Lach- und Schießgesellschaft: Ein buntes Völkchen

Das neue Ensemble der Lach- und Schieß debütiert bei Nieselregen im Garten der Seidlvilla.
| Mathias Hejny
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Christl Sittenauer, Sebastian Fritz und Frank Klötgen warten zwischen Groß- und Kleindingharting auf den Bus.
Christl Sittenauer, Sebastian Fritz und Frank Klötgen warten zwischen Groß- und Kleindingharting auf den Bus. © Gerald von Foris

München - Wohin diese Leute im Reisebus wollen, bleibt ungewiss. Als Rausschmeißer der Show singen sie eine locker eingedeutschte Version des Talking-Heads-Hits "Road To Nowhere".

Obwohl der Song aus den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts stammt, kann man inmitten von Pandemie und Klimawandel auch heute nicht mehr Präzision erwarten, wenn es darum geht, den Weg in die nächste Zukunft zu beschreiben.

Lach und Schieß: Kein Hinweis auf Corona

Dabei verzichtet das neue Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft auf jeden Hinweis auf Corona. Auch die in wenigen Wochen anstehende Bundestagswahl kommt im Debüt-Programm "Aufgestaut" nicht vor.

Zwischen dem ursprünglich geplanten Premierentermin im Stammhaus und der tatsächlichen ersten Vorstellung im vernieselten Garten der Seidl-Villa liegen eineinhalb Jahre. Unabhängig vom Wetter bleibt die Präsentation eines neuen Lach- und Schieß-Ensembles immer von der Aura des Besonderen und des Historischen umweht, zumal das Ensemblekabarett eine aussterbende Spezies ist.

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Frische Farbe für die Lach- und Schieß

In diesem Falle kommt hinzu, dass keiner aus dem neuen kabarettistischen Dreigestirn bisher im Kleinkunst-Kosmos nennenswerte Spuren hinterließ. Aber die Architekturdozentin und Fernsehmoderatorin Christl Sittenauer, der Schauspieler ("Sturm der Liebe", "Barcelona-Krimi") Sebastian Fritz und der Slam-Poet Frank Klötgen geben dem geschichtsschweren Schwabinger "Laden" eine frische Farbe.

Formal sind sie weniger experimentierfreudig wie ihre 2015 formierten Vorgänger und liegen wieder näher am klassischen Kabarett. Das Politische wandeln sie aber in eine Allegorie für das aktuelle Lebensgefühl, das zwangsläufig auch etwas mit Politik zu tun hat: Der vollbesetzte Bus, der in einem Stau festsitzt.

Ein buntes Völkchen in einem Reisebus

Bald erlebt die Fahrerin einen Shitstorm ihrer Passagiere und es verbreitet sich die Information, dass die Frau am Lenkrad nicht nur keinen Führerschein habe, sondern nicht einmal lesen könne.

Die Fahrgäste sind ein buntes Völkchen: Das auffällig unauffällige Ehepaar mittleren Alters etwa, die Manager, die im Stillstand vom fehlenden Stress gestresst sind, der Arzt, der sein riesenwüchsiges Selbstbewusstsein als Spezialist für Milztransplationen bezieht oder der Autor von Hassbotschaften, der darin endlich seine berufliche Erfüllung gefunden hat.

Sympathische Truppe mit morbidem Humor

Regisseur Sven Kemmler baute die so unterschiedlichen Typen und die Typin zu einer sympathischen Truppe mit Neigung zu morbidem Humor zusammen. Im Fortgang der Stau-Krise kommt es in den hinteren Sitzreihen zu Mordfällen und wenn der Mineralwasservorrat zur Neige geht, wird Kannibalismus zu einer möglichen Option.

Als sich der Stau endlich auflöst, die Reisenden aber darüber nachdenken, ob das Weiterfahren einen Sinn hat, ist das kein wirkliches Happy End.


Garten der Seidl-Villa, wieder heute sowie am 13., 14., 26., 27. August, 1., 2. September, 19.30 Uhr, Telefon: 089/91997

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