. Allerdings wird im akustisch schwierigen Holzstadel-Imperium östlicher Ölbarone jede Premium-Fachkraft gebraucht. Und jetzt müssen die Sänger auch noch mächtig ackern, um überhaupt am Ball zu bleiben. Georg Zeppenfeld, der schon einen grandiosen Gurnemanz im „Parsifal“ hingelegt hat, gelingt das am besten. Unfassbar, wie dieser Edel-Hunding in jeder Phase höchst präsent ist, die Stimme immer auf dem Punkt.

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Im Heulbojen-Geschwader der Walküren geht’s dagegen drunter und drüber, das ist man fast schon gewohnt. Sarah Connolly reagiert als Fricka mit verschärfter Hysterie. Doch vor allem das hohe Paar hat es richtig schwer.

Selbst der mit einem robusten Organ ausgestattete Christopher Ventris muss sich als Siegmund durch die Weiten der Förderanlage kämpfen – und tut es wacker. Ausladende Töne lässt der Mann am Pult leider nicht aufkommen. Deshalb schafft es Heidi Melton, die Sieglinde von der Ersatzbank, gar nicht erst ins Spiel. Abgesehen davon ist die wenig wendige Darstellerin in dieser Partie eine Fehlbesetzung. Und zu allem Überfluss wurde der Wonnemond vom Pult aus auch noch zur schnellen Nummer gepeitscht.

Beim geplanten Wotan-Wechsel in der „Walküre“ imponiert nun John Lundgren im zauseligen Quäker-Bart. Ein Verzweifelter, der die Härte gegenüber seiner Wunschmaid schon gleich wieder bereut. Doch wer kann dieser eindringlichen Brünnhilde der Catherine Foster schon die kalte Schulter zeigen?

Mit Feinsinn verfolgt sie Frickas Eherettungs-Mission, um bald tiefem Mitleid zu erliegen. Ihren Sopran hat Foster im Griff, und würde ihr Janowski auch nur etwas mehr Zeit und Luft lassen, sie könnte gerade in den Höhen noch intensiver aufblühen. Erstaunlich, dass sich scheinbar keiner gegen diese Ignoranz aus dem Graben zur Wehr setzt. Aber auch das wäre Altmeister Marek Janowski wahrscheinlich wurscht.

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