Ludovic Tézier im Prinzregententheater: Ein lukullischer Farbreichtum

Opernfestspiele: Ludovic Tézier und der Pianist Helmut Deutsch mit Liedern von Schumann, Fauré, Ravel im Prinzregententheater.
| Michael Bastian Weiß
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Der Sänger Ludovic Tézier.
Sony/Gregor Hohenberg Der Sänger Ludovic Tézier.

Bestimmt haben sich viele Hörer schon einmal gefragt, ob ein Sänger für die Musik seiner Heimat besser geeignet ist als für die anderer Landstriche. Für Ludovic Tézier kann man das sicherlich nicht behaupten. Der Franzose, noch nicht Mitte 50, ist nicht nur ein geborener Rigoletto, ein prachtvoller Graf in Mozarts "Figaro" und in Puccinis "Tosca" ein (etwas zu) eleganter Scarpia, sondern auch ein kerniger Wolfram in Wagners "Tannhäuser".

Ludovic Tézier: Sein raumgreifender Bariton verströmt sich frei und offen

Mit dem Deutschen hat Tézier also keine Probleme, wenn er im Prinzregententheater den Liederzyklus "Dichterliebe" von Robert Schumann vorträgt; nur über die übertriebenen und dazu noch aspirierten Endkonsonanten muss man hinweghören: Da wird im Finalgesang "Die alten bösen Lieder" etwa aus dem "Sarg" ein "Sarkkh".

Beim Liedgesang geht es aber um mehr als um Sprache, nämlich auch um die Haltung, die Statur, die Persönlichkeit. Und die atmet im Falle Ludovic Téziers Opernhaftigkeit aus jeder Pore. Sein raumgreifender Bariton verströmt sich frei und offen, das Timbre ist bis in die gutsitzende Tiefe hinein lukullisch, die große Stimme kann auch durchaus leise geführt werden.

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Tézier malt Schumanns Zyklus mit breitem Strich

Doch der volle Farbreichtum stellt sich erst ab einem gewissen Volumen ein, manchmal schleift Tézier Töne von unten an oder Melodiespitzen platzen heraus; in "Aus alten Märchen" lässt er ausgerechnet das Wort "Schaum" mit einem Crescendo anschwellen. Kurz, Tézier malt Schumanns Zyklus mit breitem Strich, und zu besonders zarten oder expressiven Klängen kann sich auch Helmut Deutsch am Flügel nicht so recht aufraffen.

Das machen andere Liedduos filigraner. Im zweiten Teil jedoch bewegt sich Ludovic Tézier wie der Fisch in seinem Element. Ist es Zufall, dass es sich hierbei um - französisches Wasser handelt?

Sehr apart haben er und Deutsch, der sich hier begleiterisch äußerst frankophil zeigt, vier kleine moderne Sammlungen zusammengestellt, von Gabriel Fauré, Henri Duparc, Maurice Ravel und Jacques Ibert. Tézier scheint das verträumt Rauschende von Faurés letztem Liederzyklus "L'Horizon chimérique" so direkt auf den Leib geschrieben wie das phantastisch Ritterliche der beiden kurzen Don Quichotte-Sammlungen von Ravel und Ibert.

Auch ein so polyglotter Sänger wie Ludovic Tézier muss ja irgendwo zuhause sein.

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