Jochen Malmsheimer: Polyphem mit Spiegelei
Mit einer Truppe um Jochen Malmsheimer, Sven Kemmler, Christl Sittenauer, Nessi Tausendschön, Dagmar Schönleber, Ulan & Bator, Moses Wolff und Till Hofmann geht es im Lustspielhaus auf große Fahrt, diesmal auf Irrfahrt. Nach Exkursen zu König Artus, in den Wilden Westen und die schottischen Highlands oder zu den Musketieren steht diesmal die Antike auf dem Spielplan: „Die Odyssee - Durst ist schlimmer als Heimweh“ heißt das neue Opus.
AZ: Herr Malmsheimer, Sie sind mal wieder ihrer Zeit voraus, kommt doch der „Odyssee“-Blockbuster von Hollywood-Regisseur Christopher Nolan erst im Juli ins Kino.
JOCHEN MALMSHEIMER: Es ist unglaublich, warum sich das immer so doppelt. Bei den Musketieren war es ähnlich. Da brach plötzlich ein unglaubliches Fieber aus, nachdem wir bekannt gegeben hatten, dass wir die Musketiere machen wollen. Ich kann nicht sagen, woher das kommt, aber es freut mich. Dem Stoff tut es gut, sagen wir mal so.
Der Hollywood-Cast ist irre: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Zendaya, Robert Pattison, Charlize Theron…
Was die dann machen und ob die das können, was sie sich vornehmen, ist damit nicht sicher. Da wäre ich doch ganz vorsichtig. Wir haben unseren Cast deutlich bescheidener angefangen und freuen uns aber dennoch enorm darauf. Ich denke, wir werden auch unseren Spaß haben und den hoffentlich auch transportieren können.
"Unter 250 Millionen tun wir es nicht"
Das Budget von Christopher Nolan liegt bei rund 250 Millionen Dollar - das wird bei Ihnen ganz ähnlich sein, oder?
Ja ja, natürlich, sicherlich. Das war von vornherein klar, darunter tun wir es nicht. Wir haben ja auch sonst Verpflichtungen, müssen uns quasi aus Verträgen raus kaufen lassen, damit wir überhaupt an diesem Abend da sein können. Das muss natürlich alles bezahlt werden.

Wollen Sie schon verraten, was im Lustspielhaus zu sehen sein wird?
Ich bin ja nur ein Teil der Truppe und kann sagen, dass ich noch Blut und Wasser schwitze, weil ich noch in einem Trialog stecke, den ich gerade anfertige.
Was für ein Trialog?
Der zwischen Sven Kemmler, der vermutlich den Odysseus geben wird, und mir, der ich vermutlich Teiresias, der blinde Sänger, sein werde, was allein schon ein großer Spaß ist. Hades wird auch noch dabei sein. Ansonsten werden wir wie immer das selber erst am Tag vor der Premiere erfahren, was da eigentlich los ist. Denn jeder bringt im Gepäck etwas mit, legt es auf den Tisch und sagt: ‚Das biete ich an.’ Dann stecken wir das zusammen und schauen, was passiert.
Die Polyphem-Platte beim Griechen
Ich hätte Stein und Bein geschworen, dass Sie den Erwin Odysseus geben. Sie hätten sich ja nicht mal einen Bart wachsen lassen müssen.
Stimmt, den habe ich bereits, und der passt da hervorragend rein, auch als Teiresias.

Und wer der Kollegen spielt nun was?
Ich weiß es tatsächlich nicht. Ich glaube, dass Ulan & Bator Skylla & Charybdis sein werden, was ich auch grandios finde, was ich aber noch nicht sicher weiß. Die Damen werden vermutlich Sirenen sein, aber auch das weiß man nicht sicher. Manchmal ergeben sich Veränderungen, da muss man drauf reagieren. Das machen wir dann auch immer, und das ist ein großer Spaß. Und das soll es auch bleiben, soweit es geht.
Das Markanteste, was einem aus dieser legendären Verfilmung mit Kirk Douglas im Kopf geblieben ist, ist natürlich der Polyphem. Wird es den auch im Lustspielhaus geben?
Weiß ich nicht. Es ist ja unglaublich schwierig, einäugige Kollegen aufzutreiben. Es gibt sie, aber die sind oft terminlich auf Jahre hinaus ausgebucht. Was ich in diesem Zusammenhang nie vergessen werde: Ich war mal in einem griechischen Lokal, da gab’s die Polyphem-Platte - da war in der Mitte ein Spiegelei drauf. Ich hab’ gedacht, ich schrei Kakao! Da wurde der Geschmacklosigkeit Tür und Tor geöffnet, das wollen wir natürlich nicht mitmachen.
Wann hat sich das Künstlerkollektiv auf das Thema geeinigt?
Oh, das war schon, als wir mit dem letzten Mal durch waren. Da haben wir überlegt, das wär doch schön, wenn wir die Odyssee machten, und das wollen wir dann einfach mal beibehalten.
"Wir erleben die Premiere wie das Publikum"
Ein sehr weites Feld, diese griechischen Sagen.
Ich bin auch sehr gespannt, wie wir das alles zusammenstecken. Wenn man am Vorabend der Premiere zusammensitzt und jeder zeigt, was er hat, dann kommt so viel nochmal hoch und man sagt: „Ah, fantastisch!“ - und schreibt dann eine Überleitung. Beim letzten Mal hab’ ich noch eine ganze Nummer geschrieben, weil das einfach da passte und schön war.
Das Werk entsteht sozusagen im Kollektiv?
Sven Kemmler führt Regie, sagt dann: „Das ist indiskutabel, wir sagen es ab.“ Oder er sagt: „Das machen wir!“ Dann reden alle durcheinander, und dann gehen wir damit auf die Bühne. Es ist eigentlich so, wie ich es mir immer gewünscht habe, so informell. Ich finde das toll. Es muss nicht immer gut sein, was da entsteht, aber es entsteht viel. Und das allein ist schon ein Gewinn für jeden, der dabei ist.
Aber wahrscheinlich wird es am Montagabend bei der Probe schon ganz schön spät werden, oder?
Das kann durchaus sein. Ich würde mich da nicht darauf versteigen. Wir wissen inzwischen alle, wie wichtig ein guter Nachtschlaf ist für den folgenden Tag. Das haben wir gelernt im Lauf der Jahre. Aber es macht auch Freude. Wir überraschen uns ja auf der Bühne, machen uns auch gegenseitig die Nummer nicht vor, die wir haben, sondern erleben die in der Premiere genauso zum ersten Mal wie das Publikum. Und das ist sehr prickelig.
Lustspielhaus, 12. bis 15. Mai 2026, 20 Uhr
- Themen:
- Kirk Douglas


