Josef E. Köpplinger inszeniert "Viktoria und ihr Husar"

Josef E. Köpplinger über seine Inszenierung von „Viktoria und ihr Husar“, den Komponisten Paul Abraham und den kommenden Umzug ins Gärtnerplatztheater
| Robert Braunmüller
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Christoph Filler (Graf Ferry Hegedüs auf Doroszma), Susanne Seimel (O Lia San) und das Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz.
Christian Pogo Zach 6 Christoph Filler (Graf Ferry Hegedüs auf Doroszma), Susanne Seimel (O Lia San) und das Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz.
Daniel Prohaska.
Christian Pogo Zach 6 Daniel Prohaska.
Daniel Prohaska (Stefan Koltay) und Gunther Gilian (Leutnant Petroff).
Christian Pogo Zach 6 Daniel Prohaska (Stefan Koltay) und Gunther Gilian (Leutnant Petroff).
Susanne Seimel (O Lia San)
Christian Pogo Zach 6 Susanne Seimel (O Lia San)
Alexandra Reinprecht (Gräfin Viktoria) und Daniel Prohaska (Stefan Koltay).
Christian Pogo Zach 6 Alexandra Reinprecht (Gräfin Viktoria) und Daniel Prohaska (Stefan Koltay).
Susanne Seimel (O Lia San) und das Ensemble.
Christian Pogo Zach 6 Susanne Seimel (O Lia San) und das Ensemble.

Diese Operette ist voller Schlager wie „Meine Mama war aus Yokohama“ oder „Mausi, süß warst du heute Nacht“. Aber das ganze Stück wurde zuletzt vor 67 Jahren in München aufgeführt. Ab Donnerstag zeigt das Gärtnerplatztheater „Viktoria und ihr Husar“ von Paul Abraham im Prinzregententheater. Der Intendant Josef E. Köpplinger hat die Operette inszeniert.

AZ: Herr Köpplinger, was reizt Sie an dieser selten gespielten Operette?

JOSEF E. KÖPPLINGER: Paul Abrahams Biografie und seine unglaubliche Sehnsucht. Vor Jahren wollte ich mal eine Revue machen mit dem Komponisten, wie er im Irrenhaus die Treppe putzt. Und dann erscheinen ihm die Figuren seiner Operetten.

Was ist denn an seinem Leben so interessant?

Angeblich war er ein Wunderkind. Er soll mit sechs oder sieben Jahren am Konservatorium in Budapest zu komponieren begonnen haben. Aber das ist nicht wirklich belegt. Er hat seine Welterfolge um 1930 herum in wenigen Jahren geschrieben. Der größte war „Viktoria und ihr Husar“.

Abraham musste 1933 in die USA emigieren.

Dann verfiel er, wegen Syphilis und psychischem Druck, dem Wahnsinn. Als er 1956 nach Europa zurückkam, spielte man bei seiner Ankunft „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“. Er soll gefragt haben, von wem diese schöne Musik stamme. Ich glaube nicht, dass er so fertig war. Er hat das wohl zynisch gemeint, weil er nie verkraftet hat, was man ihm und anderen Kollegen jüdischer Herkunft angetan hat.

Spielt „Viktoria und ihr Husar“ bei Ihnen nun in der Nervenheilanstalt?

Nein. Die Handlung beginnt in einem sibirischen Gefangenenlager am Ende des Ersten Weltkriegs. Der Rittmeister Koltay und sein Bursche sollen erschossen werden. Janczy spielt eine ungarische Melodie, das rührt den Kosaken Petroff. Der lässt sich die Geige schenken und schon dürfen sie gehen. Da habe ich gesagt: Das kann ich nicht.

Wie kratzen Sie als Regisseur die Kurve?

Bei uns sagt der Kosak: „Was wäre, wenn ich Dich freilassen würde?“. Es ist wie in „Tausendundeine Nacht“ – Koltay erzählt, um am Leben zu bleiben. Alle Figuren bleiben auf der Bühne, und müssen zwei, drei Ebenen spielen. Wir erzählen die kolportagehafte Handlung, ohne das Stück zu diskreditieren, und nehmen die große Sehnsucht der Silbernen Operette nach dem Exotischen und der Vergangenheit ernst.

Nimmt da die Musik keinen Schaden?

„Viktoria und ihr Husar“ ist ein Vier-Stunden-Schinken. Wir haben die Operette auf eindreiviertel Stunden ohne Pause gestrafft. Ein Buffo-Duett und einige Wiederholungen fallen weg. Die Musik hat eine große Spannbreite von großen opernhaften Szenen der Silbernen Operette bis zu musicalhaften Tanznummern. Sie erklingt in der eher schrägen, später planierten Urfassung. Abraham lässt Schlüsse stehen, wo jeder andere einen Übergang komponiert hätte. Das gibt dem Stück einen eigenen Rhythmus.

Wann haben Sie „Viktoria und ihr Husar“ zum ersten Mal gehört?

In meiner Kindheit. Wir hatten ein Familienabo mit Aufführungen in der Volksoper, dem Badener Stadttheater und dem Wiener Raimundtheater. Ich fand Paul Abrahams Operette ungemein flott und witzig. Und ich habe mir die Melodien gemerkt.

Wird es nicht schwer, die Qualität der Serien-Aufführungen im Repertoire zu halten, wenn Sie in eineinhalb Jahren wieder im Stammhaus spielen?

Wir haben viele der Sänger, die bisher als Gäste bei uns waren, nun fest engagiert – etwa Jennifer O’Laughlin oder Mathias Hausmann. Daniel Prohaska oder Nadine Zeintl werden feste Gäste. Ich bin überzeugt, dass unsere Qualität nicht einbricht. Im Spielplan verbinden wir feste Stück-Blöcke mit dem Repertoire. Der Schwerpunkt unserer 230 Vorstellungen wird bei der Oper liegen. Mehr Operette und Musical sind bei unserem wirklich nicht großen Budget kaum drin – solche Aufführungen kommen teuer.

Können Sie die „Zirkusprinzessin“ aus dem Zirkus Krone ins Gärtnerplatztheater übernehmen?

Aber sicher. Das ist leichter als bei „Hair“, einer sehr teuren Produktion, bei der nur zwei Sänger vom Haus mitgewirkt haben. Meine „Zirkusprinzessin“ läuft im zweiten Jahr an der Deutschen Oper am Rhein. Als die Clowns den Vorhang geöffnet haben, gab es für die Manege und die bunten Lichter Szenenapplaus.

Ist es riskant, mit „Viktoria und ihr Husar“ gegen die Fußball-EM anzuspielen?

Wir liegen bei den sieben Vorstellungen im Vorverkauf bereits über unseren Erwartungen. Der Rest hängt von der Premiere ab.

Schauen Sie sich die Spiele an?

Deutschland gegen die Ukraine hat mir gefallen. Das erste Spiel der Österreicher kann ich leider nicht sehen. Ich habe keinen Patriotismus – ich war 70 Prozent meines bisherigen Lebens Ausländer. Für mich ist Heimat, wo eine Freunde sind und wo ich gemocht werde.

Hat Sie die politische Zuspitzung bei der Wahl des österreichischen Bundespräsidenten überrascht?

Wenn nur Rechts und Grün zur Wahl stehen, wäre es wohl in jedem Land so gekommen. Das sage ich mit einem „Leider“ mit sieben Ausrufezeichen. Es gibt mehr Trotzwähler, als viele glauben. Und zu wenig Herzensbildung. Dafür brauchen wir Kunst und Kultur.

Premiere am Donnerstag, 16. 6., um 19.30 Uhr im Prinzregententheater. Weitere Vorstellungen bis 25. 6., Karten unter Telefon 2185 1960

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren