Karl Alfred Schreiner über "Atlantis"

Gärtnerplatztheater: Ballettchef Karl Alfred Schreiner über seine Choreografie „Atlantis“
| Vesna Mlakar
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Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.
Marie-Laure Briane 5 Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.
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Marie-Laure Briane 5 Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.
Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.
Marie-Laure Briane 5 Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.
Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.
Marie-Laure Briane 5 Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.
Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.
Marie-Laure Briane 5 Das Ballett "Atlantis" im Gärtnerplatztheater.

Mit seiner 20-köpfigen Kompanie begibt Karl Alfred Schreiner auf die Suche nach einem Ort der Empathie und des gegenseitigen Respekts. Sein Expeditionsballett, das heute im Gärtnerplatztheater uraufgeführt wird, führt nach „Atlantis“.

AZ: Herr Schreiner, am Ort der Utopien und Wünsche darf sich die gesamte Tänzercrew ungesichert auf einer olympiadachähnlichen Seilkonstruktion austoben. Ist das nicht arg verletzungsriskant?
Karl Alfred Schreiner: Ich habe meine Idee ganz offen mit der Kompanie diskutiert. Bei der ersten Probe auf der Bühne – die Konstruktion ist nur hier und in keinem Probensaal bespielbar – haben alle erst mal begeistert ausgetestet, was tänzerisch überhaupt geht. Sie stehen räumlich und bewegungsmäßig vor einer neuen Herausforderung. Und sich auf eine andere Ebene zu begeben, macht Spaß.

Die sicherheitstechnische Abnahme klappte ohne Auflagen?
Ja, in unserem Fall greift der Passus „ausreichend geprobt“.

Welche Bedeutung hat das riesige Netz?
„Atlantis“ ist ein Stück über einen philosophischen Ort, der, wie ich das sehe, von Platon erfunden wurde und über die Jahrhunderte immer wieder absurde Unternehmungen anregte. Ich sehe darin einfach die Utopie einer besseren Welt, um unserer Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Mir war schnell klar, dass ich mit meinen Ausstattern Julia Müer und Heiko Pfützner eine Metapher für einen fremdartigen Kosmos finden muss, in dem alle miteinander vernetzt sind. Und die Möglichkeiten des Raums sich von denen einer geraden Bühnenfläche unterscheiden. Das Besteigen des ungewohnten Geländes verlangt zugleich einen verantwortungsvollen Umgang mit den Anderen. Rasch kamen uns Sternbilder, Zellstrukturen und Gesellschaftmodelle in den Sinn.

Der Mythos um die versunkene antike Stadt bleibt Nebensache?
Natürlich schwingt in meiner Choreografie diese Assoziation einer Unterwasserwelt mit. Aber ein Netz kann schnell auch zum Gefängnis werden – und diese Richtung wollte ich auf keinen Fall einschlagen. Mich hat das Hinterfragen von Toleranz, der philosophische Gedanke und das Innermenschliche mehr interessiert, als mir Atlantis haptisch vorzustellen.

Wo beginnt die Reise?
In einem wissenschaftlichen Labor, wo sich stereotyp, ja geradezu entmenschlicht alles nur um Daten und Fakten dreht. Es gibt keinen individuellen Spielraum für die einzelnen Darsteller. Jeder empathische Moment wird dem Nutzen und Ziel nach mehr Erkenntnis untergeordnet. Der Link zum zweiten Teil ist eine Bewohnerin von Atlantis. Im Reagenzglas reduziert auf den Wert eines bloßen Forschungsobjekts. Dass hinter Zahlen und Paragrafen jedoch stets Schicksale stecken, hat mich bei dieser Arbeit gereizt.

Auch dieser Ballettabend wird – wie „La Strada“ und „Romeo und Julia“ – wieder live vom Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz begleitet.
Dafür kämpfe ich! Mit künstlerischen Mitteln. Um der Verlockung zu trotzen, einen akustischen Gemischtwarenladen zu präsentieren, entschieden Michael Brandstätter, unserer musikalischer Leiter, und ich uns bewusst für Werke zeitgenössischer Komponisten, die rein für Streicher, Schlagwerk und Klavier geschrieben wurden. Das von Carlo Gesualdos Madrigalen inspirierte Werk des Australiers Brett Dean „Carlo“ für Streicher, Sampler und Tonband sorgt schließlich für ein atmosphärisch flirrendes, entrücktes Klangerlebnis nach der Pause.

Premiere am 7. Juni um 19.30 Uhr im Gärtnerplatztheater, weitere Vorstellungen am 10., 12., 16. Juni und 25. Juli. Karten unter Telefon (089) 21 85 19 60

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