Lockerungen für die Kultur: Eine Öffnung, die keine ist

Die "Lockerungspläne" von Söder und Sibler machen Kunst vor Publikum weiterhin fast unmöglich.
| Robert Braunmüller
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Patrick Diesing (l.) und Felix Lechner können ihr "Kino am Olympiasee" wieder öffnen.
Veranstalter Patrick Diesing (l.) und Felix Lechner können ihr "Kino am Olympiasee" wieder öffnen.

Von den sonst knapp 2 000 Zuschauern sollte nur ein Viertel kommen. Mit 500 Besuchern und einem mit dem Kreisverwaltungsreferat besprochenen Hygienekonzept wollte "Kino am Olympiasee" am Donnerstag starten, ohne Biergarten und ohne Picknickwiese, mit nummerierten und fest zugewiesenen Plätzen auf bequemen Liegestühlen in einem Abstand von 1,5 Meter, nur buchbar im Doppelpack.

Daraus wird nach der Kabinettssitzung in der Staatskanzlei nichts. Erst ab 15. Juni soll es in Bayern wieder Kinovorstellungen geben, verkündeten Ministerpräsident Markus Söder und Kunstminister Bernd Sibler. Und auch dann nur für 50 Besucher auf Abstand in geschlossenen Räumen und 100 an der frischen Luft.

Wie soll sich das rechnen?

Die Münchner Stadtmedien GmbH vertraute als Veranstalter von "Kino am Olympiasee" darauf, dass für Aufführungen unter freiem Himmel Ausnahmegenehmigungen von der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde erteilt werden können, soweit dies im Einzelfall aus infektionsschutzrechtlicher Sicht vertretbar ist. Die scheint nun, nach der Entscheidung des Kabinetts, nicht mehr gegeben.

Ob Kino-Open-Airs vor 100 Zuschauern wirtschaftlich sinnvoll sind? Die billigsten Karten bei "Kino am Olympiasee" sollten 13,90 Euro kosten – inklusive eines Euros als Solidarbeitrag für Programmkinos: eine vergleichsweise maßvolle Erhöhung. Für nur 100 Zuschauer dürfte sich der ganze logistische Aufwand allerdings kaum rechnen.

Die Entscheidung des Kabinetts fiel wohl unter dem Eindruck der Neu-Infektionen bei einem Gottesdienst in Hessen. Wie bereits in den Wochen zuvor warnte Söder vor einem Wettbewerb bei den Lockerungen. Bei einem günstigen Verlauf der Pandemie könnten, so Sibler, demnächst auch Veranstaltungen mit 500 Personen im Freien und 350 Zuhörern in geschlossenen Räumen möglich sein – immer unter Einhaltung der Abstandsregeln.

Konzerte: Das Ende der Saison

Die bisher erstellten Hygienekonzepte sind nun Makulatur. Max Wagner sprach im Zusammenhang mit der Philharmonie im Gasteig von 600 Besuchern. Derlei dürfte nach gegenwärtigem Stand nicht vor Anfang Juli genehmigungsfähig sein. Dann ist die Konzertsaison so gut wie zu Ende. Auch bei den Theatern endet die Spielzeit spätestens am Ende Juli.

Sibler fasste in der Pressekonferenz noch einmal die beschlossenen Maßnahmen im Kulturbereich zusammen. 42 Millionen gebe es für Theater, Kinos und andere Spielstätten mittlerer Größe, um die Strukturen zu erhalten, sieben Millionen Euro gebe es für die Filmproduktionen, zehn Millionen für Laienmusik.

Der knausrige Staat

Dann lobte der Kunstminister noch einmal sein 140 Millionen schweres Künstlerhilfsprogramm, das maximal 1.000 Euro für insgesamt drei Monate vorsieht. Auf die anhaltende Kritik der Betroffenen reagierte er nur mit einer minimalen Nachbesserung: Wer aus einem anderen Programm für Selbstständige Mittel erhalten habe, könne nun einen weiteren Antrag stellen, um die 1.000 Euro zu erreichen.

Auch die Höhe der Ausfallhonorare für an den staatlichen Bühnen tätige Freiberufler erläuterte der Kunstminister noch einmal: Gagen bis 1000 Euro werden zu 60 Prozent ausbezahlt, höhere Beträge bis zu einer Höchstgrenze von 2.500 Euro zu 40 Prozent.

Das betrifft aber nur die Staatstheater. Bei allen anderen Freiberuflern im Kunstbereich, deren Einnahmen coronabedingt wegfallen, bleibt der Staat knausrig. Entschädigt werden nur drei Monate, obwohl mittlerweile klar sein dürfte, dass bis weit in den Herbst Beschränkungen bei der Besucherzahl massive Verlusten bringen werden. Freischaffende im Kulturbereich haben eben keine lautstarke Lobby wie die Biergärten, die Autoindustrie oder die Lufthansa.    

Lesen Sie hier: Kulturschaffende schlagen Alarm - Schuldenberg statt Altersvorsorge

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